Der DAX startet mit leichtem Rückenwind in einen Tag, der ganz im Zeichen der amerikanischen Notenbank steht. Nach einem Minus von 0,1 Prozent auf 25.423 Punkte am Vortag – mit einem Tagestief bei 25.173 Zählern, dem niedrigsten Stand seit Ende Juli – deutet sich zur Eröffnung ein Plus von 0,3 Prozent an. Der Index kämpft sich damit knapp über die 100-Tage-Linie bei rund 25.230 Punkten zurück.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der Abend: Kevin Warsh, seit kurzem neuer Fed-Vorsitzender, entscheidet erstmals über die US-Zinsen. Der Terminmarkt rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent auf eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte, auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Treiber der Debatte sind die Energiepreise infolge des Iran-Kriegs sowie eine US-Inflation, die im August bei 3,4 Prozent verharrte.
Anleihemärkte unter Druck
Die Nervosität zeigt sich bereits an den Rentenmärkten. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zuletzt mit 3,53 Prozent so hoch wie seit 2009 nicht mehr, während die US-Rendite zeitweise erstmals seit 2007 die Marke von fünf Prozent überschritt.
Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz erwartet den Zinsschritt und bringt es auf den Punkt: Die Fed müsse „jetzt eigentlich springen“. Komal Sri-Kumar von Sri-Kumar Global Strategies warnt dagegen vor den Folgen – schon eine Anhebung um 25 Basispunkte könnte das lange Ende der Zinsstrukturkurve weiter nach oben treiben.
Vor der Zinsentscheidung um 20:00 Uhr liefern die US-Einzelhandelsumsätze für August um 14:30 Uhr einen ersten Stimmungstest. Im Juli waren die Umsätze noch um 0,6 Prozent gefallen.
Rheinmetall vorn, Deutsche Bank hinten
Auf Einzelwertebene setzte sich gestern ein bekanntes Muster fort. Rheinmetall führte die Gewinnerliste mit einem Plus von 3,2 Prozent an, gefolgt von Qiagen, MTU Aero Engines, RWE und Symrise.
Am Indexende rutschte Zalando mit einem Minus von 3,7 Prozent ab, dahinter folgten Deutsche Bank, Daimler Truck, Deutsche Börse und Continental – bei der Deutschen Bank belasteten vorsichtige Aussagen des Bank-of-America-Chefs zum Investmentbanking-Geschäft.
An der Wall Street ging es derweil den zweiten Handelstag in Folge abwärts: Der Dow Jones verlor 0,6 Prozent, der S&P 500 gab 0,5 Prozent nach, die Nasdaq Composite büßte 0,8 Prozent ein. Einzig einige Chipwerte konnten sich gegen den Trend stemmen, Qualcomm legte über vier Prozent zu.
Die Fed-Entscheidung am Abend dürfte die Richtung für die kommenden Handelstage vorgeben. Bleibt die Zinsanhebung wie erwartet moderat aus, könnte der DAX Luft für eine Erholung über die 100-Tage-Linie hinaus finden. Fällt Warshs Kommunikation zur künftigen Zinspolitik dagegen restriktiver aus als eingepreist, dürfte der Druck auf die Anleihemärkte – und damit auf Aktien – weiter zunehmen.
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