Liebe Traderinnen und Trader,

14,8 Milliarden Dollar bietet Uber für Delivery Hero — und die Aktie notiert trotzdem gut vier Euro unter dem Angebotspreis. Das ist keine Marktineffizienz, sondern eine Wette auf einen Zeitplan bis 2027. Während der DAX am Freitag mit 26.445 Punkten ein frisches Allzeithoch markierte, gestützt von schwachen US-Arbeitsmarktdaten und robuster deutscher Industrieproduktion, liegen die eigentlichen Trading-Fragen woanders: Bitcoin hängt an einem Widerstand, Delivery Hero wird zum Übernahme-Pokerspiel, DroneShield zur Zockerwette, und in der DAX-Berichtssaison öffnet sich eine Schere, die man kennen sollte, bevor man nachkauft.

Bitcoin: Der Deckel bei 66.500 Dollar hält noch

Bitcoin notierte am Samstagnachmittag bei rund 65.000 Dollar und schloss die Woche mit einem Plus von gut drei Prozent. Bemerkenswert ist nicht der Kurs, sondern was er ignoriert hat: Der US-Senat verschob die Abstimmung über den CLARITY Act auf September — regulatorischer Rückenwind, der eigentlich fehlt — und der Markt verkaufte trotzdem nicht ab. Die Nachfrage kam aus zwei Richtungen. Die US-Spot-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche über 850 Millionen Dollar Zuflüsse, die stärkste Woche seit April, und Wale haben seit Ende Juli mehr als 20.000 BTC im Wert von rund 1,2 Milliarden Dollar eingesammelt.

Technisch bleibt die Lage klar umrissen: Widerstand bei 66.500 Dollar, Unterstützung bei etwa 63.000 Dollar. Solange dieser Deckel hält, ist es ein Range-Trade, kein Trend. Der September-Termin zur CLARITY-Abstimmung ist der Kalendereintrag, der die nächste Richtungsentscheidung liefern dürfte. Zur Einordnung: Vom Oktober-Hoch bei über 126.000 Dollar trennen den Kurs Welten, das Jahr steht deutlich im Minus. Das ist keine Rally, sondern eine Bodenbildung, die die Käufer gerade mit ETF-Geld und Wal-Käufen verteidigen.

Uber greift nach Delivery Hero — die Lücke zum Angebotspreis ist das Setup

Aus der Übernahme-Spekulation der vergangenen Wochen ist ein konkretes Angebot geworden: Uber bietet 41,50 Euro je Delivery-Hero-Aktie und bewertet den Konzern damit auf rund 14,8 Milliarden Dollar. Uber hielt bereits einen direkten Anteil von rund einem Viertel; zusammen mit der Verpflichtung des Großaktionärs Prosus steigt das gesamtwirtschaftliche Interesse auf über 50 Prozent. Finanziert wird der Deal über eine milliardenschwere Brückenfinanzierung sowie frisch arrangierte Kreditlinien — darunter eine Revolving Credit Facility über 7,7 Milliarden Dollar und neue Euro-Term-Loans.

Als kartellrechtliches Zugeständnis übernimmt SSW Partners 14 Märkte für 1,6 Milliarden Dollar. Der Vollzug ist für 2027 geplant, die Breakup-Fee liegt bei 700 Millionen Dollar. Damit ist die Lage klar: strategisch schlüssig, finanziell bereits unterlegt — aber der regulatorische Fahrplan zieht sich über Jahre.

Am Kurs zeigt sich das direkt. Delivery Hero schloss am Freitag bei 37,19 Euro, spürbar unter dem gebotenen Preis von 41,50 Euro und nur knapp unter dem im Juli markierten 52-Wochen-Hoch von 40,49 Euro. In dieser Lücke steckt eine echte Übernahmeprämie — aber sie ist an den Ausgang des Kartellverfahrens und den Vollzugstermin 2027 gekoppelt. Ein Setup mit klarem Chance-Risiko-Profil, das nur mit disziplinierter Positionsgröße funktioniert.

