DAX unter 24.000: Wo Rüstung und Aerospace jetzt die Setups liefern

Der DAX fällt unter 24.000 Punkte und die 200-Tage-Linie. Rheinmetall, Hensoldt und Lufthansa zeigen gemischte Signale zwischen Aufträgen und Kursverlusten.

DAX unter 24.000: Wo Rüstung und Aerospace jetzt die Setups liefern
Kurz & knapp:
  • DAX unter 24.000 Punkten
  • Rheinmetall mit Milliardenaufträgen
  • Hensoldt mit starkem Langfristwachstum
  • Lufthansa unter Druck trotz Umsatzplus

Liebe Leserinnen und Leser,

am Donnerstag schloss ich mit der Frage, wie lange starke Unternehmensgewinne die steigenden Kapitalkosten kompensieren können. Am Freitag hat der Markt eine erste Antwort gegeben: nicht lange genug. Der DAX verlor 2,07 Prozent auf 23.950,57 Punkte, rutschte unter die 24.000er-Marke und unter die 200-Tage-Linie. Siemens, am Donnerstag noch auf Allzeithoch, gab rund 5,5 Prozent ab. Infineon, am Vortag meistgehandelter DAX-Wert mit Kursplus von 5,8 Prozent, gehörte am Freitag mit über 3,6 Millionen gehandelten Stücken erneut zu den umsatzstärksten Titeln — diesmal auf der Verkäuferseite. Von der Donnerstags-Euphorie ist wenig übrig. Aber in genau solchen Sitzungen zeigt sich, welche Sektoren Substanz haben.

DAX: Schwache Breite, ein Ausreißer nach oben

Der Leitindex eröffnete bei 24.229,29 Punkten, markierte sein Tageshoch bei 24.297,95 und fiel bis auf 23.939,00 Punkte. Auf Wochensicht steht ein Minus von 1,6 Prozent, seit Jahresanfang liegt der DAX 2,22 Prozent im Minus. Die Verliererliste war breit: Heidelberg Materials büßte rund 6,8 Prozent ein, Siemens rund 5,5 Prozent. SAP stemmte sich mit plus 2,8 Prozent auf etwa 145 Euro als einer der wenigen Gewinner gegen den Trend. Wer am Donnerstag noch Zykliker und Tech feierte, musste am Freitag die Rechnung bezahlen.

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Rheinmetall: Aufträge für 3,7 Milliarden, aber der Kurs dreht

Im Rüstungssektor bleibt Rheinmetall der zentrale deutsche Handelswert — und lieferte am Freitag ein lehrreiches Intraday-Bild. Am Morgen lag die Aktie noch 2,64 Prozent im Plus bei 1.173,40 Euro, mittags bei 1.151,40 Euro mit plus 0,3 Prozent, um 17:31 Uhr bei 1.120,60 Euro und damit 2,39 Prozent im Minus. Der DAX-Sog setzte sich durch.

Wichtiger als die Tagesschwankung ist der Auftragsfluss: Rumänien hat den Lynx KF41 für ein Beschaffungsprogramm über 3,4 Milliarden Euro ausgewählt. In Neuss startet die Serienfertigung der Kamikaze-Drohne FV-014, das Bundeswehr-Volumen wird mit 300 Millionen Euro beziffert. Operativ bleibt das Bild gemischt: Im ersten Quartal erzielte Rheinmetall 1,94 Milliarden Euro Umsatz — Analysten hatten 2,3 Milliarden erwartet. Das operative Ergebnis stieg um 17 Prozent auf 224 Millionen Euro, die Marge lag bei 11,6 Prozent. Die Jahresprognose und das Ziel von 50 Milliarden Euro Umsatz bis 2030 bei über 20 Prozent Marge wurden bestätigt. Warburg Research stufte auf „Buy“ hoch, senkte das Kursziel aber von 1.700 auf 1.550 Euro. Als langfristiges Auftragspotenzial werden 80 Milliarden Euro genannt. Für Trader die entscheidende Frage: Wird der Rücksetzer unter der frühen Stärke gekauft — oder dominiert der Index-Druck?

Hensoldt liefert ein ruhigeres Bild. Die Aktie notierte am 15. Mai bei 74,44 Euro. Die Langfristperformance spricht für sich: plus 13,50 Prozent auf Jahressicht, plus 135,14 Prozent über drei Jahre, plus 459,94 Prozent über fünf Jahre. Das ist kein billiger Value-Trade, sondern ein Strukturwert mit bereits stark gelaufener Historie. Wer hier handelt, setzt auf Trendfortsetzung — nicht auf Schnäppchen.

