Nach dem Rücksetzer zum Ende der Vorwoche zeichnet sich zum Wochenstart eine Atempause ab. Der X-Dax signalisierte eine Stunde vor Handelsbeginn ein Plus von 0,3 Prozent auf 25.251 Punkte. Ob daraus mehr wird als ein technischer Reflex, hängt an mehreren Baustellen zugleich.

Tech-Schwäche, Zinsen, Öl

Am Freitag war der Leitindex zeitweise bis fast auf 25.000 Punkte gefallen. Auslöser war die Schwäche des US-Technologiesektors: Der Nasdaq 100 notierte zuletzt auf dem tiefsten Stand seit Mitte September. Im Kern geht es um die Frage, ob sich die Milliardeninvestitionen in Künstliche Intelligenz zeitnah auszahlen. Hohe Zinsen und steigende Refinanzierungskosten verschärfen den Zweifel.

Hinzu kommt der Ölpreis. Die Krise im Nahen Osten hält die Notierungen auf hohem Niveau und schürt Inflationsängste. Zum Wochenstart gaben die Preise etwas nach, Brent lag zuletzt aber weiter deutlich über 110 Dollar. Entspannung brachte immerhin der Anleihemarkt: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stabilisierte sich knapp unter fünf Prozent.

In Asien überwogen die Verluste. Der südkoreanische Kospi gab 1,4 Prozent nach, der Nikkei 0,4 Prozent.

Schnäppchenjäger, aber kein Trendwechsel

Marktexperte Stephen Innes sieht das Glas „eigentlich halb voll“: Die Unternehmensgewinne steigen, die Wirtschaftslage sieht nicht nach Bärenmarkt aus. Dennoch brodle unter der Oberfläche eine aggressive Korrektur.

Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners beobachtet erste Käufer, die günstigere Kurse nutzen. Eine Trendwende leitet er daraus nicht ab. Diese Anleger nähmen Gewinne in steigenden Märkten schnell mit und bremsten Anstiege aus. Charttechnisch sei der Dax „weiterhin in seinem Seitwärtsmarkt gefangen“.

Einzelwerte lieferten zum Auftakt Impulse. Bayer könnte von Studiendaten zum Prostatakrebsmedikament Nubeqa profitieren. Bei Hugo Boss hat sich die Frasers Group nach eigener Aussage gut 50 Prozent gesichert. Unter Druck könnte die Deutsche Börse geraten: Oddo BHF hob das Kursziel leicht an, strich aber die Kaufempfehlung, weil die starke Gewinndynamik eingepreist sei. Exane BNP Paribas stufte Munich Re auf „Neutral“ ab.

Marken im Chart

Auf Wochenbasis verteidigte der Index die Unterstützung bei 25.172 Punkten. Nach oben liegen Widerstände bei 25.750 und 25.900 Punkten. Das Rekordhoch markiert 26.618 Punkte.

Fällt der Dax auf Tagesbasis unter 24.800 Punkte, rücken 24.480 und 23.968 Punkte als nächste Ziele ins Blickfeld. Der Volatilitätsindex VDAX-New stieg zuletzt auf 20,89 Punkte, der Fear & Greed Index steht bei 21 und damit auf „Extreme Fear“. Am Mittwoch fällt die Zinsentscheidung der US-Notenbank, in den kommenden Tagen könnten zudem die US-Zwischenwahlen für Bewegung sorgen.