Liebe Traderinnen und Trader,
22,6 Prozent Kurssprung bei Salesforce, 26 Prozent Umsatzwachstum bei CrowdStrike – und keine zehn Handelstage später bröckeln die Chip- und KI-Hardware-Titel, die noch im August die Schlagzeilen dominierten. Am Freitag zeigt sich eine Sektorrotation, die mehr über die Reife der KI-Story verrät als jeder Index-Stand: Software läuft der korrigierenden Halbleiter-Welt davon, deutsche Chemieaktien drehen nach einem historisch schwachen Sommer überraschend auf, und bei den Pharma-Ratings klaffen Kursziel und Empfehlung teils weit auseinander. Wer nur auf den Gesamtmarkt schaut, verpasst die eigentliche Geschichte dieses Tages.
Software gewinnt an Substanz, während Chip-Euphorie bröckelt
Die Zahlen sprechen für sich. Salesforce hatte nach seinen jüngsten Quartalszahlen einen Kurssprung von 22,6 Prozent hingelegt – die FY27-Umsatzprognose von 46,1 bis 46,4 Milliarden Dollar überzeugte den Markt, und die Aktie legt weiter zu. CrowdStrike lieferte im zweiten Quartal 1,47 Milliarden Dollar Umsatz (plus 26 Prozent) und eine annualisierte wiederkehrende Umsatzbasis von 333 Millionen Dollar (plus 51 Prozent) – Wachstumszahlen, die den vorherigen Ausverkauf im Software-Sektor relativieren. Zur Erinnerung, wie tief dieser Ausverkauf war: Der S&P-500-Software-Index hatte zwischen Oktober 2025 und April 2026 rund 33 Prozent verloren.
Auf der anderen Seite steht Marvell Technology: Die Aktie rutscht deutlich ab, während Cantor Fitzgerald seine neutrale Einstufung bei einem Kursziel von 300 Dollar bestätigt – ein Hinweis, dass die Analysten trotz der heftigen Kursreaktion nicht geschlossen pessimistisch sind. Auch PayPal wird nach dem geplatzten Übernahmeversuch deutlich abgestraft. Und in China zeigt der Kurssturz von Unitree Robotics – mittlerweile 44 Prozent unter dem IPO-Hoch, Marktkapitalisierung noch rund 31,8 Milliarden Euro – dass Anleger humanoide Robotik-Bewertungen neu justieren. Für Trader heißt das: Die KI-Story ist nicht vorbei, aber der Markt beginnt sauber zu trennen zwischen software-getriebenem, margenstarkem Wachstum und kapitalintensiver Hardware-Euphorie.
Genau diese Verschiebung im Chip-Sektor steht im Zentrum des Live-Webinars „Die neue NVIDIA“. Experte Jörg Mahnert analysiert dort am 30.08.2026 um 18:00 Uhr, wie der wachsende Wettbewerbsdruck durch chinesische KI-Modelle die etablierten Chip-Riesen unter Zugzwang setzt – und welches Unternehmen seiner Einschätzung nach das Potenzial hat, zur neuen Nvidia zu werden. Sie erfahren, warum gerade Kursrückgänge bei Halbleiter-Titeln wie Marvell für aufmerksame Anleger interessante Einstiegspunkte schaffen können und wie sich die globale Chip-Industrie durch die Rivalität zwischen USA und China neu sortiert. Wer die aktuelle Sektorrotation aus der Chip-Euphorie heraus verstehen und für die eigene Strategie nutzen will, findet hier konkrete Ansatzpunkte. Jetzt zum Webinar „Die neue NVIDIA“ anmelden
Deutschlands Chemiebranche liefert das positivste Signal des Tages
Der Ifo-Geschäftsklimaindex für die Branche sprang von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte, die aktuelle Geschäftslage kletterte von minus 14,6 auf plus 11,6 – der stärkste Sprung seit Langem. BASF, Brenntag und Lanxess reagierten prompt mit Kursgewinnen, Lanxess besonders kräftig. Doch Vorsicht vor zu viel Euphorie: Lanxess notiert trotz des Tagessprungs immer noch rund 40 Prozent unter dem Niveau vor einem Jahr und kämpft sich erst von seinem März-Tief hoch. Die Exporte der Branche legten im ersten Halbjahr nur moderat um 1,4 Prozent auf 71,6 Milliarden Euro zu, und die Energiekosten bleiben ein Bremsklotz – Mineralöl kostete im Juli 47,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Wer hier einsteigt, kauft eine Stimmungsaufhellung, keine bereits bewiesene Ergebniswende.
