T-Mobile US liefert aus Amerika starke Zahlen. Die Cashflow-Prognose steigt, der Gewinn je Aktie übertrifft die Erwartungen. Trotzdem hängt die Telekom-Aktie unter ihrem langfristigen Trend. Zwischen operativer Stärke in den USA und charttechnischer Skepsis am Heimatmarkt entscheidet sich in den kommenden Tagen, welches Bild sich durchsetzt.
Cashflow-Stärke gegen Wachstumsdelle
Die US-Tochter hob am 23. Juli 2026 ihre Prognose für den freien Cashflow auf 18,4 bis 18,8 Milliarden US-Dollar an. Der Gewinn je Aktie lag mit 2,99 US-Dollar über den Erwartungen. Trotzdem reagierte der Markt zunächst zurückhaltend.
Der Grund: Das Umsatzwachstum in den USA fiel schwächer aus als erwartet. Im Postpaid-Segment gewann T-Mobile US nur noch 277.000 Netto-Kunden hinzu. Das nährt Zweifel, ob der US-Markt allmählich an seine Grenzen stößt.
Für die Telekom bedeutet das eine strategische Weichenstellung. Der Fokus verschiebt sich zunehmend von aggressiver Kundenexpansion hin zu Profitabilität und Kapitalrückführung. Ob diese Neuausrichtung die Bewertung langfristig stützen kann, ist die zentrale Frage vor dem Konzernbericht am 6. August 2026.
Bullisches Szenario: Netzausbau und Kapitalrückgabe
Für ein bullisches Szenario spricht der Netzausbau in Deutschland. Im zweiten Quartal 2026 schloss die Telekom 622.000 weitere Haushalte an ihr Glasfasernetz an. Insgesamt erreicht der Konzern damit 13,6 Millionen Haushalte und Unternehmen.
Die geplante Stilllegung des Kupfernetzes soll die Kostenbasis perspektivisch entlasten. Hinzu kommen laufende Aktienrückkäufe: Allein im zweiten Quartal erwarb der Konzern eigene Anteile im Wert von rund 0,5 Milliarden Euro.
Charttechnisch zeigt sich die Aktie mit einem RSI von 58,2 nicht überhitzt. Das lässt Raum nach oben, sollte der August-Bericht die Synergien in den USA und das Glasfaser-Wachstum in Europa bestätigen. Gegenüber US-Peers gilt die Telekom-Aktie ohnehin als unterbewertet. Bei positiven Nachrichten könnte dieses Argument schnell wieder in den Fokus der Anleger rücken.
Bärisches Szenario: Der Schatten der 200-Tage-Linie
Die Bären-These stützt sich vor allem auf die charttechnische Schwäche. Mit 27,59 Euro notiert die Aktie weiterhin unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 28,63 Euro. Der langfristige Abwärtstrend ist damit nicht gebrochen – die 12-Monats-Performance liegt bei minus 12,75 Prozent.
Hinzu kommt regulatorischer und operativer Gegenwind. Marktbeobachter warnen vor einer Monetarisierungslücke beim Glasfaser-Ausbau. Die Investitionen in neue Anschlüsse laufen weiter, doch die Aktivierungsraten bleiben teilweise hinter den Erwartungen zurück.
Sollten die Kapitalkosten den freien Cashflow stärker belasten als erwartet, droht ein Rückfall. Das 52-Wochen-Tief von 23,54 Euro, erst Ende Juni markiert, wäre dann wieder in Reichweite.
Ausblick: Der 6. August als Katalysator
Kurzfristig entscheidet der Geschäftsbericht am 6. August 2026 über die Richtung der Aktie. Hält die Unterstützung am 50-Tage-Durchschnitt bei 27,09 Euro, bleibt die jüngste Erholung intakt.
Für einen nachhaltigen Ausbruch muss das Management überzeugen. Die Wachstumsdelle in den USA soll durch die höhere Cashflow-Prognose und Effizienzgewinne in Europa mehr als ausgeglichen werden.
Gelingt der Sprung über die 200-Tage-Linie bei 28,63 Euro, rückt das Jahresminus von 0,72 Prozent in den Hintergrund. Das 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro würde dann wieder als realistisches Ziel gelten.
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