Die Fed hat nicht an der Zinsschraube gedreht — und trotzdem schickt sie die Märkte auf Talfahrt. Der Grund liegt im veränderten Ton von Fed-Chef Kevin Warsh, dem der Markt gerade sehr genau zuhört.
Was Warsh anders macht
In seiner ersten Pressekonferenz als Fed-Vorsitzender rückte Warsh die Preisstabilität klar in den Mittelpunkt. Forward Guidance? Abgeschafft. Den berühmten Dot Plot? Gestrichen. Stattdessen forderte er Investoren auf, auf Konjunkturdaten zu reagieren — nicht auf Fed-Spekulationen. Das klingt nach Transparenz, wirkt auf die Märkte jedoch wie ein hawkishes Signal. Marktexperten rechnen nun mit einer möglichen Zinserhöhung im Oktober, Zinssenkungen könnten sich bis 2028 verschieben.
Die Wall Street reagierte prompt. Der Dow Jones fiel um knapp ein Prozent, der S&P 500 verlor 1,2 Prozent. Wachstumswerte kamen ebenfalls unter Druck.
DAX mit Gegenwind, aber auch Puffer
Für den deutschen Leitindex bedeutet das zum Handelsstart leichte Verluste — vorbörslich notiert er rund 0,3 Prozent tiefer. Damit rückt erneut die 21-Tage-Linie bei etwa 24.839 Punkten ins Bild. Vom Allzeithoch bei 25.507 Punkten, das der DAX am 13. Januar markiert hatte, trennt den Index weiterhin ein deutlicher Abstand.
Einen gewissen Dämpfer für die Verluste liefert der geopolitische Hintergrund. Die USA und der Iran haben ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das laut dem Vermittlerstaat Pakistan sofort in Kraft getreten ist. Es sieht unter anderem die Wiedereröffnung der Straße von Hormus und die Einstellung aller Militäroperationen vor. Der Ölpreis gibt daraufhin kräftig nach — Brent fällt auf rund 77,80 Dollar je Barrel. Das nimmt Druck von der Inflationsseite, stützt aber nicht die Stimmung gegenüber einem strafferen geldpolitischen Kurs.
Kein Wunder, dass Investoren das Gesamtbild skeptisch bewerten: Die geldpolitische Entspannung, auf die viele im Jahresverlauf gesetzt haben, rückt in weite Ferne.
Das nächste Signal kommt heute noch: Die Bank of England entscheidet über ihren Leitzins — erwartet wird eine Pause bei 3,75 Prozent. Wie der Markt auf das Statement reagiert, dürfte zeigen, ob die hawkishe Fed-Botschaft sich auch in Europa weiter festsetzt.
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