KNDS-Börsengang: 20 Milliarden Euro Bewertung im Gespräch

Abseits der Börse könnte ein Ereignis den gesamten Rüstungssektor neu sortieren: KNDS, der deutsch-französische Hersteller des Leopard 2, treibt seinen Börsengang voran. Bei einem IPO in Frankfurt und Paris wird eine Bewertung von 20 bis 25 Milliarden Euro für den Sommer 2026 diskutiert. Berlin prüft einen staatlichen Einstieg von 30 bis 40 Prozent. Die Eckdaten: 3,8 Milliarden Euro Umsatz 2024, 23,5 Milliarden Euro Auftragsbestand, Verträge über 350 Leopard-2-Panzer. Rheinmetall ist nicht Aktionär bei KNDS, profitiert aber indirekt — die 130-mm-Kanone des Düsseldorfer Konzerns gilt als aussichtsreicher NATO-Standard.

Lufthansa, GE Aerospace, Boeing: Gemischte Signale im Flugsektor

Lufthansa verlor am Freitag 2,95 Prozent auf 7,69 Euro. Deutsche Bank Research belässt die Aktie auf „Hold“ mit Kursziel 7 Euro. Die Quartalszahlen waren allerdings besser als im Vorjahr: Konzernumsatz plus 8 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro, das Adjusted EBIT verbesserte sich um 110 Millionen Euro auf minus 612 Millionen Euro, der Adjusted Free Cashflow stieg um 65 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Belastend bleiben die Kerosinkosten: Die Schließung der Straße von Hormus bringt für 2026 geschätzte Zusatzkosten von 1,7 Milliarden Euro, 80 Prozent des Bedarfs sind abgesichert.

In New York gab GE Aerospace 1,2 Prozent auf 287,92 US-Dollar nach. Der Q1-Umsatz stieg um 24,73 Prozent auf 12,39 Milliarden US-Dollar, der Gewinn je Aktie lag mit 1,81 US-Dollar knapp unter Vorjahr (1,83 US-Dollar). Boeing notierte bei 222,37 US-Dollar, minus 2,98 Prozent auf Fünf-Tage-Sicht und minus 6,32 Prozent seit Jahresanfang. Analysten bleiben konstruktiv: RBC sieht 275 US-Dollar, UBS 285 US-Dollar, Jefferies 295 US-Dollar.

Wall Street: KI-Gewinnmitnahmen nach Donnerstags-Rally

Die Rekordstimmung vom Donnerstag hielt keine 24 Stunden. Der S&P 500 verlor am Freitag rund 1 Prozent, der Nasdaq Composite 1,3 Prozent, der Dow Jones 515 Punkte. Halbleiter standen besonders unter Druck: Intel minus 6 Prozent, Micron minus 5 Prozent, Nvidia minus 3 Prozent, AMD minus 3 Prozent. Am Vortag hatten Cisco und Nvidia die Rally noch angetrieben — am Freitag flossen die Gewinne ab. Für deutsche Anleger relevant: Die Schwäche bei US-Halbleitern spiegelte sich direkt in Infineons hohem Handelsvolumen und dem Abgabedruck im DAX.

Bitcoin pendelte am 15. Mai zwischen rund 79.000 und 82.000 US-Dollar. Der CLARITY Act passierte den US-Senatsbankenausschuss mit 15 zu 9 Stimmen, muss aber noch weitere legislative Hürden nehmen. Technisch liegen die Widerstände bei 82.000 bis 84.000 US-Dollar, Unterstützungen um 77.000 bis 79.000 US-Dollar.

Was ins Wochenende zählt

Der DAX geht mit einem Wochenminus von 1,6 Prozent unter der 24.000er-Marke ins Wochenende. In solchen Phasen wird Selektion wichtiger als Richtungsmeinung. Rüstung und Aerospace liefern durch Auftragsfluss und Strukturwachstum die derzeit konkretesten Handelssetups im deutschen Markt. Aber auch dort gilt: Ob Rücksetzer gekauft werden oder der Index-Druck dominiert, zeigt erst die kommende Woche. Die Kursniveaus sind klar — Rheinmetall um 1.120 Euro, Hensoldt bei 74 Euro, DAX an der 200-Tage-Linie. Wer handelt, braucht jetzt Disziplin, nicht Hoffnung.

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Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst, Ihr Andreas Sommer

Über Andreas Sommer 4293 Artikel

Über mich: Erfahrung für Ihren Anlageerfolg

Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

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