Deutsche Industrieproduktion, Amazon & Allianz: Wenn Konjunkturdaten überraschen – während Tech-Riesen ihre Zukunft neu verhandeln

Die deutsche Industrieproduktion steigt unerwartet, angeführt vom Automobilbau. Gleichzeitig kündigen Amazon einen Pharma-Deal und die Allianz eine KI-Partnerschaft an, die ihre Branchen verändern könnten.

Deutsche Industrieproduktion, Amazon & Allianz: Wenn Konjunkturdaten überraschen – während Tech-Riesen ihre Zukunft neu verhandeln
Kurz & knapp:
  • Deutsche Industrieproduktion steigt dritten Monat in Folge
  • Amazon bietet Abnehmpille Wegovy über eigene Plattform an
  • Allianz startet KI-Partnerschaft mit Anthropic für Versicherungen
  • Bitcoin stabilisiert sich trotz massiver ETF-Abflüsse

Liebe Leserinnen und Leser,

7,8 Prozent – diese Zahl aus dem Statistischen Bundesamt ließ Beobachter heute aufhorchen. Denn während die deutsche Gesamtindustrie im November um moderate 2,1 Prozent zulegte, schoss ausgerechnet der Automobilbau um 7,8 Prozent nach oben. Ein Signal der Hoffnung in einem Sektor, der monatelang nur Hiobsbotschaften produzierte? Oder nur ein statistisches Aufflackern, bevor die nächste Delle kommt? Gleichzeitig zeigt sich an den Märkten ein Bild voller Widersprüche: Während Amazon mit Novo Nordisk einen Pharma-Deal schmiedet, der Millionen Amerikanern Zugang zu Abnehmpillen verschaffen soll, kündigt die Allianz eine KI-Partnerschaft mit Anthropic an, die das Versicherungswesen von Grund auf umkrempeln könnte. Und dann ist da noch Bitcoin, der sich knapp über 90.000 Dollar stabilisiert – trotz massiver ETF-Abflüsse.

Deutschlands Industrie: Der Automobilbau als unerwarteter Hoffnungsträger

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts vom Freitag zeichnen ein differenziertes Bild der deutschen Konjunktur. Die Gesamtproduktion von Industrie, Bau und Energieversorgern stieg im November um 0,8 Prozent – den dritten Monat in Folge. Analysten hatten eigentlich mit einem Rückgang gerechnet. Besonders bemerkenswert: Die Industrie allein legte um 2,1 Prozent zu, getrieben nicht nur vom Automobilbau (+7,8 Prozent), sondern auch vom Maschinenbau.

„Es gibt begründeten Anlass zur Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 um einiges stärker wachsen sollte“, kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Die Industrieproduktion lasse darauf schließen, dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum im vierten Quartal 2025 klar über der Nullmarke liegen werde. Doch die Euphorie hat Grenzen: Insgesamt dürfte die Herstellung 2025 rund 14 Prozent niedriger liegen als 2018. In den vergangenen sieben Jahren ist die Industrieproduktion nur 2021 gestiegen – damals als Teil-Erholung von der Corona-Pandemie.

Der Export hingegen bereitet Sorgen. Im November sanken die Ausfuhren um 2,5 Prozent auf rund 128 Milliarden Euro. Besonders dramatisch: Die Exporte in die USA schrumpften um 4,2 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro – im Vorjahresvergleich sogar um fast ein Viertel. Die Zölle von Präsident Trump hinterlassen deutliche Spuren. „Das unterstreicht einmal mehr, wie sehr dieser einstige Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft ins Stottern geraten ist“, analysierte Marcus Schattenberg von der Deutschen Bank.

Amazon Pharmacy und Novo Nordisk: Der Wegovy-Deal als Gamechanger

Amazon hat begonnen, die orale Wegovy-Pille von Novo Nordisk über seine Pharmacy-Plattform anzubieten – ein Schritt, der den Zugang zu Abnehmpillen in den USA grundlegend verändern könnte. Kunden mit kommerzieller Versicherung zahlen mindestens 25 Dollar für einen Monatsvorrat, ohne Versicherung beginnen die Kosten bei 149 Dollar monatlich. Die FDA hatte die Pillenform von Wegovy, einem GLP-1-Präparat, erst im vergangenen Monat zugelassen.

