Dell Technologies hat mit den Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal 2027 sämtliche Erwartungen übertroffen — und die Aktie sprang nachbörslich um rund acht Prozent zurück über die 460-Dollar-Marke, nachdem sie im regulären Handel zuvor um sieben Prozent auf 425 Dollar gefallen war.
Unter der Oberfläche der Rekordzahlen zeigt sich aber ein Detail, das im Jubel über die angehobene Prognose leicht übersehen wird: Der freie Cashflow brach um 47 Prozent ein.
KI-Server treiben Umsatz und Prognose
Der Konzernumsatz kletterte um 58 Prozent auf 47 Milliarden Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie verdreifachte sich auf 7,04 Dollar — deutlich über dem Analystenkonsens von 4,91 Dollar. Zugpferd bleibt die Infrastructure Solutions Group mit dem Rechenzentrumsgeschäft: Sie steuert inzwischen 81 Prozent des operativen Segmentergebnisses bei, nach 65 Prozent im Vorjahr.
Allein auf KI-optimierte Server entfielen 16,4 Milliarden Dollar Umsatz, der Auftragseingang in diesem Segment erreichte mit 60,9 Milliarden Dollar einen Rekordwert. Der Auftragsbestand wuchs auf 95 Milliarden Dollar.
Für das Gesamtjahr hob Dell die Umsatzprognose von 167 auf 192 Milliarden Dollar an, das erwartete bereinigte Ergebnis je Aktie stieg von 17,90 auf 25,50 Dollar. Überraschend: Auch das klassische Servergeschäft wuchs mit 122 Prozent sogar schneller als der KI-Bereich — vom „totgesagten“ Geschäft war zuletzt kaum die Rede.
Wo die Rekordzahlen ihre Kehrseite haben
Die ISG-Marge sprang von 8,8 auf 15 Prozent, laut Finanzvorstand David Kennedy vor allem durch Skalierungseffekte, nicht durch höhere Preise pro Server. Parallel dazu zeigt die Bilanz Reibung: Der freie Cashflow fiel trotz mehr als verdreifachtem Nettogewinn auf 986 Millionen Dollar.
Ein Teil der Differenz erklärt sich durch 6,67 Milliarden Dollar an Finanzierungsforderungen — Dell streckt seinen Kunden zunehmend das Geld für Anschaffungen vor, der Umsatz steht dann schon in den Büchern, das Geld aber noch nicht auf dem Konto. Die Vorräte verdoppelten sich seit Januar auf 21,29 Milliarden Dollar.
Im Analystengespräch hakten mehrere Häuser genau an diesem Punkt nach. Bank of America-Analyst Wamsi Mohan fragte nach den wachsenden Finanzierungsforderungen, Evercore-Analyst Amit Daryanani wollte wissen, ob Kunden ihre Serverkäufe nur vorziehen. Dell-COO Jeff Clarke verwies auf 1,2 Millionen Server im Kundenbestand aus dem Jahr 2017 und älter, die ohnehin ersetzt werden müssten — ein struktureller Nachfragetreiber, kein reiner Vorzieheffekt.
Analysten bleiben mehrheitlich positiv
Mizuho-Analyst Vijay Rakesh bestätigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 600 Dollar, Bank of America hob das Ziel bereits vor der Zahlenvorlage von 500 auf 505 Dollar an.
Die Deutsche Bank nahm die Bewertung mit „Hold“ und einem Kursziel von 480 Dollar neu auf. Insgesamt stufen zehn von 14 Analysten die Aktie als „Buy“ ein, vier als „Hold“ — die Kursziele reichen von 434 bis 700 Dollar.
Für das laufende dritte Quartal stellt Dell einen Umsatz von 49 Milliarden Dollar sowie ein Ergebnis je Aktie von 6,50 Dollar in Aussicht, deutlich über dem bisherigen Konsens. Wie sich der Auftragsbestand von 95 Milliarden Dollar in tatsächliche Umsätze übersetzt und ob sich der Cashflow-Rückgang im dritten Quartal fortsetzt, dürfte die nächste Bilanz zeigen.
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