Die deutsche Wirtschaft findet zurück auf einen moderaten Wachstumspfad, dennoch schrumpft die Beschäftigung im Land. Verantwortlich dafür ist vor allem der demografische Wandel, der durch geringe Nettozuzüge aus dem Ausland verstärkt wird. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rechnet für 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent.
Für 2027 erwarten die Nürnberger Forscher ein Plus von 1,0 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Dennoch sinkt die Zahl der Erwerbstätigen über diesen Zweijahreszeitraum um insgesamt 350.000 Personen. Die konjunkturelle Erholung reicht nicht aus, um den einsetzenden Schwund an Arbeitskräften aufzufangen.
Historische Wende bei Beitragszahlern
Besonders gravierend fällt die Entwicklung bei den regulären Arbeitsplätzen aus. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sinkt 2026 um 70.000 auf 34,89 Millionen Personen.
Damit schrumpft diese Gruppe zum ersten Mal seit der Weltfinanzkrise im Jahr 2009. Der Rückgang trifft ausschließlich Vollzeitstellen, während parallel auch die Zahlen bei Selbstständigen und geringfügig Beschäftigten nachgeben. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verabschieden sich schrittweise in den Ruhestand, ohne dass die jüngeren Generationen diese Lücken schließen können.
Im Folgejahr verringert sich diese Beschäftigtengruppe um weitere 40.000 Stellen. Parallel dazu klettert die Zahl der Arbeitslosen 2026 zunächst um 50.000 Personen. Geänderte Zumutbarkeitsregeln für erziehende Leistungsberechtigte tragen zu diesem statistischen Anstieg bei, während die anziehende Wirtschaftsleistung ein stärkeres Abgleiten verhindert.
Industrie und Dienstleister driften auseinander
Hinter den Gesamtzahlen verbirgt sich eine ausgeprägte Spaltung zwischen den Sektoren. Im Produzierenden Gewerbe stehen spürbare Einschnitte an: Für 2026 wird dort ein Rückgang um 160.000 Stellen prognostiziert.
Strukturelle Umbrüche, die US-Zollpolitik und der Konflikt im Nahen Osten belasten den industriellen Außenhandel. Zwar profitieren Rüstungsbetriebe und deren Zulieferer von höheren Verteidigungsausgaben nach der Lockerung der Schuldenbremse, für die Breite der klassischen Industrie bringt das jedoch wenig Entlastung. Private Investitionen bleiben gedämpft.
Ganz anders entwickelt sich das Bild bei den Dienstleistungen. Der Bereich Erziehung, Gesundheit und öffentliche Verwaltung legt 2026 um 170.000 Stellen zu. Vor allem der weitere Ausbau der Kindertagesbetreuung sowie der steigende Betreuungsbedarf einer alternden Gesellschaft stützen diesen Zuwachs.
Der konjunkturelle Schub durch staatliche Ausgaben und stabile Exporte stabilisiert zwar die Nachfrage der Unternehmen. Er verdeckt jedoch nur mühsam, dass der deutsche Arbeitsmarkt in eine Phase dauerhafter Schrumpfung eintritt.


