Ein einziger Satz von Finanzvorstand Raja Akram reichte, um die Stimmung zu drehen. Die Deutsche-Bank-Aktie zählt am Mittwoch zu den größten Verlierern im DAX, nachdem Akram auf einer Bank-of-America-Konferenz stagnierende bis leicht rückläufige Erträge im Investmentbanking für das dritte Quartal in Aussicht gestellt hatte. Für viele Marktteilnehmer kam das überraschend — schließlich hatte sich die Bank zum ersten Halbjahr noch deutlich optimistischer geäußert.
Starkes Vorjahresquartal setzt Maßstab
Der Dämpfer relativiert sich beim genaueren Hinsehen etwas: Das dritte Quartal 2025 war für das Investmentbanking außergewöhnlich stark, entsprechend hoch liegt die Vergleichsbasis. Nach Akrams Angaben lief das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen im Juli noch gut, der August fiel saisonbedingt schwächer aus. Außerhalb des Kreditgeschäfts präsentierten sich die meisten Produktbereiche robust.
Die übrigen Kennzahlen, die Akram auf der Konferenz bestätigte, fielen deutlich konstruktiver aus. Die Eigenkapitalrendite auf das materielle Eigenkapital lag im ersten Halbjahr bei knapp zwölf Prozent, die harte Kernkapitalquote soll weiterhin zwischen 13,5 und 14 Prozent liegen.
Die Vermögensverwaltung wuchs im gleichen Zeitraum um fast acht Prozent, während der Privatkundenbereich Nettoneugelder von rund 60 Milliarden Euro einsammelte — ein Beleg dafür, dass die Bank ihre Erträge zunehmend breiter aufstellt.
Genau diese Diversifizierung macht die aktuelle Marktreaktion bemerkenswert. Das Investmentbanking bleibt trotz aller Fortschritte in anderen Sparten ein Ertragstreiber mit überproportionalem Gewicht — jede Schwäche dort schlägt entsprechend stark auf den Kurs durch. Der Rücksetzer traf zudem auf ein ohnehin vorsichtiges Marktumfeld, in dem auch US-Indizes leicht nachgaben.
Umbau der Belegschaft als zweite Baustelle
Parallel zur Ertragswarnung sorgt eine strategische Ankündigung von Vorstandschef Christian Sewing für Gesprächsstoff. In den kommenden acht bis neun Jahren wird die Bank in Deutschland rund 35 Prozent ihrer Mitarbeiter durch Renteneintritte verlieren.
Sewing setzt darauf, die Lücke nicht vollständig durch Neueinstellungen zu schließen, sondern verstärkt auf künstliche Intelligenz zu setzen — auch im direkten Kundenkontakt. Personal zählt zu den größten Kostenblöcken einer Bank, entsprechend groß ist das potenzielle Einsparvolumen, sollte die Automatisierung wie geplant greifen.
Für die Aktie ergibt sich damit ein gemischtes Bild: kurzfristiger Gegenwind durch die Investmentbanking-Warnung, langfristige Chancen durch Kostendisziplin und den KI-Umbau.
Ob der demografische Wandel tatsächlich zum Effizienzhebel wird, hängt davon ab, wie schnell sich die neuen Systeme im Tagesgeschäft bewähren — die Antwort darauf wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, wenn belastbare Zahlen zum Investmentbanking-Geschäft vorliegen.
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