Passend zur Expansionslogik: Uber und Wayve testen in London bereits Robotaxis, mit einer Startflotte aus 15 Ford Mustang Mach-E. Insgesamt plant der Konzern über 10 Milliarden Dollar in eine Robotaxi-Plattform mit 120.000 Fahrzeugen — Delivery Hero ist nur eine von mehreren Fronten, an denen Uber derzeit baut.

DroneShield: Hohes Kursziel, höhere Short-Quote

Wer eine Alternative zu den etablierten Rüstungswerten sucht, landet bei DroneShield — muss dann aber beide Seiten der Geschichte kennen. Die positive: Citigroup meldete sich mit 5,69 Prozent als Großaktionär, der Analysten-Konsens lautet „Outperform“ mit einem Kursziel von 2,70 australischen Dollar. Beim Freitagskurs von 2,18 AUD entspricht das einem Aufwärtspotenzial von knapp 24 Prozent.

Die Kehrseite: DroneShield ist die meistgeshortete Aktie an der australischen Börse, die dortige Finanzaufsicht prüft Offenlegungen und Aktiengeschäfte des Unternehmens, und zuletzt sorgte Verwirrung um einen Vertrag für zusätzliche Nervosität. Das erklärt die heftigen Tagesschwankungen — am Freitag ging es rund viereinhalb Prozent abwärts. Für deutsche Anleger ist der Wert über den US-Ticker handelbar, dort notierte er am Freitag bei 1,57 Dollar. Hohes Momentum, hohe Short-Quote, laufende Regulierungsprüfung: eine Position für risikobereite Trader, kein Basisinvestment.

DAX-Berichtssaison: Chip-Ausrüster liefern, Autozulieferer bluten

Der Rekord im DAX verdeckt eine deutliche Zweiteilung in den Quartalszahlen. Auf der Gewinnerseite steht Süss MicroTec: Der Auftragseingang des Halbleiterausrüsters sprang im zweiten Quartal auf 260,7 Millionen Euro — mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts und rund drei Viertel über dem ersten Quartal. Der Auftragsbestand kletterte auf einen Rekordwert von 473,7 Millionen Euro, für 2027 sind bereits 220 Millionen Euro gesichert. Die EBIT-Marge zog auf 9 Prozent an (nach 4,3 Prozent im Vorquartal), wobei der Umsatz mit 116,2 Millionen Euro noch 18 Prozent unter Vorjahr lag und das EBIT sich auf 10,4 Millionen Euro halbierte. Der Auftragseingang ist der Vorlaufindikator, der zählt — und er bestätigt die 2026er-Prognose (Umsatz 425 bis 485 Millionen Euro, EBIT-Marge 8 bis 10 Prozent). Entsprechend bullish positionieren sich die Analysten: Jefferies mit Kaufempfehlung und Kursziel 109 Euro, UBS bei 105,50 Euro, Deutsche Bank bei 96 Euro, Berenberg ebenfalls mit Buy — getragen vom KI-Hype in der Chip-Fertigung.

Auch außerhalb der Halbleiterwelt lieferten Zulieferer solide Zahlen. Motorenbauer Deutz wuchs im zweiten Quartal beim Umsatz um 13 Prozent auf 585 Millionen Euro, der Auftragseingang legte um 15 Prozent auf 560 Millionen Euro zu, das bereinigte EBIT sprang um 41 Prozent auf 42,4 Millionen Euro. Unterm Strich blieb dennoch nur ein Nettogewinn von 11,7 Millionen Euro — ein Rückgang um 33 Prozent. Das Management bestätigte die Jahresprognose; die 1,6 Milliarden Euro schwere Übernahme von FFG soll helfen, die 2030-Ziele von 4 Milliarden Euro Umsatz und 10 Prozent Marge früher zu erreichen.

