Delivery Hero explodiert, Renk auf Jahrestief — MDAX zeigt zwei Gesichter

Delivery Hero und Redcare Pharmacy legen im MDAX deutlich zu, während Rüstungswerte wie Renk und Hensoldt trotz operativer Rekorde stark nachgeben.

Delivery Hero Aktie
Kurz & knapp:
  • Delivery Hero steigt dank Prosus-Deal
  • Redcare Pharmacy profitiert von E-Rezept-Boom
  • Lanxess trotz schwachem Start optimistisch
  • Rüstungssektor unter Druck trotz Rekordzahlen

Prosus verkauft Millionen Delivery-Hero-Aktien mit satter Prämie, Redcare Pharmacy glänzt mit E-Rezept-Boom — und gleichzeitig rutscht der gesamte Rüstungssektor ab. Der MDAX verliert am Montagnachmittag zwar nur 0,2 Prozent auf 31.133 Punkte. Unter der Oberfläche aber klaffen die Einzelwerte so weit auseinander wie selten. Tagessieger und Tagesverlierer trennen über 23 Prozentpunkte.

Die geopolitische Kulisse bleibt angespannt: Eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt rückt weiter in die Ferne. Trump bezeichnete die jüngste Antwort Teherans auf den amerikanischen Friedensvorschlag als „völlig inakzeptabel“. Das belastet vor allem die Industriewerte — während unternehmensspezifische Katalysatoren auf der Gegenseite für kräftigen Kaufdruck sorgen.

AssetKursVeränderungSektor
Delivery Hero23,16 €+16,85 %Consumer Cyclical
Redcare Pharmacy47,54 €+8,79 %Healthcare
Lanxess18,47 €+7,07 %Basic Materials
Renk46,06 €−5,99 %Industrials
Hensoldt71,00 €−5,18 %Industrials
Thyssenkrupp10,34 €−4,31 %Industrials

Delivery Hero: Prosus-Deal mit Prämie löst Kursfeuerwerk aus

Der klare Tagessieger im MDAX springt um knapp 17 Prozent auf 23,16 Euro. Auslöser ist ein Paukenschlag auf der Aktionärsseite: Großaktionär Prosus hat rund 15,2 Millionen Delivery-Hero-Aktien an den Hongkonger Investor Aspex Management verkauft — das entspricht einer Beteiligung von etwa fünf Prozent.

Entscheidend für die Marktreaktion ist der Preis. Die Transaktion wurde bei 22 Euro je Aktie abgewickelt. Das liegt gut zehn Prozent über dem Freitagsschluss und ebenfalls zehn Prozent über dem Kurs, den Uber Mitte April für ein ähnliches Paket gezahlt hatte. Ein institutioneller Käufer, der bereitwillig eine zweistellige Prämie auf den Marktkurs akzeptiert, sendet ein unmissverständliches Vertrauenssignal.

Fundamental passt das ins Bild. Im ersten Quartal hatte der Essenslieferdienst mit einer Wachstumsbeschleunigung überzeugt und Hoffnungen geschürt, die Profitabilität könnte 2026 am oberen Ende der Zielspanne landen. Bernstein hob das Kursziel jüngst auf 28 Euro und stufte die Aktie auf „Outperform“. Der Aufwärtstrend besitzt damit Substanz: Allein im vergangenen Monat hat das Papier rund 36 Prozent zugelegt.

Redcare Pharmacy: E-Rezept-Boom treibt Profitabilität

Redcare Pharmacy klettert auf 47,54 Euro und gehört mit einem Plus von knapp neun Prozent zu den stärksten MDAX-Werten des Tages. Das Fundament wurde bereits vergangene Woche gelegt, als die Online-Apotheke starke Quartalszahlen vorlegte.

Die Kernbotschaft: Das bereinigte EBITDA stieg im ersten Quartal um 58 Prozent. Der Konzernumsatz erreichte 849,5 Millionen Euro, getrieben vom boomenden E-Rezept-Geschäft in Deutschland. Die aktive Kundenbasis wuchs im Jahresvergleich um 1,1 Millionen auf 14,2 Millionen, der durchschnittliche Warenkorb legte um neun Prozent auf 68 Euro zu.

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Wichtig für Anleger: Die Jahresprognose wurde bestätigt.

  • Umsatzwachstum von 13 bis 15 Prozent angepeilt
  • Rx-Umsatz in Deutschland soll 670 Millionen Euro übersteigen
  • Regulatorischer Rückenwind durch Reformvorschläge einer Expertenkommission zur gesetzlichen Krankenversicherung

Der Kurssprung ist keine Eintagsfliege. Er spiegelt eine fundamentale Neubewertung wider — getragen von der Überzeugung, dass Redcare als Strukturprofiteur der Digitalisierung im Gesundheitswesen positioniert ist. Der RSI von 31 deutet allerdings darauf hin, dass das Papier im Vorfeld deutlich überverkauft war. Seit dem Jahreshoch bei 128,70 Euro hat die Aktie noch immer über 63 Prozent verloren.

Lanxess: Schwacher Jahresstart, aber Hoffnung auf das zweite Quartal

Ein Plus von gut sieben Prozent auf 18,47 Euro — Lanxess profitiert von einem Mix aus bestätigter Jahresprognose und sich aufhellendem Ausblick. Die am 7. Mai vorgelegten Quartalszahlen fielen zunächst ernüchternd aus: Der Umsatz lag mit 1,378 Milliarden Euro rund 14 Prozent unter Vorjahr, das EBITDA vor Sondereinflüssen erreichte lediglich 94 Millionen Euro.

