Ein Ausverkauf bei Halbleiterwerten rollt von Asien nach Europa, steigende Anleiherenditen setzen Aktien weltweit unter Druck – und der DAX zuckt kaum.
Der deutsche Leitindex startete am Mittwoch mit einem Mini-Plus von 0,02 Prozent bei 26.135 Punkten in den Handel, während Nikkei und Kospi in Fernost zeitweise um drei bis über fünf Prozent einbrachen. Diese Widerstandsfähigkeit wirkt bemerkenswert, denn die Belastungsfaktoren sind alles andere als klein.
Chip-Ausverkauf trifft auch deutsche Werte
Der Abverkauf bei Halbleiterwerten, der bereits den US-Handel geprägt hatte, setzt sich in Asien fort und lässt auch für deutsche Branchentitel wie Infineon, Aixtron und Süss MicroTec wenig Gutes erwarten.
Besonders der südkoreanische Kospi galt bis Mitte Juni als Sinnbild des KI-Booms und hatte sich gegenüber dem Jahreswechsel zeitweise mehr als verdoppelt. Bis Ende Juli fiel er dann wieder um mehr als die Hälfte zurück – die seitherige Erholung steht mit den jüngsten Verlusten erneut auf dem Prüfstand.
Hinzu kommt Gegenwind von der Zinsseite. Steigende Anleiherenditen machen Aktien als Anlageklasse unattraktiver, besonders für zinssensitive Technologiewerte mit hohen, oft fremdfinanzierten Investitionen. Ein möglicher Silberstreif: Die nervösesten Anleger dürften sich bereits im Kursrutsch vom Juli aus dem Markt verabschiedet haben, was die aktuelle Reaktion dämpfen könnte.
Die 26.000er-Marke als psychologischer Anker
Seit seinem Allzeithoch von 26.573,60 Punkten in der vergangenen Woche hat der DAX keine neuen Rekorde mehr aufgestellt, allerdings blieben auch größere Gewinnmitnahmen bislang aus. Am Freitag hatte der Index mit 26.440,31 Punkten immerhin einen neuen Schlusskursrekord markiert. Nun rückt laut Marktbeobachtern die Marke von 26.000 Punkten als psychologisch wichtige Unterstützung wieder stärker in den Fokus.
Auf Unternehmensebene liefert die Berichtssaison letzte Ausläufer: Heidelberger Druckmaschinen hielt trotz schwacher Quartalszahlen und höherem Nettoverlust an den Jahreszielen fest. Redcare Pharmacy profitierte von starken Zahlen des Konkurrenten DocMorris, der seinen Verlust dank kräftigen Wachstums im Rezeptgeschäft verringerte und seine Jahresziele anhob.
Munich Re meldete zudem die geplante Übernahme des US-Cyberversicherers At-Bay für 575 Millionen Dollar, die den Rückversicherer im wachsenden Markt für integrierte Cybersicherheitslösungen positionieren soll – der Abschluss ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Der Index bewegt sich damit in einem Spannungsfeld aus globalem Technologiestress und lokaler Widerstandskraft. Ob die 26.000-Punkte-Marke hält, dürfte sich in den kommenden Handelstagen entscheiden, sobald die US-Notenbank ihre Sitzungsprotokolle veröffentlicht und EZB-Präsidentin Christine Lagarde sich zur weiteren Zinspolitik äußert.
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