Passend dazu bestätigte Warburg Research seine Kaufempfehlung für Süss Microtec mit Kursziel 105 Euro und begründet dies mit der starken Halbleiternachfrage im Nvidia-Umfeld – ein Beleg dafür, dass Chip-Zulieferer und Chemiewerte von derselben Industriedynamik profitieren können, auch wenn Chipdesigner wie Marvell gerade unter Druck stehen.
Pharma-Ratings: Wenn Kursziel und Empfehlung sich widersprechen
Bei den Pharma- und Gesundheitswerten zeigt sich ein Bild, das genauere Betrachtung lohnt. Jefferies bestätigt Astrazeneca mit Kaufempfehlung und Kursziel 17.500 Pence, obwohl das Herzmittel Wainua in der CARDIO-TTRansform-Studie den primären Endpunkt verfehlte – die Analysten stützen sich auf die belegte Wirkung in der schwerer erkrankten Patientengruppe. Auch Redcare Pharmacy erhält von Jefferies ein Kaufvotum mit Kursziel 97 Euro, begründet mit dem Management-Umbau nach dem jüngsten Chefwechsel – die Aktie selbst gibt aber spürbar nach, ein Hinweis darauf, dass der Markt der Analystenzuversicht noch nicht folgt.
Am auffälligsten ist der Fall Gerresheimer: MWB Research stuft die Aktie auf Verkaufen, hebt das Kursziel aber gleichzeitig kräftig von 12,50 auf 20 Euro an. Da die Aktie aktuell deutlich darüber notiert, bleibt trotz höherem Ziel Abwärtspotenzial – zumal das bereinigte EBITDA im ersten Quartal auf 66 Millionen Euro fiel, nach 81 Millionen im Vorjahr, bei nur leicht gestiegenem Umsatz von 524 Millionen Euro. Wer die Aktie hält, sollte die Margenentwicklung genauer beobachten als die Kurszielanhebung.
Krypto: Die eigentliche Story steckt in den ETF-Flüssen
Im Kryptomarkt liefert nicht der Bitcoin-Kurs die interessante Geschichte, sondern die Kapitalflüsse in regulierte Produkte. US-Spot-Ethereum-ETFs verzeichneten spürbare Zuflüsse: Allein der BlackRock-Fonds ETHA zog am 24. August rund 90,9 Millionen Dollar an, insgesamt kamen binnen fünf Handelstagen rund 700 Millionen Dollar in Ethereum-ETFs. Das ist Geld institutioneller Anleger, das über regulierte Produkte in den Markt fließt – ein anderes Signal als spekulativer Spot-Handel.
Charttechnisch interessant für die kommenden Sitzungen: Ein Ethereum-Wal hat eine Long-Position im Volumen von knapp 20 Millionen Dollar eröffnet und zielt auf ein Bull-Pennant-Setup. Ein Ausbruch über die Widerstandszone zwischen 2.520 und 2.540 Dollar würde den Weg zu 2.840 Dollar öffnen, während Ether zuletzt knapp darunter konsolidierte.
Personalie mit Signalwirkung: Führungswechsel bei Techem
Ein Blick auf die Personalie des Tages betrifft direkt börsennotierte Anleger: Bei Techem, an dem der Schweizer Investor Partners Group 51 Prozent hält, verlassen Vorstandschef Matthias Hartmann und Finanzchef Carsten Sürig überraschend das Unternehmen, eine Interims-Doppelspitze übernimmt vorerst. Für Partners-Group-Aktionäre ist das keine Nebensache: Die eigene Aktie hat binnen zwölf Monaten rund ein Drittel an Wert verloren und markierte erst im Juni ein neues Jahrestief. Ein ungeplanter Führungswechsel bei einer wichtigen Beteiligung nährt zusätzliche Governance-Fragen – gerade in einer Phase, in der der Kurs erst zaghaft Boden gutmacht.
Marschroute
Die Rotation aus Chip-Euphorie in Software-Substanz dürfte anhalten, solange Marvell & Co. nicht überzeugen – beobachten Sie, ob weitere Halbleiter-Namen dem Muster folgen oder ob sich der Sektor stabilisiert. Die Chemie-Erholung braucht eine Bestätigung über mehrere Wochen, bevor sie mehr als eine technische Gegenbewegung ist; Lanxess bleibt trotz des Kurssprungs ein Beobachtungsfall, kein Kauf-Signal. Und im Kryptomarkt entscheidet sich an der Widerstandszone zwischen 2.520 und 2.540 Dollar, ob die ETF-Zuflüsse der vergangenen Woche in eine spürbare Ethereum-Bewegung münden – ein Level, das Sie über das Wochenende im Blick behalten sollten, während die Charts weiterlaufen, auch wenn die Handelssäle leer sind.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
Lanxess-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Lanxess-Analyse vom 28. August liefert die Antwort:
Die neusten Lanxess-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Lanxess-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Lanxess: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


