Der Freitag bringt für den DAX gleich zwei Unsicherheitsfaktoren auf einmal: einen schwächeren Handelsauftakt und den großen Verfallstermin an den Terminbörsen. Zusammen sorgen sie dafür, dass ein eigentlich solides Wochenplus plötzlich auf der Kippe steht.
Der Broker IG taxierte den Leitindex rund zwei Stunden vor Handelsstart bei 25.645 Punkten, ein Minus von 0,3 Prozent. Am Vortag hatte sich der DAX nach der US-Zinserhöhung noch auf Erholungskurs befunden und mit 25.716,71 Punkten ein Plus von 0,7 Prozent verbucht. An der 50-Tage-Linie gab es zuletzt Widerstand — ein charttechnisches Hindernis, das die Erholung offenbar erst einmal ausbremst.
Der vierfache Verfall als Kurstreiber
Heute ist „Hexensabbat“: Optionen und Futures auf Indizes und Einzelaktien laufen gleichzeitig aus. Um 13 Uhr verfallen die Kontrakte auf DAX und TecDAX, wenige Minuten später die auf den MDAX.
Solche Termine können Kurse auch ohne neue Nachrichten spürbar bewegen, weil große Fonds und Vermögensverwalter versuchen, Kurse in Richtung ihrer Terminmarkt-Positionen zu schieben. Kleinanleger merken davon meist nur die Ausschläge, ohne selbst Einfluss nehmen zu können.
Nach zwei zuvor verlustreichen Wochen hätte der Index eigentlich Grund zur Erleichterung. Durch den schwächeren Frühindikator schmilzt der Wochengewinn aber auf nur noch 0,3 Prozent zusammen — ein schmaler Puffer, den der Verfallstag im Tagesverlauf leicht auffressen könnte.
Nahost-Sorgen und Notenbanken im Hintergrund
Unterstützung von der Rohstoffseite bleibt vorerst aus. Der Ölpreis gab in der Nacht erneut leicht nach, Brent notierte bei rund 103,7 Dollar je Barrel. Grund dafür sind Hoffnungen auf eine schnellere Instandsetzung einer beschädigten Pipeline in Saudi-Arabien, die zuvor für Angebotssorgen gesorgt hatte. Trotzdem bleiben Anleger wegen der Lage im Nahen Osten und der Öl- und Gasversorgung vorsichtig.
Zusätzlichen Gesprächsstoff liefert die japanische Notenbank, die ihren Leitzins auf 1,25 Prozent angehoben hat — den höchsten Stand seit 1995. Da die Entscheidung erwartet worden war und keine klaren Signale für weitere Schritte enthielt, reagierten die asiatischen Börsen mit Kursgewinnen.
Der Nikkei legte deutlich zu, auch Shanghai und Hongkong zogen an. Die New Yorker Börsen hatten bereits am Vortag kräftig zugelegt: Der Nasdaq 100 gewann 1,73 Prozent, getragen von starken Halbleiterwerten.
Für den DAX bleibt es damit ein Tag der Nervenprobe zwischen Verfallstermin und globalen Zinssignalen. Ob der Index sein Wochenplus über die Ziellinie retten kann, entscheidet sich in den letzten Handelsstunden, wenn die Terminkontrakte endgültig ausgelaufen sind.
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