Deutz will auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris diesen Sommer ein 800-Kilowatt-Powerpack für schwere Militärfahrzeuge vorstellen — gemeinsam mit einem führenden Getriebehersteller. Das ist ein klarer Schritt in eine Leistungsklasse, die der Motorenhersteller bislang nicht bedient.

Sprung in die Schwerlast-Liga

Bisher reicht das Deutz-Portfolio für militärische Anwendungen bis 600 Kilowatt — geeignet für Rad- und leicht gepanzerte Kettenfahrzeuge. Das neue V8-basierte System zielt auf deutlich schwerere Plattformen: radgetriebene 8×8-Fahrzeuge oder vollwertige Kettenfahrzeuge. Das ist keine Produktpflege, sondern ein echter Leistungssprung.

Das Verteidigungsgeschäft soll langfristig zehn Prozent des angestrebten Gesamtumsatzes von vier Milliarden Euro ausmachen. Bereits heute unterstützt Deutz rund 60 Streitkräfte weltweit, davon 14 aus NATO-Staaten. Für künftige Einsatzszenarien setzt das Unternehmen auch auf Hybrid- und Elektroantriebe — die Übernahmen von Sobek (Drohnenantriebe) und Urban Mobility Systems (batterieelektrische Antriebe) zeigen die Richtung.

Zwei Säulen, ein Umbau

Parallel zur Rüstungsstrategie baut Deutz eine Energiesparte auf. Die Übernahme von Frerk Aggregatebau bringt rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz und öffnet den Einstieg in den Markt für Notstromsysteme in Rechenzentren. Bis 2030 soll die Energy-Division auf 500 Millionen Euro Umsatz wachsen.

Die Berenberg-Privatbank honoriert den Umbaukurs: Analyst Lasse Stueben hob das Kursziel auf 11 Euro an und behielt das „Buy“-Votum. Das operative Geschäft sei robuster gegenüber Konjunkturschwankungen als früher — eine Einschätzung, die durch die Zahlen gestützt wird. Neuaufträge stiegen 2025 um 13,7 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro, der Umsatz legte um 12,7 Prozent zu. Für 2026 peilt das Management 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro Umsatz bei einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0 Prozent an.

Aktie vor zwei Wegmarken

Die Deutz-Aktie notiert aktuell bei 10,08 Euro — seit Jahresbeginn ein Plus von knapp 17 Prozent, auf Sicht von zwölf Monaten sogar rund 52 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch bei 12,46 Euro fehlen noch gut 19 Prozent.

Am 7. Mai legt Deutz erstmals Quartalszahlen unter der neuen Segmentstruktur vor — Defense und Energy tauchen dann erstmals separat in der Berichterstattung auf. Sechs Tage später stimmt die Hauptversammlung über eine Dividende von 0,18 Euro je Aktie ab. Beide Termine werden zeigen, ob die neuen Wachstumssäulen bereits messbare Beiträge liefern oder noch im Aufbau stecken.