Liebe Leserinnen und Leser,
als die Börsenglocke in Frankfurt heute schloss, stand der DAX bei 25.015 Punkten – erstmals seit Wochen wieder über der psychologisch wichtigen Marke von 25.000. Doch was nach einem klaren Befreiungsschlag klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als fragile Erholung. Während deutsche Aktien von positiven Impulsen aus Japan und den USA profitieren, bröckelt Bitcoin weiter ab, und im Kryptomarkt herrscht extreme Angst. Gleichzeitig legt die italienische UniCredit Zahlen vor, die zeigen, wie europäische Banken derzeit deutlich profitabler arbeiten als ihre deutschen Wettbewerber – und damit die Frage aufwerfen, ob die Commerzbank-Übernahme nur eine Frage der Zeit ist.
DAX knackt 25.000er-Marke – doch der Schwung lässt nach
Der deutsche Leitindex gewann zum Wochenschluss 1,15 Prozent und schloss bei 25.015 Punkten – ein wichtiges psychologisches Signal nach den Turbulenzen der Vorwochen. Rückenwind kam dabei von zwei Seiten: Die Wall Street hatte am Freitag mit dem ersten Schlusskurs des Dow Jones über 50.000 Punkten Geschichte geschrieben, und der japanische Nikkei 225 sprang nach dem klaren Wahlsieg von Premierministerin Sanae Takaichi um 3,9 Prozent auf ein neues Rekordhoch. Anleger setzen nun auf „Abenomics 2.0“ – also auf künftig stärkere fiskalische Impulse aus Tokio.
Doch die Euphorie hat Grenzen: Im Tagesverlauf schrumpften die deutschen Gewinne zeitweise deutlich zusammen, die 25.000-Punkte-Marke erwies sich als hartnäckiger Widerstand. Zum Rekordstand von 25.508 Punkten Mitte Januar fehlen noch immer rund 500 Zähler. Analysten verweisen auf die anstehenden US-Arbeitsmarktdaten am Mittwoch und Inflationszahlen am Freitag – erst diese dürften zeigen, ob die Fed tatsächlich Spielraum für zwei Zinssenkungen in 2026 hat, wie derzeit eingepreist.
Bemerkenswert: Der Sentix-Konjunkturindex für Deutschland kletterte im Februar auf minus 6,9 Punkte – der höchste Wert seit Juli 2025. Investoren trauen der deutschen Wirtschaft also wieder mehr zu. Ob das reicht, um den DAX nachhaltig über 25.000 zu halten, bleibt abzuwarten.
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UniCredit zeigt, wie profitabel Banking sein kann – und setzt Commerzbank unter Druck
Während der DAX mit der 25.000er-Marke kämpft, lieferte die italienische UniCredit am Montag eine Demonstration europäischer Bankenstärke ab: 10,9 Milliarden Euro Nettogewinn für 2025, eine Eigenkapitalrendite von 19,2 Prozent – und das Versprechen, bis 2028 sogar 23 Prozent zu erreichen. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank kam 2025 auf 10,3 Prozent, die Commerzbank peilt für 2028 rund 50 Prozent Aufwand-Ertrag-Relation an, während UniCredit bereits bei 38,5 Prozent liegt und auf 33 Prozent zusteuert.
Die Botschaft ist klar: UniCredit-Chef Andrea Orcel führt sein Haus deutlich effizienter als die meisten deutschen Wettbewerber. Und er lässt die Aktionäre daran teilhaben – 30 Milliarden Euro sollen in den nächsten drei Jahren ausgeschüttet werden, binnen fünf Jahren sogar 50 Milliarden. Die UniCredit-Aktie schoss daraufhin um 6,4 Prozent nach oben, die Commerzbank legte im Schlepptau 4,2 Prozent zu.
Doch die eigentliche Frage bleibt: Wie lange noch? Orcel hält bereits 29 Prozent der Commerzbank-Anteile und hat wiederholt Interesse an einer vollständigen Übernahme signalisiert. Im CNBC-Interview sagte er heute: „Wenn der richtige Zeitpunkt kommt und die Konditionen stimmen, dann wird es auf die richtige Weise passieren.“ Die Commerzbank legt diese Woche ebenfalls Zahlen vor – und muss dann zeigen, ob sie mit ihrem eigenen Effizienzprogramm mithalten kann. Sonst könnte der Widerstand gegen Orcel weiter bröckeln.
Bitcoin rutscht unter 70.000 Dollar – extreme Angst im Kryptomarkt
Während europäische Banken glänzen, herrscht im Kryptomarkt Katerstimmung. Bitcoin fiel am Montag um 2,7 Prozent auf 69.487 Dollar und handelt damit rund 45 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.198 Dollar vom Oktober 2025. Ethereum verlor 3,3 Prozent auf 2.059 Dollar, Solana rutschte um 3,6 Prozent auf 85,39 Dollar ab. Der CMC Fear and Greed Index, der die Stimmung im Kryptomarkt misst, notiert bei nur 9 Punkten – knapp über dem Jahrestief von 5 und damit tief in der „extremen Angst“-Zone.
