Wenn ein Firmenchef persönlich zur Feder greift, um seine Aktionäre zu beruhigen, steckt meist mehr dahinter als eine Randnotiz. Johan Wattenström, CEO und Executive Chairman von DeFi Technologies, hat genau das getan – in einem offenen Brief nimmt er Stellung zum Kursverfall der vergangenen Zeit und liefert gleich mehrere Erklärungen mit.

Schwacher Kryptomarkt als Hauptgrund

Wattenström macht keinen Hehl daraus, wo er die Ursachen sieht: ein schwacher Kryptomarkt, in dem Altcoins deutlich stärker leiden als Bitcoin, eine Rotation weg von Krypto-Aktien sowie technische Effekte im Zusammenhang mit der jüngsten Kapitalbeschaffung des Unternehmens. Diese technischen Faktoren bezeichnet er als einmalig. Der Aktienkurs von DeFi Technologies hängt seit jeher eng an der Stimmung im Kryptosektor, da das verwaltete Vermögen den Umsatz maßgeblich treibt.

Der Vergleich mit dem Bärenmarkt 2022/2023 soll Zuversicht vermitteln. Damals notierte die Aktie unter 0,10 US-Dollar, das Unternehmen trug Schulden von mehr als 40 Millionen US-Dollar, und die heutige Tochter Stillman gehörte noch nicht dazu. Heute stehe man deutlich besser da: 2025 erzielte DeFi Technologies nach eigenen Angaben Rekordumsatz und Rekordgewinn, zum Ende des ersten Quartals verfügte das Unternehmen über eine Bilanz von rund 150 Millionen US-Dollar, praktisch schuldenfrei und profitabel.

Neue Produkte verzögern sich

Nicht alles läuft nach Plan. Die schwedische Finanzaufsichtsbehörde Finansinspektionen hat die OGAW-Zulassung für kryptobezogene Vermögenswerte verweigert – DeFi Technologies hat Berufung eingelegt, plant aber parallel eine OGAW-Plattform an einem anderen EU-Standort, da die Dauer des Verfahrens ungewiss ist. Der erste Hedgefonds des Unternehmens soll nach Angaben des CEO in Kürze starten, sobald die Aufnahme eines weiteren Handelspartners abgeschlossen ist. Die Valour Custody-Plattform peilt einen Start in der zweiten Jahreshälfte an.

Verzögerungen bei Produkteinführungen führt Wattenström fast ausschließlich auf ein schwieriges regulatorisches Umfeld in der EU zurück – eine Hürde, die aus seiner Sicht zugleich neue Wettbewerber fernhält. Stillman Digital wachse trotz des Marktumfelds weiter und peile ein Rekordjahr beim Umsatz an.

Reverse Split bleibt Option, keine Entscheidung

Zum Thema Aktienzusammenlegung stellt der Brief klar: Es gibt keine konkreten Pläne dafür. Das Unternehmen will sich die Option lediglich für den Fall vorbehalten, dass eine Nasdaq-Compliance oder höhere Aktienattraktivität dies erforderlich macht. 73 Prozent der Aktionäre hatten dem Unternehmen bereits die Möglichkeit eingeräumt, bei Bedarf eine Zusammenlegung durchzuführen – genutzt wurde sie bislang nicht.

Wattenström verweist zudem auf mögliche Akquisitionen: Das Unternehmen suche aktiv nach großangelegten Übernahmemöglichkeiten, ohne einen Zeitpunkt für mögliche Ankündigungen zu nennen. Seit Jahresbeginn verzeichne man Nettozuflüsse in die Valour-ETPs, was der CEO als Stärkesignal in einem schwierigen Marktumfeld wertet. Für die kommenden Quartale kündigt er weitere Updates zu Fondsstarts, der OGAW-Plattform und möglichen Transaktionen an.