Ein Rückgang bei den Neukunden. Ein vorsichtiger Ausblick. Das reichte, um die T-Mobile-US-Aktie am Donnerstag um rund sechs Prozent einbrechen zu lassen – und die Deutsche Telekom im Sog mitzuziehen. Am Freitag erholte sich das Papier zwar wieder leicht, das Grundproblem bleibt aber ungelöst.
T-Mobile US enttäuscht trotz Kundenzuwachs
T-Mobile US gewann im zweiten Quartal 277.000 neue Vertragskunden hinzu. Das klingt zunächst solide. Verglichen mit dem Vorjahr sind das aber 13 Prozent weniger Neukunden, auch wenn Analysten mit noch schwächeren Zahlen gerechnet hatten.
Der Ausblick sorgte für den eigentlichen Schock. Für das laufende dritte Quartal erwartet das Management um Chef Srinivasan Gopalan nur noch 250.000 neue Konten. Als Grund nennt das Unternehmen eine geplante Tarifumstellung, die kurzfristig mehr Kunden zur Kündigung treibt.
CFO Peter Osvaldik rechnet mit einer vorübergehenden Erhöhung der Kundenabwanderung durch die Modernisierung der Tarifpläne. Der Effekt auf klassische Postpaid-Mobilfunkverträge dürfte geringer ausfallen. Er konzentriert sich stärker auf Konten mit weniger Anschlüssen.
An der Wall Street reichte das für einen deutlichen Rückschlag. Die T-Mobile-Aktie hatte in den Tagen zuvor zeitweise 20 Prozent gewonnen – der Kurseinbruch am Donnerstag zehrte einen Großteil dieser Erholung wieder auf.
Warum Bonn jede Zahl aus Bellevue genau liest
Für die Deutsche Telekom zählt jede Nachricht aus Bellevue, dem Sitz von T-Mobile US. Der US-Mobilfunker ist die mit Abstand wichtigste Beteiligung des Bonner Konzerns. Die Telekom hält etwas mehr als die Hälfte der Anteile – ein Aktienpaket im Wert von umgerechnet rund 90 Milliarden Euro.
Zum Vergleich: Die gesamte Deutsche Telekom kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 126,42 Milliarden Euro. Die US-Tochter ist damit der wichtigste Werttreiber im Konzern.
Nicht alle Zahlen aus dem zweiten Quartal fielen negativ aus. T-Mobile hob seine Jahresprognose für den bereinigten freien Barmittelfluss leicht an, auf eine Spanne von 18,4 bis 18,8 Milliarden Dollar. Das bereinigte operative Ergebnis stieg um 11,7 Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar und übertraf damit die Markterwartungen.
Trotzdem reagierten Investoren zurückhaltend. Der Neukundenzuwachs fiel schwächer aus als beim Konkurrenten AT&T. Nach der jüngsten Kursschwäche hatten viele Anleger offenbar auf ein klareres positives Signal gehofft.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Die Deutsche Telekom-Aktie schloss am Freitag bei 26,45 Euro, ein Plus von 1,54 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 2,04 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 34,35 Euro, erreicht Ende Februar, trennen das Papier weiterhin rund 23 Prozent.
Die Aktie hatte sich zuvor bereits von einer schwierigen Phase erholt. Nach einem Kursverlust von fast einem Drittel bis unter 24 Euro hatten sich die Anteile im Juli über die 27-Euro-Marke geschoben. Die T-Mobile-Zahlen bremsten diese Erholung nun aus.
In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Tarifumstellung bei T-Mobile US tatsächlich nur ein temporärer Effekt bleibt. Bestätigt sich die Prognose des Managements für das vierte Quartal, dürfte sich die Kundenzahl wieder normalisieren. Bleibt der Rückgang jedoch hartnäckig, drohen weitere Fragen zum Wettbewerbsdruck im US-Mobilfunkmarkt – und damit auch zur wichtigsten Ertragsquelle der Deutschen Telekom.
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