Großküchen-Spezialist Rational überzeugte ebenfalls: Der Halbjahresumsatz kletterte auf 641,5 Millionen Euro, plus 6 Prozent nominal, plus 8 Prozent währungsbereinigt. Im zweiten Quartal stieg das EBIT um 16 Prozent auf 94 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich auf 29,0 Prozent nach 26,1 Prozent im Vorjahr. Für das Gesamtjahr peilt das Unternehmen 25 bis 26 Prozent EBIT-Marge an. Die Aktie schloss am Freitag bei 667,50 Euro — auf Jahressicht kaum über der Nulllinie und klar unter dem im Februar markierten Hoch von 774,00 Euro.

Die Gegenseite der Berichtssaison zeigte Autozulieferer Aumovio: Der Halbjahresumsatz sackte um 8,9 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT fiel von 260 auf 157 Millionen Euro. Im zweiten Quartal schrumpfte der Umsatz von 4,7 auf 4,2 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT von 167 auf 50 Millionen Euro — belastet unter anderem durch einen BMW-Vergleich. Die Aktie legte am Freitag zwar leicht auf 37,55 Euro zu, steht auf Jahressicht aber klar im Minus.

Die Lektion: Der Index läuft, aber die Streuung zwischen den Sektoren ist enorm. Halbleiterausrüster wie Süss MicroTec und Nischenchampions wie Rational und Deutz liefern das Momentum, während zyklische Zulieferer wie Aumovio vom schwachen Autoumfeld ausgebremst werden. Wer nur auf den Index schaut, übersieht genau diesen Unterschied.

Der KI-Hype, der Süss MicroTec derzeit trägt, hat einen Zwilling, der an der Börse noch nicht überall auf dem Radar ist: den Strombedarf, den diese Rechenleistung tatsächlich frisst. Genau dort setzt das Live-Webinar „Der Gigawatt-Code: Deutschlands letzte Energie-Hoffnung!“ an, zu dem Felix Baarz morgen um 18:00 Uhr einlädt. Anlass ist die Eskalation im Kampf um Strom für KI-Rechenzentren in Deutschland — befeuert durch den Rekord-Auftragseingang von Siemens Energy über 17,7 Milliarden Euro und die gleichzeitig verschärften Auflagen des seit Juli geltenden Energieeffizienzgesetzes. Baarz ordnet ein, warum die installierte Rechenzentrumsleistung laut Bitkom bis 2030 von rund 3.000 auf 5.000 Megawatt wachsen soll und welche Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand von diesem Nachfragesog profitieren könnten. Wer verstehen will, wie sich der Chip-Boom auf die Energie-Infrastruktur durchschlägt, findet dort konkrete Ansatzpunkte für die eigene Watchlist. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Marschroute

  • Bitcoin: Range-Trade zwischen 63.000 Dollar (Support) und 66.500 Dollar (Widerstand). Der Ausbruch braucht einen Katalysator — die CLARITY-Abstimmung im September ist der Termin. ETF-Zuflüsse und Wal-Käufe stützen den Boden.
  • Delivery Hero: Uber-Angebot bei 41,50 Euro, gesamtwirtschaftliches Interesse mit Prosus über 50 Prozent. Vollzug 2027, an regulatorische Freigabe gekoppelt. Kurs (37,19 Euro) unter Angebotspreis — Prämien-Setup mit langem Atem.
  • DroneShield: Momentum-Wette mit hoher Short-Quote und laufender Regulierungsprüfung. Konsens-Ziel 2,70 AUD, nur für spekulatives Kapital.
  • DAX-Berichtssaison: Süss MicroTec trägt das Momentum mit Rekord-Auftragsbestand, Rational und Deutz liefern solide Margen, Aumovio bleibt der Gegenbeweis im schwachen Autoumfeld. Nächste Woche stehen weitere Zahlen an.

Das Wochenende neigt sich dem Ende zu — die offenen Positionen aus dieser Ausgabe warten bis Montag auf ihre nächste Bewegung.

Gute Trades,

Ihr Andreas Sommer