Die deutsche Wirtschaft sendet widerstandsfähige Signale. Das Geschäftsklima kletterte im Oktober den sechsten Monat in Serie auf 90,2 Punkte und markiert damit den höchsten Stand seit Mai 2023. Verantwortlich für den Zuwachs sind vor allem optimistischere Zukunftserwartungen der Betriebe, während das laufende Tagesgeschäft unter teurer Energie leidet.
Der Blick nach vorn prägt das Stimmungsbild. Der Teilindex für die Geschäftserwartungen legte auf 91,6 Punkte zu und übertraf damit die Prognosen von Marktbeobachtern. Dagegen rutschte das Barometer für die aktuelle Lage unerwartet auf 88,8 Zähler ab.
Vor allem gestiegene Preise für Gas und Öl dämpfen das operative Geschäft spürbar. Unternehmen stellen sich jedoch offenbar darauf ein, dass sich die Lage auf den Energiemärkten mittelfristig wieder beruhigen dürfte.
Industrie verlässt das Minus
Besonders im verarbeitenden Gewerbe hellt sich das Bild auf. Nach einer langen Durststrecke kehrten sowohl die Lageeinschätzung als auch die Erwartungen der Industriebetriebe erstmals seit mehr als drei Jahren wieder in den positiven Bereich zurück. Gestützt wird diese Entwicklung durch eine verbesserte Auftragslage sowie erste Impulse aus staatlichen Infrastrukturprogrammen. Parallel dazu verzeichnete auch das Baugewerbe spürbare Zuwächse.
Einen Dämpfer mussten dagegen die Dienstleister hinnehmen. Hier zeigten sich die Unternehmen mit ihren aktuellen Geschäften unzufriedener, blicken aber optimistischer auf die kommenden sechs Monate. Der Handel verharrt derweil auf dem Niveau des Vormonats.
Trotz des sechsten Anstiegs in Folge bleibt die konjunkturelle Erholung fragil. Neben den anhaltend hohen Energiekosten belasten internationale Risiken wie Handelszölle und wirtschaftliche Unsicherheiten im wichtigen Partnerland Frankreich die Aussichten. Für die Europäische Zentralbank liefert das Stimmungsplus vorerst keinen Anlass, Erwartungen an baldige Zinserhöhungen zu schüren.


