Der US-Fahrdienstvermittler und Essenslieferant Uber hat ein offizielles Übernahmeangebot für den Berliner Konkurrenten Delivery Hero vorgelegt. Uber bietet 41,50 Euro je Aktie in bar, was einer Bewertung des Eigenkapitals von rund 13 Milliarden Euro entspricht. Das Übernahmeangebot wird von Vorstand und Aufsichtsrat des deutschen Unternehmens unterstützt. Mit einem aktuellen Schlusskurs von 38,62 Euro notiert das Papier derzeit noch unter dem Gebot von Uber.

Strategische Neuausrichtung und Marktverkäufe

Im Zuge der geplanten Transaktion kommt es zu einer signifikanten Aufspaltung des bisherigen Geschäftsportfolios von Delivery Hero. Uber beabsichtigt, rund 50 Kernmärkte zu übernehmen, darunter bedeutende Marken wie Talabat, HungerStation und Baedal Minjok. Damit würde Uber seine Präsenz in insgesamt 99 Ländern massiv ausweiten, insbesondere in Regionen wie Nordafrika und den frankophonen Ländern Afrikas.

Parallel dazu veräußert Delivery Hero Aktivitäten in 14 Ländern für insgesamt 1,4 Milliarden Euro an die Investmentgesellschaft SSW Partners. Von diesem Verkauf ist unter anderem das Geschäft in Österreich (foodora), Polen, Spanien, Schweden und der Türkei (Yemeksepeti) betroffen. SSW Partners sucht laut Berichten nach langfristigen Eigentümern für diese Landesgesellschaften, während für Kunden und Mitarbeiter kurzfristig keine Änderungen erwartet werden. Der kombinierte Bruttowarenwert (GMV) der fusionierten Unternehmen für das Jahr 2025 wird auf etwa 236 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Finanzielle Details und Synergieeffekte

Uber, das bereits als größter Aktionär bei Delivery Hero fungiert, hielt zum Stand 17. Juli 2026 über direkte Anteile und Finanzinstrumente Stimmrechte von insgesamt über 53 Prozent, übt jedoch bislang keine Kontrolle aus. Auch der Großaktionär Prosus hat angekündigt, seinen Anteil von rund 17 Prozent im Rahmen des Angebots zu veräußern. Für das Jahr 2024 meldete Delivery Hero einen Umsatz von 12,8 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 22 Prozent entspricht, sowie einen positiven Free Cashflow von etwa 100 Millionen Euro.

Das Management von Uber erwartet durch den Zusammenschluss jährliche Synergien in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar, die innerhalb von 18 Monaten nach Abschluss des Deals voll wirksam werden sollen. Laut CFO Balaji Krishnamurthy soll die Übernahme bereits ab dem dritten Jahr nach Vollzug positiv zum bereinigten Ergebnis je Aktie beitragen. Seit Jahresbeginn verzeichnete der Wert eine positive Entwicklung von 69,91 Prozent. Die Analysten von Jefferies bewerten die Aktie weiterhin als Kauf („Buy“) und rufen ein Kursziel von 42,50 Euro auf.

Zeitplan und Bedingungen bis zum Abschluss

Der Vollzug der Übernahme wird für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet. Das Angebot steht unter der Bedingung einer Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie sowie der Zustimmung der zuständigen Regulierungsbehörden. Um die kartellrechtlichen Bedenken und die Akzeptanz am Standort Deutschland zu fördern, hat Uber zugesagt, den Hauptsitz in Berlin bis mindestens 2029 zu erhalten und Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro in Deutschland zu tätigen.

Mit Blick auf das 52-Wochen-Hoch von 40,49 Euro befindet sich die Aktie mit einem Abstand von 4,62 Prozent derzeit in einer starken Verfassung, reagiert jedoch mit einer gewissen Differenz auf den angebotenen Übernahmepreis. Während Uber seinen Fokus durch die Akquisition auf den globalen Wettbewerb gegen Anbieter wie Meituan Keeta und DoorDash verstärkt, markiert dieser Schritt eine der größten Konsolidierungen in der Geschichte der Lieferdienstbranche.