Teures Öl, steigende Renditen, Inflation nahe Dreijahreshoch: Zum Oktoberstart rutschte der DAX erstmals seit Ende Juli unter die Marke von 25.000 Punkten. Am Vormittag sackte der Leitindex bis auf rund 24.825 Zähler ab. Bis zum Mittag holte er den Rückschlag fast vollständig wieder auf.

Der Rebound wirkt allerdings nicht gefestigt. Starke Chipzahlen aus den USA verpufften an der Börse, Anleger trauen der Erholung offenbar noch nicht.

Ölpreis bleibt der Taktgeber

Auslöser der Unruhe ist der Konflikt am Persischen Golf. Brent pendelte zuletzt um die Marke von 100 Dollar, im Jahresverlauf reichte die Spanne von 61 bis 119 Dollar. Da Fortschritte zwischen den USA und dem Iran ausbleiben, schwinden die Hoffnungen auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus. Marktteilnehmer rechnen damit, dass Ölpreise, Renditen und Aktienkurse so lange stark schwanken, wie eine diplomatische Lösung fehlt.

Die hohen Energiepreise treiben die Inflation und damit die Zinserwartungen. Der Markt preist zunehmend Zinserhöhungen in den USA ein. Zehnjährige US-Anleihen rentieren bei gut fünf Prozent. Die EZB könnte nach dieser Lesart im Dezember den Einlagensatz von 2,50 auf 2,75 Prozent anheben.

Konstruktives Basisszenario

Baader-Stratege Robert Halver hält die Lage für beherrschbar. Selbst bei weiter hohen Ölpreisen sollten energiegetriebene Inflationsraten spätestens im Frühjahr 2027 nachlassen, weil die kräftigen Preissprünge dann aus dem Vorjahresvergleich herausfallen. Zinserhöhungen der Fed im Oktober und Dezember um je 0,25 Prozentpunkte wären demnach kein aggressiver Straffungszyklus.

Für den Aktienmarkt spricht aus seiner Sicht zudem die Konjunktur. Die ifo Geschäftserwartungen steigen, höhere öffentliche Investitionen und stärkere Exportnachfrage stützen zyklische Werte. Industrie- und Chemietitel gelten als Nutznießer, Banken profitieren von höherer Rentabilität und Aktienrückkäufen. Der Handelsfrieden zwischen den USA und China wurde bis 10. Januar 2027 verlängert, was für mehr Ruhe sorgt.

Auch das Sentiment liefert ein Argument. In den USA überwiegen laut der Anlegerumfrage AAII die Pessimisten, ein antizyklisches Signal, das eher für begrenzte Rückschläge spricht.

Marken im Chart

Charttechnisch verlaufen Unterstützungen bei 25.000, 24.875, 24.825, 24.775 und 24.755 Punkten. Bei einer Erholung trifft der DAX auf Widerstände bei 25.175, 25.250, 25.300 und 25.350 Punkten.

Hält die Zone um 24.825 Punkte, die am Donnerstag als Tagestief diente, bleibt der Rücksetzer eine Episode. Fällt sie, rückt der Bereich um 24.755 Punkte in den Blick.