Trotzdem hält die Unternehmensführung an den Jahreszielen fest und rechnet weiterhin mit einem EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 450 und 550 Millionen Euro. Was den Markt überzeugt, ist vor allem der Ausblick: Im zweiten Quartal soll das EBITDA deutlich auf 130 bis 150 Millionen Euro anziehen.

CEO Matthias Zachert lieferte eine bemerkenswerte Erklärung für den Optimismus. Durch den Nahost-Konflikt seien die Lieferketten vieler asiatischer Wettbewerber gestört — Kunden wendeten sich wieder verstärkt europäischen Anbietern wie Lanxess zu. Technisch hatte die Aktie bereits am 8. Mai die 50-Tage-Linie nach oben gekreuzt. Der heutige Anstieg setzt diese Bewegung fort und nährt die Hoffnung auf eine Trendwende nach langer Schwächephase.

Renk: Operativer Rekord, Kursniveau wie zuletzt im Tief

Das Paradox des Tages: Renk fällt um sechs Prozent auf 46,06 Euro und markiert damit ein neues 52-Wochen-Tief. Operativ läuft es beim Augsburger Antriebsspezialisten so gut wie nie zuvor. Der Auftragseingang stieg im ersten Quartal auf 582,3 Millionen Euro — bester Jahresauftakt der Unternehmensgeschichte. Der Gesamtauftragsbestand kletterte auf 6,9 Milliarden Euro.

Die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich deutlich auf 15,0 Prozent. Im Segment Vehicle Mobility Solutions erreichte sie sogar 18,3 Prozent — ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als 90 Prozent des für 2026 geplanten Umsatzes sind durch bestehende Aufträge abgesichert.

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Warum ignoriert die Börse all das? Der Druck kommt vom Sektorsentiment. JPMorgan-Analyst David Perry, bislang einer der größten Befürworter von Leitaktie Rheinmetall, verabschiedete sich von seiner positiven Einstufung. Dieser Stimmungsumschwung reißt den gesamten Rüstungssektor mit. Renk hat seit dem 52-Wochen-Hoch bei 88,73 Euro fast die Hälfte seines Börsenwerts eingebüßt — ein Abschlag, der die operative Realität immer weniger widerspiegelt.

Hensoldt: Rekordaufträge, ambitionierte Bewertung, Abverkauf

Hensoldt verliert 5,18 Prozent auf 71,00 Euro und steht exemplarisch für das Dilemma europäischer Rüstungswerte. Die Zahlen zum ersten Quartal waren beeindruckend: Der Auftragseingang verdoppelte sich auf knapp 1,5 Milliarden Euro, der Auftragsbestand erreichte mit 9,8 Milliarden Euro einen Rekordwert. Der Umsatz stieg um 15 Prozent, das operative Ergebnis verbesserte sich um fast die Hälfte.

Trotzdem verkaufen Anleger. Ein KGV von über 42 signalisiert, dass viel Zuversicht bereits eingepreist ist. In einer Phase, in der der Rüstungssektor insgesamt auf den Prüfstand gestellt wird, trifft diese ambitionierte Bewertung auf schwindendes Kaufinteresse. Seit dem Hoch bei 115,10 Euro hat die Aktie gut 38 Prozent korrigiert. Die Nähe zum 52-Wochen-Tief bei 65,90 Euro dürfte manchen Anleger zusätzlich nervös machen.

Thyssenkrupp: Vorsichtige Positionierung vor dem Halbjahresbericht

Thyssenkrupp gibt 4,31 Prozent auf 10,34 Euro ab. Der Rückgang hat einen konkreten Anlass: Morgen, am 12. Mai, legt der Konzern seinen Halbjahresbericht vor. Um 11:00 Uhr folgt die Analysten-Telefonkonferenz mit dem Vorstand.

Die Erwartungen sind gedämpft. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Ergebnis je Aktie von 0,103 Euro — ein Rückgang von fast 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Umsatz wird ein Minus von gut fünf Prozent auf 8,13 Milliarden Euro erwartet.

Der strukturelle Kontext bleibt belastend. Thyssenkrupp bewegt sich in zwei völlig verschiedenen Welten: Während das Rüstungsgeschäft auf milliardenschwere Entscheidungen wartet, kämpft die Stahlsparte mit einer hartnäckigen Branchenkrise. Diese Diskrepanz sorgt für Unsicherheit. Immerhin: Auf Monatssicht hat das Papier noch immer rund 21 Prozent zugelegt — die heutige Schwäche wirkt vor diesem Hintergrund wie eine Verschnaufpause vor dem Stresstest morgen.

Rüstungsskepsis trifft auf Einzelwert-Katalysatoren

Der heutige Handelstag verdichtet eine Dynamik, die den MDAX seit Wochen prägt: Unternehmensspezifische Nachrichten schlagen das Sektormomentum. Delivery Hero beweist, dass ein einziger Transaktionskatalysator genügt, um eine Aktie um fast ein Fünftel nach oben zu treiben. Redcare Pharmacy und Lanxess zeigen, dass solide Quartalszahlen auch in einem schwierigen Marktumfeld belohnt werden.

Die Rüstungswerte hingegen durchlaufen eine schmerzhafte Neubewertungsphase. Renk und Hensoldt überzeugen operativ auf ganzer Linie — an der Börse zählt das gerade wenig. Die Erwartungshaltung an den Sektor war nach dem Rally der vergangenen Jahre so hoch, dass selbst Rekordergebnisse nicht mehr reichen. Morgen liefert der Thyssenkrupp-Halbjahresbericht den nächsten Richtungsimpuls für den Industriesektor. Die Zahlen dürften zeigen, ob der Konzernumbau Fortschritte macht — oder ob die Kluft zwischen Rüstungshoffnung und Stahlrealität weiter wächst.

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Über Felix Baarz 4268 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.