Liebe Leserinnen und Leser,
25.122 Punkte – mit diesem Rekordstand verabschiedete sich der DAX am Mittwochabend aus dem Xetra-Handel und durchbrach damit erstmals in seiner Geschichte die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten. Ein Meilenstein, der noch vor wenigen Monaten utopisch schien. Doch während Zalando und Rheinmetall die Kursliste anführten und die Anleger feierten, mahnen Experten bereits zur Vorsicht: Die Rallye findet bei dünnen Umsätzen statt, viele institutionelle Investoren sind noch im Urlaub. Was passiert, wenn sie zurückkehren – Anschlusskäufe oder Gewinnmitnahmen? Gleichzeitig sorgen sinkende Inflation, neue Industriepartnerschaften und ein schwächelndes China-Geschäft für gemischte Signale. Ein Blick auf die Gewinner, Verlierer und die Frage: Wie nachhaltig ist dieser Höhenflug wirklich?
Deutscher Leitindex durchbricht 25.000er-Marke – bei erstaunlich wenig Volumen
Der DAX legte am Mittwoch um 0,9 Prozent zu und markierte bei 25.086 Punkten ein neues Allzeithoch. Zalando, Rheinmetall und Siemens führten die Gewinnerliste an, während Scout 24, Beiersdorf und Deutsche Börse am Tabellenende landeten. „Die relative Kursstärke des DAX ist erstaunlich, aber für die erste Handelswoche nicht unüblich“, kommentierte Marktanalyst Andreas Lipkow. Die Nachfrage nach deutschen Standardtiteln bleibe hoch und verlagere sich auf Schwergewichte und defensive Branchen.
Doch ein Blick auf die Handelsvolumina zeigt: Die Rallye findet bei vergleichsweise dünner Beteiligung statt. Viele institutionelle Anleger befinden sich noch in den Ferien. Spannend wird es kommende Woche, wenn die Umsätze anziehen. „Irgendwann wird das Pendel auch wieder in die andere Kursrichtung ausschlagen. Spätestens dann, wenn die Allokation der institutionellen Investoren zum Jahresstart abgeschlossen ist“, so Lipkow. Die Frage lautet also: Ist das der Beginn einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung oder nur ein kurzfristiges Strohfeuer?
Inflation erreicht EZB-Ziel – und niemanden scheint es zu interessieren
Zum Jahresende 2025 fiel die Inflation in der Eurozone auf 2,0 Prozent und erreichte damit exakt das Ziel der Europäischen Zentralbank. Der Rückgang geht größtenteils auf gefallene Energiepreise zurück, aber auch die Kernteuerungsrate sank leicht auf 2,3 Prozent. Die Lohninflation in Ländern wie Frankreich und Italien hat bereits abgenommen, was Hoffnung auf eine weitere Entspannung macht.
Die Finanzmärkte zeigten sich davon allerdings relativ unbeeindruckt. Weder die schwachen Indikationen aus der deutschen Wirtschaft noch ein sich abkühlender US-Arbeitsmarkt konnten die Kursdynamik bremsen. Die Marktstrategen der Commerzbank gehen nicht davon aus, dass diese Bewegungen die EZB zu neuen Zinsschritten bewegen werden. Nach Einschätzung von Ulrike Kastens, Volkswirtin bei der DWS, könnte die Inflationsrate in den kommenden Monaten temporär unter 2,0 Prozent fallen – doch das dürfte nichts an der Geldpolitik ändern. Der Einlagensatz werde 2026 voraussichtlich bei 2,0 Prozent verharren. Für Anleger bedeutet das: Das Niedrigzinsumfeld bleibt vorerst bestehen, was Aktien weiterhin attraktiv macht.
Siemens und Nvidia rufen industrielle Revolution aus – doch was steckt dahinter?