Die Bedeutung dieses Deals geht weit über eine simple Produkteinführung hinaus. Analysten erwarten, dass orale GLP-1-Medikamente den Zugang zur Behandlung erheblich erweitern, da sie kostengünstiger in der Herstellung sind und Patienten ansprechen, die Injektionen scheuen. Amazon bietet dabei nicht nur Lieferung in alle 50 Bundesstaaten, sondern auch Same-Day-Delivery für fast die Hälfte aller US-Kunden. Die Novo Nordisk-Aktie reagierte im heimischen Handel mit einem Plus von 3,92 Prozent auf 384,90 Dänische Kronen.

Für Amazon ist der Vorstoß Teil einer breiteren Strategie, sich im Gesundheitsmarkt zu etablieren. Mit Amazon One Medical bietet der Konzern bereits klinische Evaluierung und Behandlungsempfehlungen für gewichtsbezogene Gesundheitsprobleme. Kooperationen mit Anbietern wie WeightWatchers, Wheel und 9amHealth sollen den Zugang zu Gewichtsverlust-Behandlungen weiter ausbauen. Die Amazon-Aktie zeigte sich davon unbeeindruckt und verlor 0,76 Prozent auf 244,41 US-Dollar.

Allianz und Anthropic: KI-Revolution im Versicherungswesen

Während Amazon im Pharmabereich expandiert, setzt die Allianz auf künstliche Intelligenz, um das Versicherungsgeschäft zu transformieren. Die globale Partnerschaft mit Anthropic konzentriert sich auf drei Schlüsselbereiche: Mitarbeiter-Empowerment durch KI-Tools, Automatisierung von Schadensprozessen durch agentenbasierte KI und die Sicherstellung von Compliance und Transparenz.

„Mit dieser Partnerschaft unternimmt die Allianz einen entscheidenden Schritt, um zentrale KI-Herausforderungen in der Versicherungswirtschaft anzugehen“, erklärte CEO Oliver Bäte. Anthropics „Claude“-Modelle werden Teil der internen KI-Plattform, die für alle Mitarbeiter kostenlos nutzbar ist. Besonders spannend: Die Partner entwickeln maßgeschneiderte KI-Agenten, die mehrstufige Arbeitsabläufe orchestrieren und arbeitsintensive Prozesse automatisieren können – von der Dokumentenerfassung bis zur Schadenbearbeitung in Bereichen wie Kfz- und Krankenversicherung.

Das Ergebnis sollen weniger manuelle Schritte, schnellere Erstzahlungen und ein besseres Kundenerlebnis sein. Dabei bleibt das „Human-in-the-Loop“-Prinzip gewahrt: In sensiblen oder sehr komplexen Fällen übernehmen Allianz-Mitarbeiter die Bearbeitung. Anthropic-CEO Dario Amodei betonte: „Die Versicherungsbranche stellt besonders hohe Anforderungen an den Einsatz von KI, denn Entscheidungen können Millionen von Menschen betreffen.“

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Bitcoin und Krypto-Märkte: Stabilisierung trotz ETF-Abflüssen

Bitcoin handelt am Freitag bei rund 90.400 Dollar, ein Plus von 0,35 Prozent in den letzten 24 Stunden. Bemerkenswert ist diese Stabilität angesichts massiver Abflüsse aus Bitcoin-Spot-ETF-Produkten in den USA: Am Donnerstag verzeichneten diese Netto-Outflows von 399 Millionen Dollar, nach 486 Millionen am Mittwoch und 243 Millionen am Dienstag. Der Marktführer iShares Bitcoin Trust ETF (IBIT) führte mit Abflüssen von 193 Millionen Dollar, gefolgt von Fidelity Wise Origin Bitcoin Fund (FBTC) mit 121 Millionen.

