Die US-Demokraten haben bei den Zwischenwahlen beide Kammern des Kongresses erobert. An den Finanzmärkten löst das Ergebnis eine spürbare Erleichterung aus: Globale Aktienindizes legen deutlich zu, während Anleiherenditen und der US-Dollar nachgeben. Investoren stellen sich auf einen politischen Stillstand in Washington ein, der größere politische Eingriffe vorerst unwahrscheinlich macht.

Projektionen sehen die Demokraten bei 54 Sitzen im Senat und 228 Mandaten im Repräsentantenhaus. Da Präsident Trump weiterhin über sein Vetorecht verfügt und den Demokraten eine verfassungsändernde Mehrheit fehlt, rechnen Marktbeobachter mit gegenseitigen Blockaden statt mit umfassenden Gesetzespaketen. Genau diese Aussicht nimmt den Börsen die Sorge vor unberechenbaren Kurswechseln.

Breiter Aufschwung an den Aktienmärkten

Der US-Leitindex Dow Jones kletterte um 1,50 Prozent auf 52.560,70 Zähler. Der breiter gefasste S&P 500 zog um 1,06 Prozent an. Die Entspannung erfasste die Wall Street unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten festen Mehrheitsverhältnisse.

Europäische Indizes folgten dem Trend. Der DAX gewann 1,29 Prozent auf 26.234,84 Punkte. Parallel dazu sank die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,933 Prozent, da Händler mit geringeren ungedeckten Steuersenkungen und einem kleineren Haushaltsdefizit rechnen.

Der nachgebende Dollar stützte zudem die Edelmetalle. Gold verteuerte sich um 2,83 Prozent auf 4.052,05 Dollar je Unze und überwand damit wieder die Marke von 4.000 Dollar. Rohöl verbilligte sich indes leicht, da Spekulationen über einen Kurswechsel der US-Politik gegenüber dem Iran zunahmen.

Erneuerbare Energien triumphieren, Rüstungskonzerne verlieren

Auf Sektorebene zeigen sich drastische Umschichtungen. Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien verbuchten kräftige Kursgewinne: Sunrun sprang um 10 Prozent nach oben, First Solar legte um 9,4 Prozent zu und Enphase gewann 7,6 Prozent. Marktteilnehmer erwarten, dass die staatlichen Förderungen für saubere Technologien unter der demokratischen Kongressmehrheit abgesichert bleiben.

Unter Druck gerieten dagegen Branchen, die von der bisherigen Regierungslinie profitiert hatten. Rüstungswerte gaben nach, weil eine erwartete Budgetanforderung über 1,5 Billionen Dollar nun fraglich erscheint. Die Papiere von Northrop Grumman verloren fünf Prozent, während Lockheed Martin um über drei Prozent sank.

Private Gefängnisbetreiber traf der Wahlausgang besonders hart: Geo Group verbilligte sich um 6,7 Prozent und CoreCivic gab 5,2 Prozent nach. Beide Titel hatten zuvor von der restriktiven Einwanderungspolitik profitiert. Anteilsscheine von Trump Media verbuchten ein Minus von sieben Prozent.

Historisch betrachtet bieten die zwölf Monate nach Midterms verlässlichen Rückenwind: Der S&P 500 legte nach allen 19 Zwischenwahlen seit 1950 im Schnitt um rund 15 Prozent zu. Die Weichen dafür stellen nun die anstehenden Etatberatungen in Washington, bei denen beide Parteien im Haushaltsstreit Kompromisse aushandeln müssen.