Der deutsche Leitindex bricht weiter Bestmarken – und diesmal sind es nicht nur geopolitische Hoffnungen, die den Kurs treiben. Eine dichte Bilanzsaison liefert frische Argumente für die Rekordjagd, auch wenn nicht jedes Unternehmen davon profitiert.

Der DAX notierte zuletzt bei 26.202 Punkten, vorbörslich zeigte der Broker IG bereits ein Plus von 0,78 Prozent auf über 26.400 Zähler. Seit Monatsbeginn steht damit ein Zuwachs von rund 3 Prozent zu Buche. Getrieben wird die Rally von der Hoffnung auf eine Beilegung des Iran-Konflikts samt Wiedereröffnung der Straße von Hormus – ein Szenario, das die Ölpreise drückt und Inflationssorgen dämpft. Niedrigere Energiekosten und günstigere Finanzierungsbedingungen wirken sich direkt auf die Gewinnaussichten der Unternehmen aus, was wiederum die Kurse stützt.

Bilanzsaison mit klaren Gewinnern

Die DHL Group hat ihre Jahresprognose bestätigt und stockt ihr laufendes Aktienrückkaufprogramm um 500 Millionen Euro auf bis zu 6,5 Milliarden Euro auf. Das Programm läuft nun bis Ende 2027 statt wie ursprünglich geplant nur bis zum laufenden Jahr. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 12,8 Prozent auf fast 22,4 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 30 Prozent zu.

Auch Infineon meldet einen Rekordumsatz im dritten Geschäftsquartal – befeuert von der Nachfrage nach Stromchips für KI-Rechenzentren, ergänzt um neue Kapazitätsvereinbarungen mit Großkunden. Fresenius hebt nach einem starken Quartal seine Gewinnprognose an: Das Kern-Ergebnis je Aktie soll 2026 nun um 10 bis 15 Prozent statt der zuvor erwarteten 5 bis 10 Prozent steigen. Siemens Energy übertraf mit Umsatz und Gewinn im dritten Quartal die Analystenerwartungen, während die Windkraftsparte Gamesa wieder profitabel arbeitet. Vonovia profitierte von höheren Mieten und einem robusten Zusatzgeschäft, das EBITDA lag über den Markterwartungen.

Nicht jeder DAX-Wert reitet auf der Erfolgswelle: Zalando büßte nach schwachen Zahlen rund 13 Prozent seines Wertes ein – ein deutlicher Kontrast zur sonst positiven Berichtssaison.

Charttechnik bleibt bullisch

Aus charttechnischer Sicht bleibt das Bild intakt. Analysten sehen Potenzial bis 27.500 Punkte, mit möglichen Zwischenstationen bei 26.481 und 26.739 Punkten. Rücksetzer bis in den Bereich von 25.507 Punkten – dem früheren Jahreshoch – gelten dabei nicht als Warnsignal, sondern eher als Einstiegschance für langfristig orientierte Anleger. Erst ein nachhaltiger Bruch dieser Marke würde das Chartbild eintrüben.

Die Stimmungslage bleibt trotz der Rekorde vergleichsweise ruhig: Der VDAX-New als Angstbarometer notiert bei 16,31 Prozent und damit im Normbereich unterhalb der kritischen 17-Prozent-Schwelle. Mit etwas mehr Bewegung sollten Anleger jedoch am Freitag rechnen, wenn der US-Arbeitsmarktbericht für Juli ansteht und neue Impulse für die Zinserwartungen liefern dürfte.