Trumps Worte reichen aus, um den Markt zu bewegen. Sein Kommentar, der Iran habe zu lange gebraucht und müsse nun „den Preis dafür zahlen“, löste am Mittwochmittag eine weitere Verkaufswelle an Europas Börsen aus.
Der DAX weitete seine Verluste auf rund 1,1 Prozent aus und markierte dabei ein Dreiwochentief. Die 200-Tage-Linie bei 24.180 Punkten rückt damit in greifbare Nähe — ein Niveau, das Marktbeobachter als wichtigen Gradmesser für den mittelfristigen Trend werten.
Zwei Belastungsfaktoren, ein nervöser Markt
Der Hintergrund ist komplex. Trotz laufender Verhandlungen über ein Kriegsende griffen sich die USA und der Iran erneut gegenseitig an: US-Streitkräfte bombardierten iranische Luftabwehranlagen nahe der Straße von Hormus, Teheran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Golfregion und in Jordanien. Kein Wunder, dass Investoren die kurze Erholungsphase zur Wochenmitte sofort für Gewinnmitnahmen nutzten.
Parallel dazu lastet die Erwartung der US-Inflationsdaten für Mai auf der Stimmung. Experten rechnen mit einem Anstieg der Inflationsrate auf 4,2 Prozent — der stärkste Preisanstieg seit mehr als zwei Jahren. Eine negative Überraschung würde Spekulationen über weitere Zinserhöhungen befeuern.
Technologie unter Druck, Defensive gesucht
Im DAX traf es vor allem die Schwergewichte. SAP verlor als Schlusslicht mehr als 3,5 Prozent — vom Erholungshoch Anfang Juni hat die Aktie inzwischen rund 14 Prozent abgegeben. Anleger meiden den Softwaresektor auch wegen anstehender Oracle-Quartalszahlen. Siemens Energy und Siemens folgten mit deutlicheren Abschlägen.
Auf der Gewinnerseite standen defensive Werte: Qiagen, Fresenius und Deutsche Telekom legten zu. Adidas profitierte von einer Hochstufung durch RBC auf „Outperform“. Heidelberger Druckmaschinen schoss nach einer Margenprognose um rund 3,6 Prozent nach oben.
Der Ölpreis zog infolge der Eskalation an, der Euro geriet gegenüber dem US-Dollar unter Druck. Ob die Inflationsdaten am Nachmittag für Entlastung oder neuen Druck sorgen, entscheidet maßgeblich darüber, ob der DAX die 200-Tage-Linie noch heute testet.
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