Auf der Technikmesse CES in Las Vegas kündigten Siemens-Chef Roland Busch und Nvidia-CEO Jensen Huang eine deutliche Ausweitung ihrer Zusammenarbeit im Bereich Künstliche Intelligenz an. „Wir stehen am Anfang einer neuen industriellen Revolution“, sagte Huang. Ziel ist es, KI nicht nur bei der Simulation von Arbeitsabläufen einzusetzen, sondern stärker in die physische Realität zu holen. Die Siemens-Aktie reagierte mit einem Kursplus von 3,5 Prozent – Anleger wittern hier offenbar großes Potenzial.
Konkret geht es darum, KI zum Betriebssystem der Industrie zu machen. Siemens will seine digitalen Zwillinge und Automatisierungslösungen enger mit Nvidias Hochleistungschips verzahnen. Das könnte die Effizienz in der Produktion massiv steigern und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Doch die Frage bleibt: Wie schnell lässt sich diese Vision in echte Umsätze übersetzen? Und können europäische Industriekonzerne im globalen KI-Wettrennen mit den Tech-Giganten aus den USA und China mithalten? Die nächsten Quartale werden zeigen, ob die vollmundigen Ankündigungen von der CES mehr sind als nur Marketing.
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ThyssenKrupp, Redcare, Grenke: Zwischentöne aus der zweiten Reihe
Während der DAX jubelte, gab es im MDAX gemischte Signale. ThyssenKrupp legte um 6,8 Prozent zu, nachdem Reuters über Details zum geplanten Verkauf der Stahlsparte an Jindal Steel berichtete. Besonders positiv wurde kommentiert, dass eine tragfähige Regelung für die Pensionslasten von 2,5 Milliarden Euro gefunden werden könnte. In einem ersten Schritt könnte Jindal 60 Prozent übernehmen, weitere Tranchen würden vom Sanierungsfortschritt abhängen. Für ThyssenKrupp wäre das ein wichtiger Schritt, um sich von der kriselnden Stahlsparte zu befreien.
Redcare Pharmacy hingegen enttäuschte mit vorläufigen Zahlen für das vierte Quartal 2025. Der Umsatz stieg zwar im Gesamtjahr um 24 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, doch das Wachstum im Schlussquartal fiel schwächer aus als erwartet – vor allem im Nicht-Rezept-Bereich. Die Aktie brach daraufhin um 6,4 Prozent ein. Analyst Martin Comtesse von Jefferies sprach von einer „klar negativen Überraschung“, lobte aber die Fortschritte beim E-Rezept. Grenke wiederum konnte das Leasingneugeschäft 2025 um 7,8 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro ausbauen und damit die Mitte der Zielspanne erreichen. Die Aktie legte um 2 Prozent zu – solide, aber nicht spektakulär.
Bitcoin und Krypto: Geopolitik und Makro-Unsicherheit bremsen die Erholung
Bitcoin fiel am Mittwoch um 1,7 Prozent auf 92.176 Dollar, nachdem eine kurze Erholung am Vortag schnell wieder verpuffte. Geopolitische Spannungen – insbesondere zwischen China und Japan – sowie die Vorsicht vor wichtigen US-Wirtschaftsdaten belasteten die Stimmung. Ethereum verlor 0,47 Prozent auf 3.224 Dollar, XRP brach sogar um mehr als 5 Prozent ein. Die Krypto-Märkte zeigten sich damit deutlich anfälliger als die traditionellen Aktienmärkte.
Ein Lichtblick kam von MSCI: Der Indexanbieter entschied, vorerst nicht mit seinem Plan fortzufahren, digitale Asset-Treasury-Unternehmen aus seinen Indizes auszuschließen. Davon profitierte vor allem Strategy (ehemals MicroStrategy), dessen Aktie um mehr als 6 Prozent zulegte. Das Unternehmen hält Bitcoin im Wert von mehreren Milliarden Dollar in seiner Bilanz und wäre von einem Ausschluss stark betroffen gewesen. Für den breiteren Kryptomarkt bleibt die Lage jedoch angespannt: Solange die makroökonomischen Unsicherheiten bestehen und die Fed ihre restriktive Haltung beibehält, dürfte Bitcoin Mühe haben, nachhaltig über die 100.000-Dollar-Marke zu klettern.
