Der DAX startet die neue Woche mit einem leichten Erholungsversuch — nach den Verlusten des großen Verfalltags soll es vorbörslich um 0,4 Prozent auf 25.409 Punkte nach oben gehen. Am Freitag hatte der Index noch 1,6 Prozent eingebüßt, auf Wochensicht stand ein Minus von 1,0 Prozent. Der eigentliche Gesprächsstoff zum Wochenstart kommt allerdings nicht aus den Handelssälen, sondern aus der Politik.

Bei den Landtagswahlen am Sonntag erlebte die CDU gleich zwei Rückschläge. In Mecklenburg-Vorpommern scheiterte die Partei mit 4,9 Prozent an der Fünfprozenthürde, während die AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft wurde.

In Berlin gewann die Linke mit 25,7 Prozent — Spitzenkandidatin Elif Eralp hält an ihrer Forderung fest, große Wohnungskonzerne zu vergesellschaften. Das dürfte Vonovia in den Fokus rücken, zumal das CDU-Präsidium bereits am Morgen über die Konsequenzen berät.

Ölpreis gibt nach, Sorge bleibt moderat

Der Brent-Preis fiel zeitweise auf 101,71 Dollar je Barrel — der niedrigste Stand seit dem 10. September. Das überrascht, denn neue Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien hatten zuletzt für Nervosität gesorgt. Offenbar wiegt die teilweise Erholung der saudischen Exporte schwerer als die geopolitischen Risiken.

Bemerkenswert: Klassische Angstindikatoren wie die implizite Volatilität signalisieren derzeit keine erhöhte Nervosität unter Marktteilnehmern — anders als bei der ersten Ölpreisspitze im März. Einige Marktbeobachter werten das als Zeichen, dass Anleger die Gewinnmargen der DAX-Unternehmen trotz Energiekosten für stabil halten. Aufwärtsrevisionen bei den Gewinnerwartungen überwiegen demnach weiterhin.

Einzelwerte und Blick über den Atlantik

Am Freitag hatte Infineon nach einer Hochstufung durch Oddo BHF mit 2,7 Prozent an der DAX-Spitze gelegen. Am unteren Ende brachen die Vorzüge von Volkswagen nach einer Gewinnwarnung um 5,6 Prozent ein und zogen Mercedes-Benz, Continental und BMW mit nach unten. Zusätzliche Bewegung bringen die Indexumbauten: Im Euro Stoxx 50 ersetzen Engie und Nokia künftig Volkswagen und Wolters Kluwer.

An der Wall Street tendierten die Indizes zuletzt uneinheitlich, gefragt waren vor allem Halbleiterwerte nach Nvidia-Chef Jensen Huangs Ankündigung, den Chipabsatz im kommenden Jahr zu verdoppeln.

In Asien bleibt Tokio feiertagsbedingt bis Mittwoch geschlossen, die übrigen Märkte der Region zeigten sich im frühen Handel überwiegend fester — gestützt von Vorgesprächen zwischen Washington und Peking vor dem geplanten Gipfel zwischen Donald Trump und Xi Jinping in dieser Woche.

Am Donnerstag richtet sich der Blick auf den Ifo-Geschäftsklimaindex, der zeigen soll, wie stark der hohe Ölpreis bereits auf die Konjunkturstimmung durchschlägt. Bis dahin dürfte die politische Gemengelage in Berlin und Schwerin die Kursbewegungen im DAX mindestens genauso stark prägen wie die Zahlen aus der Wirtschaft.