Der Iran-Krieg hält die Märkte weiter in Atem. Was am Montag noch wie ein Wendepunkt wirkte, entpuppt sich am Dienstag als kurzes Aufflackern — der DAX kämpft mit spürbaren Verlusten.

Dabei hatte die Woche durchaus vielversprechend begonnen. Nachdem der Leitindex am Montag auf rund 21.863 Punkte abgesackt war — das schwächste Niveau seit April 2025 —, schoss er nach einer Trump-Botschaft auf Truth Social innerhalb weniger Minuten um mehr als 1.200 Punkte oder rund sechs Prozent nach oben. Der US-Präsident hatte Hoffnung auf ein baldiges Abkommen mit dem Iran gestreut. Doch schon da war die Euphorie fragil.

Widersprüchliche Signale lähmen den Markt

Teheran dementierte umgehend, von geplanten Gesprächen zu wissen — und sprach von „Fake News“. Trump hingegen kündigte ein Telefonat mit der iranischen Seite für den kommenden Montag an. Diese Gemengelage aus Ankündigung und Widerspruch zieht sich wie ein roter Faden durch das Marktgeschehen.

Am Dienstagnachmittag notierte der DAX bei rund 22.374 Punkten — ein Minus von 1,2 Prozent. Die 22.500er-Marke fiel zeitweise. Der kurze Aufschlag zum Handelsstart verpuffte schnell. Mit dem Allzeithoch vom 13. Januar bei 25.507 Punkten hat das alles wenig gemein.

Öl bleibt das eigentliche Problem

Ein Barrel Brent kostete zwischenzeitlich fast 104 Dollar — weit über der psychologisch wichtigen 100-Dollar-Marke. Und genau das ist der Knackpunkt: Anleger fürchten weniger einen kurzen Preisschub als einen dauerhaft erhöhten Ölpreis. Seit rund vier Wochen tobt der Iran-Krieg — und mit ihm steigen die Inflationssorgen.

Einzelwerte verstärken den Druck zusätzlich. SAP verloren gut vier Prozent, nachdem JPMorgan seine bisher optimistische Einstufung aufgab und das Kursziel deutlich senkte. Bayer büßten fast vier Prozent ein, nachdem ein aktivistischer Investor sein Aktienpaket mit einem Abschlag von rund 25 Prozent gegenüber seinem Einstiegspreis von 2023 veräußerte. Lichtblicke gab es im Chemiesektor: BASF und Brenntag legten bis zu vier Prozent zu, nachdem die Deutsche Bank beide Titel als mögliche Profiteure des Krieges einstufte.

Positiv stach auch Ottobock hervor — ein Kursgewinn von fast zehn Prozent nach einer Kaufempfehlung der UBS, die nach dem vorangegangenen Kursrutsch ein klares Chancenübergewicht sieht.

Solange Teheran Trumps Avancen als Täuschungsmanöver wertet und der Ölpreis über 100 Dollar verharrt, dürfte der DAX seinen Weg zurück in Richtung Allzeithoch vorerst nicht finden.