Der deutsche Leitindex kommt einfach nicht über die 25.000-Punkte-Marke hinweg. Nach dem Rekordhoch von Anfang Juli bei 25.900,10 Zählern pendelt der DAX seit Tagen in einer engen Spanne knapp unterhalb dieser psychologischen Schwelle. Am Donnerstagvormittag rutschte der Index um rund 0,5 Prozent auf etwa 24.866 Punkte ab — ein Fingerzeig darauf, dass die Anleger vor der bevorstehenden Berichtssaison lieber abwarten als handeln.

Chipsektor bleibt Belastungsfaktor

Der Auslöser für die Zurückhaltung liegt weniger in Europa als in Asien. Dort setzten sich die Gewinnmitnahmen im Halbleitersektor fort, obwohl der taiwanesische Auftragsfertiger TSMC mit starken Zahlen aufwartete — die operative Marge kletterte auf über 60 Prozent. Die Investoren blieben trotzdem skeptisch, ob sich das KI- und Rechenzentrumsgeschäft in dieser späten Zyklusphase weiter so dynamisch entwickelt. Erste Signale, dass sich Preise bei Kunden nicht mehr durchsetzen lassen, nährten diese Zweifel zusätzlich.

Im DAX bekam vor allem Infineon die Konsequenzen zu spüren, die Aktie gab rund zwei Prozent nach. Auch die zweite Reihe der Zulieferer und Ausrüster wie Siltronic, Aixtron und Süss Microtec musste Kursverluste hinnehmen. Selbst der Schweizer Industriekonzern ABB, der mit Rekordzahlen aufwartete und für 5,5 Milliarden Dollar den britischen Anbieter Rotork übernimmt, geriet unter Druck — die globale Gewinnmitnahmewelle bei Datencenter-Ausrüstern machte auch vor starken Geschäftszahlen nicht halt. Immerhin profitierte Siemens von den guten ABB-Zahlen als positivem Signal für den europäischen Industriegütersektor.

Übernahme und Analystenvoten sorgen für Bewegung

Neben dem Chipsektor bestimmten Einzelereignisse das Bild. Die Übernahmeofferte von Uber für Delivery Hero ist inzwischen offiziell bestätigt: 41,50 Euro je Aktie bewerten den Berliner Lieferdienst mit knapp 13 Milliarden Euro, Großaktionär Prosus hat die Andienung seiner Anteile bereits zugesagt. Bei Hypoport drückte dagegen eine schwächere Entwicklung im Immobilienfinanzierungsgeschäft für das zweite Quartal auf den Kurs — ein Vorzieheffekt aus dem ersten Quartal, ausgelöst durch den zwischenzeitlichen Zinsanstieg infolge des Iran-Kriegs, hatte sich hier ausgewirkt.

Bei den Analystenvoten stach Schaeffler heraus: Die UBS strich ihr Verkaufsvotum und hob die Aktie auf „Neutral“, was Short-Eindeckungen auslöste und den Kurs deutlich anzog. Knorr-Bremse profitierte von einer optimistischen Einschätzung JPMorgans vor den Ende Juli anstehenden Quartalszahlen.

Die eigentliche Richtungsentscheidung dürfte erst in der kommenden Woche fallen, wenn die Berichtssaison in Deutschland allmählich Fahrt aufnimmt. Bis dahin bleibt der Index in seiner Seitwärtsspanne gefangen — mit dem Chipsektor als Nervositätsbarometer für die Frage, wie belastbar die KI-Fantasie der vergangenen Monate tatsächlich ist.