Noch dramatischer die Situation bei Ethereum: Die Spot-ETF-Produkte verloren am Donnerstag 159 Millionen Dollar, nach 98 Millionen am Vortag. Der iShares Ethereum Trust ETF (ETHA) verzeichnete allein Abflüsse von 108 Millionen. Ethereum selbst verlor 0,76 Prozent und handelt bei 3.091 Dollar – 38 Prozent unter seinem Allzeithoch vom August 2025.

Die Märkte blicken gespannt auf zwei Ereignisse: die US-Arbeitsmarktdaten am Freitagnachmittag und eine mögliche Entscheidung des Supreme Court zur Rechtmäßigkeit von Trumps Strafzöllen. Beide könnten die Erwartungen für weitere Fed-Zinssenkungen deutlich verschieben. Aktuell preisen die Märkte etwa 60 Basispunkte Lockerung für 2026 ein – doch die jüngsten Arbeitsmarktdaten sprechen eher gegen aggressive Zinssenkungen.

Automobilmarkt Deutschland: VW dominiert, Tesla stürzt ab

Der deutsche E-Auto-Markt 2025 war fest in der Hand der heimischen Konzerne. Bei den Neuzulassungen reiner Stromer gehen die Plätze eins bis sechs an Volkswagen und seine Töchter, BMW und Mercedes. Tesla – vor einem Jahr noch Nummer drei – hat dagegen fast die Hälfte seines Absatzes verloren und stürzt auf Rang neun ab.

Klare Nummer eins ist Volkswagen mit 102.339 Stromer-Neuzulassungen, ein Plus von 65 Prozent. Platz zwei geht an BMW mit 51.878 (+23 Prozent), dicht gefolgt von der VW-Tochter Skoda, die ihre Elektro-Neuzulassungen auf 50.823 verdoppelte. Tesla dagegen ist um 48 Prozent auf 19.390 Autos abgestürzt. Die weltweit starke chinesische Marke BYD konnte ihre Zulassungszahlen zwar vervierfachen, allerdings auf niedrigem Niveau: 11.167 Stromer reichen nur für Rang 15.

Die Analysten bleiben beim Autosektor gespalten. Jefferies-Analyst Philippe Houchois erwartet optimistische Prognosen für 2026 von Volkswagen und Stellantis, die Kursziele wurden merklich erhöht. Barclays-Fachmann Henning Cosman bleibt dagegen generell negativ gestimmt: Zölle, Emissionsvorschriften und der chinesische Markt würden auch 2026 im Mittelpunkt der Debatte stehen. BMW und Porsche AG stufte er auf „Underweight“ ab – maßgeblich wegen hoher Bewertungen.

Ausblick: Arbeitsmarktdaten und Zoll-Urteil

Die nächsten Stunden könnten richtungsweisend werden. Der US-Arbeitsmarktbericht für Dezember wird für 14:30 Uhr deutscher Zeit erwartet – Ökonomen rechnen mit 60.000 neuen Stellen und einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent. Zudem könnte der Supreme Court sich zur Rechtmäßigkeit von Trumps Strafzöllen äußern, die hauptsächlich per Dekret eingeführt wurden. Sollten die Richter die Zölle als unrechtmäßig befinden, erwarten Analysten, dass die US-Administration andere Wege suchen wird, um an diesen festzuhalten.

Was bleibt, ist ein Marktumfeld voller Widersprüche: Deutsche Industriedaten überraschen positiv, während Exportzahlen enttäuschen. Amazon und Allianz setzen auf strategische Partnerschaften, die ihre Geschäftsmodelle langfristig verändern könnten. Und Bitcoin stabilisiert sich, obwohl institutionelle Investoren massiv Kapital abziehen. Die kommenden Tage werden zeigen, welche dieser Narrative sich durchsetzen.

Einen erfolgreichen Wochenausklang wünscht Ihnen

Andreas Sommer

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Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

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