Der Rekord war keine 24 Stunden alt, da kippte die Stimmung. Der Ausverkauf bei KI- und Halbleiterwerten in den USA drückt den DAX am Freitag wieder unter die Marke von 26.000 Punkten. Eine Viertelstunde nach Handelsstart notierte der Leitindex 1,46 Prozent tiefer bei 25.940 Zählern.
Rekord, dann Kehrtwende
Am Donnerstag hatte der DAX noch ein Allzeithoch von 26.692 Punkten markiert. Danach setzte die Schwäche an den US-Börsen ein und drehte den Index ins Minus. Zum Start am Freitag lag der Abschlag zeitweise bei 1,72 Prozent.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank sieht darin eine Folge überzogener Erwartungen: Der Rekord habe ein optimales Umfeld eingepreist, das nun nicht mehr gegeben sei. Die Vorsicht nehme zu.
Auch der MDax gab nach, er verlor gut ein Prozent. Der EuroStoxx 50 büßte rund 1,2 Prozent ein.
Wall Street liefert den Auslöser
In New York erlebte der Nasdaq 100 am Donnerstag den schwächsten Handelstag seit dem Corona-Crash im März 2020. Er verlor 6,4 Prozent. Der Halbleiterindex SOX brach um mehr als 12 Prozent ein. Der Dow Jones schloss 3,44 Prozent im Minus.
Stanzl spricht von einem Klumpenrisiko: Wenige Tech-Schwergewichte reißen bei stärkeren Verlusten die großen Indizes mit. Als Stimmungsbremse nennt er zudem die Angst vor einem KI-Ausbaustopp nach dem Wahlsieg der US-Demokraten. Am Markt wachsen außerdem die Zweifel, ob sich die hohen KI-Investitionen rechnen.
In Asien setzte sich der Abverkauf fort. Der Nikkei 225 gab zeitweise rund 6 Prozent nach, auch der südkoreanische Kospi stand stark unter Druck. Zwischenzeitlich setzte dort eine leichte Stabilisierung ein.
Stützen im Inland, Druck bei Rückversicherern
Etwas Rückhalt liefern die heimischen Konjunkturdaten. Die deutsche Industrieproduktion stieg im September überraschend um 0,7 Prozent zum Vormonat, Volkswirte hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Allerdings wurde der August nach unten revidiert, ein klares Signal für einen nachhaltigen Aufschwung fehlt damit.
Unter den Einzelwerten geraten Hannover Rück und Munich Re nach ihrer starken Phase unter Druck. Am Markt wird mit sinkenden Preisen bei den Vertragserneuerungen 2027 gerechnet. Hannover Rück legt am Montag die Zwischenmitteilung zum dritten Quartal vor, Munich Re folgt am 12. November.
Für den DAX geht es damit zunächst um die Marke von 26.000 Punkten, die er zurückerobern müsste, um den Rekordlauf der Vortage nicht als Fehlsignal stehen zu lassen. Die Vorlagen der beiden Rückversicherer in der kommenden Woche liefern erste Hinweise, wie stabil die Gewinne der Schwergewichte bleiben.
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