Die Furcht vor hohen Energiepreisen bremst die Kauflaune der Bundesbürger spürbar aus. Das deutsche Konsumklima bricht für Oktober überraschend auf minus 30,6 Punkte ein. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem leichten Dämpfer auf minus 27,2 Punkte gerechnet.
Nach revidiert minus 26,8 Punkten im Vormonat markiert der Wert nun den tiefsten Stand seit Mai. Dahinter steht die direkte Sorge um das eigene Portemonnaie. Eine Mehrheit der Haushalte stellt sich darauf ein, dass teurere Energie die reale Kaufkraft in den kommenden zwölf Monaten schmälern wird. Entsprechend fielen die Einkommenserwartungen auf das niedrigste Niveau seit April. Auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen ließ nach.
Flucht ins Sparen auf Mehrjahreshoch
Statt zu konsumieren, halten die Menschen ihr Geld zusammen. Die Sparneigung stieg sprunghaft an und erreichte einen Wert, der seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr verzeichnet wurde. Besonders Haushalte mit soliderer finanzieller Ausstattung legen derzeit mehr beiseite. Sie versuchen vor allem, die kaufkraftbedingten Verluste beim Ersparten durch zusätzliche Rücklagen auszugleichen.
Der Preisschub an den Zapfsäulen und bei den Heizkosten kommt nicht von ungefähr. Anfang des Monats kletterten die Ölpreise nach erneuten US-Militärschlägen gegen den Iran spürbar. Teurere Energie in der gesamten Eurozone zählte bereits in den vergangenen Monaten zu den Gründen, warum die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen anhob.
Widersprüchliche Konjunktursignale
Der Stimmungseinbruch der Verbraucher steht in deutlichem Kontrast zur Zuversicht in den Chefetagen. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts stieg zuletzt auf ein Mehrjahreshoch. Zeitgleich kletterten die reinen Konjunkturerwartungen der Bürger den fünften Monat in Folge, gestützt von optimistischeren Wachstumsprognosen führender Forschungsinstitute.
Für den privaten Konsum bleibt das Umfeld jedoch schwierig. Während die Gesamtwirtschaft leichte Erholungstendenzen zeigt, dominiert an der Ladenkasse die Zurückhaltung. Solange die Belastung durch teure Energie anhält, fehlt den privaten Ausgaben die Basis für eine nachhaltige Belebung.


