Ein CEO, der sich in einem offenen Brief an die Aktionäre wendet — das ist selten ein gutes Zeichen. Bei DeFi Technologies kam die Botschaft von Johan Wattenström genau in dem Moment, als die Aktie frische Mehrjahrestiefs markierte und eine schwedische Behörde dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung machte.
Am Montag sprang die Aktie um 13,32 Prozent auf 0,3880 Euro. Die Erholung kommt nur wenige Tage, nachdem das Papier mit 0,3408 Euro ein neues 52-Wochen-Tief erreicht hatte. Auf Sicht von zwölf Monaten steht trotzdem ein Verlust von 84,63 Prozent zu Buche, gemessen am Hoch von 2,52 Euro aus dem vergangenen Juli.
Schwedische Aufsicht blockiert UCITS-Struktur
Der Auslöser für den jüngsten Einbruch: Die schwedische Finanzaufsicht FSA hat eine geplante UCITS-Struktur für die Krypto-Produkte des Unternehmens abgelehnt. DeFi Technologies hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt. Parallel dazu baut das Unternehmen die entsprechende Infrastruktur in einem anderen EU-Land auf.
Wattenström macht in seinem Brief vor allem drei Faktoren für den Kursverfall verantwortlich: schwache Altcoin-Märkte, eine Rotation aus Krypto-Aktien heraus und technische Nachwirkungen einer früheren Kapitalerhöhung. Das Management sei selbst stark in der Aktie investiert, betont er. Man nehme den Kursrückgang sehr ernst.
Neue Wachstumsfelder im „Krypto-Winter“
Trotz des Gegenwinds hält das Unternehmen an Investitionen fest und kürzt gleichzeitig Kosten. Der erste Hedgefonds soll laut Wattenström „sehr bald“ starten. In der zweiten Jahreshälfte will das Unternehmen seine Arbitrage-Strategien ausbauen.
Weitere Bausteine der Strategie:
- Die Custody-Plattform Valour befindet sich im Aufbau
- Die Tochter Stillman Digital wächst nach Unternehmensangaben
- Größere Übernahmen werden aktiv geprüft
- Künstliche Intelligenz soll tiefer in Handelsalgorithmen integriert werden, ergänzt durch KI-gestützte Anlageprodukte
Als Absicherung für das Nasdaq-Listing hält der CEO zudem eine Aktienzusammenlegung als Option offen. Die Hauptversammlung hatte diesen Schritt bereits Anfang des Monats genehmigt — vorerst bleibt es aber bei der Ankündigung als Rückfalloption, nicht als beschlossene Maßnahme.
Bilanz soll Vertrauen zurückbringen
Um die Sorgen der Anleger zu zerstreuen, verweist Wattenström auf die Bilanzstärke. Das Unternehmen stehe deutlich besser da als während der Krypto-Baisse 2022 und 2023. Als Belege nennt er Rekordumsatz und Rekordgewinn für 2025 sowie liquide Mittel von rund 150 Millionen Dollar zum Ende des ersten Quartals.
Hinzu kommt die nahezu fehlende Verschuldung. Operativ meldet das Management Nettozuflüsse in die Valour-ETPs seit Jahresbeginn und verweist auf erfolgreiche Markenkampagnen in den Kernmärkten.
Charttechnik zeigt tiefe Wunden
Die Erholung vom Montag hat die Aktie über sieben Handelstage um 6,42 Prozent nach oben gebracht. Auf Monatssicht bleibt trotzdem ein Minus von 15,98 Prozent stehen, seit Jahresbeginn sogar von 40,22 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 42,0 deutet nach dem Bounce von den Mehrjahrestiefs auf neutrales Terrain hin — weder überkauft noch überverkauft.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 67,25 Prozent zeigt: Die Unsicherheit rund um das Papier bleibt hoch. Das jüngste Analystenrating lautet „Buy“ mit einem Kursziel von 1,00 kanadischem Dollar — eine Distanz zum aktuellen Kurs, die zeigt, wie weit sich Marktstimmung und Analystenerwartung derzeit auseinanderbewegt haben.
Der regulatorische Rückschlag aus Schweden trifft eine Aktie, die bereits mit einer lang anhaltenden Krypto-Flaute kämpft. Ob die neuen Wachstumsfelder – vom Hedgefonds bis zu KI-Produkten – die Abhängigkeit vom ETP-Geschäft tatsächlich verringern, wird sich erst in den kommenden Quartalen an den Zahlen zeigen.
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