Ein zurückgewiesenes Angebot, aber weitere Gespräche in Aussicht – der DAX startet in eine Woche, in der sich Anleger auf widersprüchliche Signale aus Nahost einstellen müssen.

Der Broker IG taxierte den Index rund zwei Stunden vor Handelsbeginn mit 0,2 Prozent im Plus auf 25.470 Punkte. Damit setzt sich die vorsichtig positive Tendenz vom Freitag fort, als der Leitindex mit einem Plus von 0,56 Prozent bei 25.408,64 Punkten aus dem Handel ging und eine Serie von drei Verlustwochen beendete.

Der Grund für die verhaltene Stimmung liegt an der Straße von Hormus. US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der für Erdöl-Lieferungen zentralen Route als nicht annehmbar bezeichnet. Gleichzeitig rechnet er nach eigenen Angaben mit weiteren Verhandlungen – ein Muster aus Ablehnung und Gesprächsbereitschaft, das die Ölpreise seit Wochen zwischen Entspannung und Anspannung pendeln lässt.

Anleiherenditen und Fed-Kurs als zweite Belastungsprobe

Neben dem Ölpreis bleibt die Entwicklung der US-Anleiherenditen ein entscheidender Faktor für die Risikobereitschaft an den Aktienmärkten. Die Fed hatte Mitte September erstmals seit über drei Jahren den Leitzins angehoben, um der hartnäckigen Teuerung zu begegnen. Eine Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet Ende Oktober bereits den nächsten Zinsschritt.

Marktbeobachter warnen davor, die Lage vorschnell als entspannt einzustufen. Der Chef-Marktanalyst von CapTrader, Timo Emden, verweist darauf, dass Anleger diesseits und jenseits des Atlantiks inzwischen belastbare Fakten statt bloßer Friedenshoffnungen einfordern.

Der Chef-Marktanalyst von CMC Markets, Andreas Lipkow, sieht angesichts schwacher Konsumdaten sogar ein Stagflationsrisiko heraufziehen – eine Kombination aus hoher Inflation und schwachem Wachstum, die den Notenbanken kaum Spielraum lässt.

In Asien zeigte sich der Handel zum Wochenauftakt gespalten. Während der Nikkei in Tokio zulegte, gaben die Börsen in China und Seoul nach, belastet von Technologiewerten. Auslöser waren Berichte, wonach chinesische Behörden den Kauf neuer Nvidia-Chips gestatten könnten, während gleichzeitig neue US-Sanktionen gegen Hersteller optischer Komponenten im Raum stehen.

Wenig Unternehmensnews, viel Konjunkturdaten

Die Terminseite bleibt zum Wochenstart dünn besetzt. Am Dienstag legt die Baumarkt-Holding Hornbach ihren vollständigen Quartalsbericht vor, zeitgleich startet bei BMW eine zweitägige Kapitalmarktveranstaltung. Zur Wochenmitte und am Donnerstag folgen mit Micron Technology und Nike zwei US-Quartalsberichte, die allerdings erst nach Börsenschluss in New York veröffentlicht werden.

Für die geldpolitische Einschätzung dürften der US-Arbeitsmarktbericht und die EU-Verbraucherpreise am Freitag die größte Aufmerksamkeit erhalten. Dazwischen liefert eine Reihe von Einkaufsmanagerindizes aus Asien, den USA und Europa am Mittwoch und Donnerstag erste Hinweise auf die konjunkturelle Richtung. Bis dahin dürfte der DAX zwischen seiner 21- und seiner 100-Tage-Linie schwanken – mit dem Ölpreis als wichtigstem Stimmungsgeber.