Zwei Nachrichten am Donnerstag zeichnen dasselbe Bild: DHL setzt auf Wachstum jenseits der etablierten Märkte, und der Welthandel liefert dafür offenbar mehr Rückenwind als erwartet. Der Konzern kündigt Investitionen in Osteuropa an, parallel dazu veröffentlicht er einen Globalisierungsbericht mit überraschend positiven Zahlen.
Mehr als 400 Millionen Euro für Osteuropa
Bis 2030 will der Konzern mehr als 400 Millionen Euro in Mittel- und Osteuropa investieren. Das Geld soll in leistungsfähigere Logistikstrukturen, bessere internationale Verbindungen und technologiegestützte Lösungen für Lieferketten fließen. Geplant ist unter anderem der Ausbau von Kapazitäten in der Kontraktlogistik und bei Lagerflächen. Hinzu kommen B2B-Transportnetze, digitale Kontrollzentren, Expressdienste und Frachtangebote.
Im Rahmen der Strategie 2030 stuft DHL Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien als besonders aussichtsreich ein. Die Länder wachsen stärker in Europas Produktions- und Vertriebsnetze hinein. Außerdem verlagern Unternehmen Aktivitäten näher an ihre europäischen Absatzmärkte, Stichwort Nearshoring. Express-CEO John Pearson nennt Polen einen der dynamischsten Logistik- und Produktionsstandorte Europas.
KI-Boom überstrahlt Zölle
Rückenwind kommt auch von der Makroseite. Der gemeinsam mit der New York University Stern School of Business erstellte Globalization Tracker sieht den KI-Ausbau als starken Treiber des Welthandels. Der Handel mit Gütern für KI-Infrastruktur, etwa Halbleitern und Datenübertragungstechnik, trug 2025 zu 42 Prozent des Wachstums im Warenhandel bei. Im ersten Quartal 2026 waren es laut WTO- und OECD-Analysen sogar 76 Prozent.
Der weltweite Warenhandel wuchs im ersten Halbjahr 2026 so schnell wie in keinem Halbjahr der vergangenen 15 Jahre, die Covid-Zeit ausgenommen. Die höchsten US-Zölle seit Jahrzehnten bremsten das global kaum. Auch der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus trafen vor allem abhängige Volkswirtschaften wie Saudi-Arabien, dessen Handelswert um 37 Prozent sank.
Für die kommenden Jahre fällt die Prognose besser aus als der Rückblick: Bis 2029 soll der Warenhandel jährlich um durchschnittlich 3,4 Prozent wachsen, nach 2,7 Prozent im vergangenen Jahrzehnt. Den Globalisierungsgrad beziffert der Bericht für 2025 mit 25,8 Prozent, ein Rekordwert.
Expansion auf mehreren Ebenen
Die Osteuropa-Pläne reihen sich in eine ganze Serie von Wachstumsschritten ein. In der Vorwoche übernahm DHL den Salzburger Paketautomaten-Betreiber Myflexbox. Bis 2030 soll das Netz in Deutschland auf rund 25.000 Stationen wachsen, etwa siebenmal so viele wie heute.
Für die Aktie zählt, ob steigende Handelsvolumen und neue Kapazitäten zusammenpassen. Der nächste Prüfstein sind die Quartalszahlen am 5. November.
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