Vier rote Tage in Folge, dann diese Woche der Bruch: Der DAX klettert am Freitagmittag wieder über die Marke von 26.000 Punkten und notiert bei rund 26.040 Zählern, ein Plus von 0,22 Prozent. Auf Wochensicht bleibt trotzdem ein Minus von 1,5 Prozent stehen — die Erholung ist eine Stabilisierung, keine Trendwende.
Getragen wird der Index vor allem von zwei Kräften: robusten Konjunkturdaten und einer Rohstoffrallye. Der S&P Global Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie sprang im August auf 54,1 Punkte, nach 52,2 im Vormonat und deutlich über den erwarteten 52,0 — der stärkste Wert seit Mai 2022. Die Dienstleistungsbranche läuft dagegen gegenläufig: Der Servicesektor fiel auf 48,5 Punkte und schrumpft damit bereits den fünften Monat in Folge.
Stahlwerte als Kurstreiber
Besonders auffällig: Thyssenkrupp und Salzgitter zählen zu den Tagesgewinnern, nachdem Berichte über geplante chinesische Konjunkturhilfen die Runde machten. Citigroup-Analyst Ephrem Ravi hob sein Kursziel für Thyssenkrupp deutlich auf 20 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung. Der MDAX profitiert davon überproportional und legt gut 0,8 Prozent zu.
Auf der Verliererseite steht Fielmann. Ein verhaltener Geschäftsausblick schickte die Aktie zeitweise auf ein Mehrjahrestief, das Papier verlor am Ende rund 6,8 Prozent.
CTS Eventim rutschte nach durchwachsenen Halbjahreszahlen zunächst um bis zu 9,5 Prozent ab, konnte das Minus im Handelsverlauf aber auf etwa 1,4 Prozent eindämmen. Bei Fresenius Medical Care drückte der Verkauf eines Aktienpakets im Wert von rund 300 Millionen Euro durch die Konzernmutter Fresenius den Kurs um 1,3 Prozent.
Anleihemärkte bleiben der Unsicherheitsfaktor
Der eigentliche Belastungsfaktor der vergangenen Tage kam nicht aus Frankfurt, sondern von den Anleihemärkten. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte nach dem überraschenden Eingreifen des US-Finanzministeriums wieder auf rund 5,25 Prozent.
Vermögensverwalter Thomas Altmann von QC Partners ordnete die jüngste Schwächephase entsprechend ein: Das Handelsvolumen sei am Vortag das zweitniedrigste des Kalenderjahres gewesen, was eher für vorsichtige Gewinnmitnahmen als für einen breiten Ausverkauf spreche.
Zusätzlichen Rückenwind lieferten Nachrichten zu Zollrückerstattungen: Deutsche Börsenkonzerne erhielten laut Unternehmensangaben zusammen rund 790 Millionen Euro von der US-Regierung zurück, nachdem der Supreme Court die ursprünglichen Notstandszölle für rechtswidrig erklärt hatte. DHL allein bekam 416 Millionen Euro und will das Geld an Kunden weiterreichen.
Der DAX hält sich damit weiter über seiner 21-Tage-Linie, der kurzfristige Aufwärtstrend bleibt aus charttechnischer Sicht intakt. Ob die Erholung über das Wochenende trägt, dürfte sich vor allem an den US-Anleiherenditen entscheiden — dort bleibt die Lage angespannt.
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