Gold unter Druck, Öl fällt, Euro schwächelt – Rohstoffe im Abwärtssog
Am Rohstoffmarkt dominierten am Mittwoch die Verkäufer. Der Ölpreis sank: Ein Fass Brent kostete am Nachmittag 60,25 US-Dollar, das waren 0,7 Prozent weniger als am Vortag. Grund waren unter anderem Spekulationen über zusätzliche Lieferungen aus Venezuela an die USA. US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, dass Venezuela 30 bis 50 Millionen Barrel Öl an die USA abgeben werde – ein Deal, der die globalen Ölmärkte durcheinanderbringen könnte.
Gold geriet ebenfalls unter Druck. Laut Deutsche Bank könnte das Edelmetall in der kommenden Woche durch indexgetriebene Verkäufe belastet werden. Der Bloomberg Commodity Index (BCOM) wird vom 9. bis 15. Januar neu gewichtet, und Golds Zielgewichtung fällt dabei von 20,4 auf 14,9 Prozent. Das impliziert Verkäufe von rund 2,4 Millionen Feinunzen – was den Goldpreis um 2,5 bis 3,0 Prozent drücken könnte. Der Gaspreis stieg dagegen um zwei Prozent auf 29 Euro pro Megawattstunde. Der Euro schwächelte leicht und kostete am Nachmittag 1,1686 Dollar. Für Anleger heißt das: Wer auf Rohstoffe setzt, sollte kurzfristig mit Volatilität rechnen.
Pharma und Biotech: Bayer verklagt Impfstoffhersteller, Evotec profitiert von Amgen-Deal
Bayer sorgte für Aufsehen mit einer Klage gegen die Hersteller der Covid-19-mRNA-Impfstoffe BioNTech, Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson. Der Vorwurf: angebliche Patentverletzungen bei einer mRNA-Technologie, die Bayer-Tochter Monsanto bereits in den 1980er-Jahren entwickelt hatte. Ein Verkaufsverbot der Impfstoffe strebt Bayer nicht an, es geht primär um Schadenersatz. Die Klagen wurden in den Bundesgerichten von Delaware und New Jersey eingereicht. Die Aktien der Impfstoffhersteller reagierten uneinheitlich: BioNTech-ADRs legten marginal zu, Moderna-Titel gaben 1,6 Prozent nach, Pfizer zeigte sich leicht im Plus. Die Bayer-Aktie gewann 1,18 Prozent.
Evotec wiederum profitierte von der Übernahme des britischen Biotechunternehmens Dark Blue Therapeutics durch Amgen. Evotec hält etwa 21 Prozent an Dark Blue und könnte durch die bis zu 840 Millionen Dollar schwere Übernahme einen Vermögenswert zu Geld machen, für den Analysten bisher keinen Wert angesetzt hatten. Die Aktie legte daraufhin um 7,6 Prozent zu. RBC-Analyst Charles Weston sprach von einem „guten Geschäft“ und schätzt, dass die Vorabzahlung bis zu 5 Prozent des aktuellen Börsenwertes von Evotec ausmachen könnte. Übernahmefantasien für Evotec selbst wurden ebenfalls laut – die Pharmabranche befindet sich in einer Konsolidierungsphase, und kleine bis mittelgroße Unternehmen wie Evotec könnten attraktive Ziele sein.
Ausblick: Nächste Woche wird es ernst
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die DAX-Rallye Bestand hat oder ob Gewinnmitnahmen einsetzen, sobald die institutionellen Investoren zurückkehren. Entscheidend werden auch die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag sein – sie könnten der Fed wichtige Hinweise für ihre weitere Zinspolitik liefern. In Europa steht die Frage im Raum, wie nachhaltig die Inflationsentwicklung ist und ob die EZB tatsächlich bei ihrer abwartenden Haltung bleibt. Für Anleger heißt das: Wachsam bleiben, Chancen nutzen, aber nicht blind der Euphorie folgen. Der DAX mag auf Rekordhoch stehen – doch die wahre Bewährungsprobe kommt erst noch.
Beste Grüße und einen erfolgreichen Handelstag,
Andreas Sommer


