Der deutsche Leitindex steht am Dienstag weiter unter Druck. Nach einem schwachen Wochenauftakt taxieren Broker den DAX vorbörslich bei rund 23.943 Punkten — ein weiteres Minus von 0,2 Prozent. Die Aufwärtsdynamik vom vergangenen Donnerstag verpufft zunehmend.

Zwei Belastungsfaktoren überlagern sich gerade auf unangenehme Weise. Die Spannungen rund um die Straße von Hormus halten die Märkte in Atem: Die USA haben das sogenannte „Projekt Freiheit“ gestartet, um die Schifffahrtsroute wieder zu sichern. Irans Außenminister konterte auf X mit scharfer Rhetorik, während Teherans Marine eigenen Angaben zufolge US-Schiffe am Einlaufen hinderte. Der Ölpreis kletterte zeitweise über 114 Dollar je Barrel — ein Anstieg von mehr als 5 Prozent, der Inflationssorgen neu entfacht.

EZB erhöht den Druck

Parallel dazu meldet sich die Geldpolitik zu Wort. Bundesbankpräsident Joachim Nagel signalisierte, dass die EZB bei ihrer Juni-Sitzung die Zinsen anheben dürfte — sofern die dann vorliegenden Stabsprojektionen keine deutliche Verbesserung beim Inflationsausblick zeigen. Bereits eingepreist ist dieser Schritt zu 80 Prozent, Marktbeobachter rechnen mit knapp zwei weiteren Erhöhungen bis Jahresende auf dann 2,50 Prozent. Für ein zinssensibler Index wie den DAX ist das kein Rückenwind.

Der Einlagensatz liegt derzeit bei 2,00 Prozent, nachdem die EZB bei ihrer Sitzung Ende April zunächst abgewartet hatte. Nagel betonte dabei ausdrücklich, man solle das Abwarten nicht mit Zögerlichkeit verwechseln.

Rheinmetall unter der Lupe

Unter den Einzelwerten rückt Rheinmetall nach der Vorlage der Erstquartalszahlen ins Scheinwerferlicht — und das trotz des starken Vortages. JPMorgan-Analyst David Perry stufte die Ergebnisse als unter den Markterwartungen ein. Der Rüstungskonzern begründete das schwächere Quartal vollständig mit Timingeffekten und bestätigte sämtliche Jahresziele. Nach einem starken Jahresstart soll das zweite Quartal 2025 nun als Blaupause dienen: damals stark, heute schwächer — 2026 genau umgekehrt. Kritische Anleger, die seit 2025 deutlich skeptischer auf die Ambitionen des Konzerns schauen, dürften das erst dann honorieren, wenn sich die Zahlen entsprechend entwickeln.

Charttechnisch rücken beim DAX unterdessen zwei Auffangzonen in den Vordergrund: die exponentielle 200-Tage-Linie bei 23.791 Punkten sowie das Vorwochentief bei 23.715 Punkten. Beide Marken bilden ein relativ enges Cluster — fällt der Index darunter, dürfte die Stimmung kippen.