Die deutsche Wirtschaft trotzt den Belastungen durch hohe Rohstoffpreise und Transporthindernisse. Im dritten Quartal 2026 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, während die Inflationsrate im Oktober auf 2,8 Prozent sank. Nach vier Wachstumsquartalen in Folge deutet sich für Europas größte Volkswirtschaft ein stabileres Jahr an. Der Zuwachs stützt sich vor allem auf die Kauflaune der privaten Haushalte, während die Industrie weiter mit Gegenwind kämpft.
Verbraucher tragen die Erholung
Ökonomen hatten für das Sommerquartal überwiegend mit einer Stagnation gerechnet. Vor allem das Rekord-Niedrigwasser hatte die Wirtschaft gebremst, nachdem das Bruttoinlandsprodukt in den ersten beiden Quartalen um 0,4 und 0,3 Prozent zugelegt hatte. Der private Konsum erwies sich jedoch als wesentliche Stütze. Trotz gestiegener Energiekosten gaben die Menschen in den Sommermonaten etwas mehr Geld aus als im Vorquartal.
Parallel dazu schwächten sich andere Bereiche spürbar ab. Die Unternehmensinvestitionen gingen im dritten Quartal zurück. Auch das Exportgeschäft, das im ersten Halbjahr noch dynamisch verlaufen war, verlor merklich an Tempo.
Entlastung spürten die Verbraucher zuletzt an den Zapfsäulen durch einen Tankrabatt. Die Inflationsrate fiel von 3,3 Prozent im September spürbar zurück. Der Preisdruck bei Dienstleistungen ließ nach, Nahrungsmittel verteuerten sich kaum. Haushaltsenergie und Kraftstoffe kosteten im Oktober allerdings immer noch 12,2 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Risiken zum Jahreswechsel
Leichte Entlastung zeigte sich am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Oktober um 40.000 auf 2,955 Millionen Personen. Die Quote verringerte sich leicht auf 6,3 Prozent. Der Rückgang fiel saisonal betrachtet jedoch verhalten aus, im Jahresvergleich liegt die Arbeitslosigkeit weiterhin höher.
Getrieben wird die aktuelle Konjunktur zudem von staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Viele private Haushalte müssen derweil wegen der Teuerung auf Ersparnisse zurückgreifen, und Unternehmen reagieren mit geplanten Preiserhöhungen auf die teure Energie infolge der Spannungen zwischen den USA und dem Iran.
Ökonomen warnen deshalb vor verfrühter Entwarnung. Durch die verzögerte Weitergabe der Energiepreise an die Endkunden dürfte die Teuerungsrate um die Jahreswende wieder über die Marke von 3 Prozent steigen. Für das gesamte Jahr 2026 rechnet die Bundesregierung mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent, nach einem mageren Plus von 0,2 Prozent im Jahr 2025. Ob der Aufschwung über das Jahresende hinaus trägt, hängt vor allem an einer Belebung der schwachen Investitionen.