Die Gründe sind vielschichtig: Berichte, wonach chinesische Regulierer Finanzinstituten geraten haben sollen, ihre Bestände an US-Staatsanleihen zu reduzieren, sorgten für Verunsicherung an den Märkten generell. Der Dollar gab nach, doch statt als sicherer Hafen zu profitieren, geriet Bitcoin weiter unter Druck. Offenbar fehlt es schlicht an frischer Liquidität – die Bitcoin-Spot-ETFs in den USA verzeichneten zwar am Freitag Zuflüsse von 371 Millionen Dollar, doch das reicht nicht, um den Abwärtstrend zu stoppen.
Besonders brisant: Bitcoin hat seit Jahresbeginn bereits 20,6 Prozent verloren, Ethereum sogar 58 Prozent seit seinem Augusthoch. Wer auf die „Trump-Rallye“ gesetzt hatte, wurde bitter enttäuscht – der politische Rückenwind aus Washington verpuffte schneller als erhofft.
Siemens Energy vor dem Härtetest – Anleger setzen auf Fortsetzung der Erfolgsstory
Ganz anders die Stimmung bei Siemens Energy: Die Aktie kletterte am Montag um 3,88 Prozent auf ein neues Allzeithoch von 157,90 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Titel bereits 28 Prozent zugelegt, auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von 168 Prozent zu Buche. Am Mittwoch legt der Konzern Zahlen für das erste Quartal 2026 vor – und Anleger positionieren sich bereits jetzt im Bullenlager.
Die Erwartungen sind hoch: Für das Gesamtjahr stellt Siemens Energy ein Umsatzwachstum von 11 bis 13 Prozent sowie eine operative Marge zwischen 9 und 11 Prozent in Aussicht. Der Auftragsbestand belief sich Ende 2025 auf 138 Milliarden Euro – genug, um die Auftragsbücher für Jahre zu füllen. Besonders die Bereiche Grid Technologies und Gas Services laufen rund, während die Windtochter Siemens Gamesa 2026 endlich die Gewinnschwelle erreichen soll.
Doch Vorsicht: Nach der starken Kursrally der vergangenen Monate ist die Aktie anfällig für Enttäuschungen. Sollte das Windgeschäft erneut schwächeln oder der Cashflow hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte es schnell zu Gewinnmitnahmen kommen. Der Mittwoch wird zeigen, ob der Turnaround wirklich trägt – oder ob Anleger zu früh zu optimistisch wurden.
Deutsche Bank räumt Fehler im Epstein-Fall ein – Reputationsrisiko bleibt
Fernab der Quartalszahlen sorgte die Deutsche Bank am Montag mit einer unangenehmen Erinnerung für Schlagzeilen: Das Institut räumte erneut ein, dass es ein Fehler gewesen sei, den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein 2013 als Kunden aufgenommen zu haben. Hintergrund sind neu veröffentlichte Dokumente des US-Justizministeriums, wonach Epstein mehr als 40 Konten bei der Deutschen Bank geführt und dort einen Großteil seines Vermögens verwahrt haben soll.
Die Bank betonte, man habe „aus diesem Fehler gelernt“ und substanziell in Compliance-Prozesse investiert. Doch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fordert nun Transparenz: Finanzunterlagen zur Geschäftsbeziehung sollten vor der Hauptversammlung am 28. Mai offengelegt werden, um einen Reputationsschaden durch Spekulationen zu vermeiden.
Für Anleger ist das ein Warnschuss: Auch Jahre nach dem Tod Epsteins im Jahr 2019 holt die Vergangenheit die Deutsche Bank immer wieder ein. Die Aktie reagierte am Montag mit einem leichten Minus von 0,30 Prozent – doch das eigentliche Risiko liegt in der langfristigen Vertrauensfrage.
Was diese Woche noch wichtig wird
Am Mittwoch stehen gleich mehrere Ereignisse an: Neben den Siemens-Energy-Zahlen werden auch die Commerzbank-Ergebnisse erwartet – ein direkter Vergleich mit der UniCredit dürfte spannend werden. Zudem veröffentlichen die USA den nachgeholten Arbeitsmarktbericht für Januar, der wegen des Government Shutdowns verspätet kommt. Am Freitag folgen dann die US-Inflationsdaten – beide Termine könnten den Zinspfad der Fed neu justieren und damit auch die Richtung für DAX und Bitcoin vorgeben.
Eines ist klar: Die Märkte bleiben nervös. Der DAX hat die 25.000er-Marke zwar zurückerobert, doch die Luft nach oben wird dünner. Bitcoin kämpft mit extremer Angst und fehlender Liquidität. Und während europäische Banken wie UniCredit glänzen, müssen deutsche Institute zeigen, dass sie mithalten können – sonst könnte die Konsolidierung schneller kommen als gedacht.
Bis morgen,
Andreas Sommer


