Liebe Traderinnen und Trader,

die größte Bankenübernahme Europas seit der Finanzkrise hat am Donnerstag ihre wichtigste Hürde genommen. Die Commerzbank-Aktie reagierte mit einem kurzen Sprung und einem schwachen Schluss. Dieses Muster zog sich durch die ganze Woche: Gute Nachrichten bei Finanzwerten werden verkauft, nicht gekauft.

Commerzbank: Freie Bahn für UniCredit, aber keine Prämie mehr im Kurs

Die EZB hat UniCredit am Donnerstag erlaubt, die Schwelle von 30 Prozent an der Commerzbank ohne Obergrenze zu überschreiten. Über das im Juli abgeschlossene Übernahmeangebot im Volumen von über 45 Milliarden Euro hat sich UniCredit den Weg zu 48 Prozent der Anteile geebnet.

Bis zum Jahresende will UniCredit per Aktientausch von knapp 30 auf fast 50 Prozent der Stimmrechte aufstocken. Die EU-Kommission entscheidet laut Reuters voraussichtlich bis Montag, 16. November. Der Bund hält noch 13,3 Prozent und fordert den Standort Frankfurt sowie Kündigungsschutz für die Vollzeitkräfte.

Für Trader zählt vor allem, was nicht passiert: UniCredit will bewusst knapp unter 50 Prozent bleiben, um kein Pflichtangebot für die polnische mBank auszulösen. Eine Fusion ist auf 2029/2030 verschoben. Damit fehlt der Commerzbank-Aktie die Übernahmeprämie, auf die Spekulanten setzen könnten.

Die Commerzbank stieg am Freitag im Hoch auf 38,40 Euro, schloss aber bei 37,56 Euro und damit 0,7 Prozent im Minus. Seit dem 52-Wochen-Hoch bei 43,34 Euro vom 16. September hat die Commerzbank deutlich korrigiert, allein in den vergangenen 30 Tagen um 8,9 Prozent.

Die Analysten liegen eng beieinander: JPMorgan bestätigte am Freitag „Neutral“ mit Ziel 39 Euro, die Deutsche Bank am Donnerstag „Hold“ mit Ziel 42 Euro. Das Durchschnittsziel von 41,80 Euro liegt nur gut vier Euro über dem Kurs. Stützend wirkt der Rückkauf von bis zu 1,2 Milliarden Euro, der bis zum 10. Februar 2027 läuft.

Die Quartalszahlen am Donnerstag, 5. November, mit erwartet 0,80 Euro Gewinn je Aktie sind der nächste Prüfstein. Bis dahin ist die Commerzbank eine Range zwischen 37 und 39 Euro, kein Übernahme-Play. UniCredit selbst schloss am Freitag bei 75,44 Euro und notiert damit ein gutes Stück unter dem Augusthoch von 86,41 Euro.

US-Banken: Starke Zahlen, fallende Kurse, sechste Verlustwoche

Zur Wochenmitte haben die sechs großen US-Banken geliefert, und der Markt hat alle sechs verkauft. Goldman Sachs übertraf mit berichteten 17,01 Dollar je Aktie die Erwartung von 13,09 Dollar deutlich, getragen von 72 Prozent mehr Aktienhandel. Morgan Stanley meldete Rekordzuflüsse von 232 Milliarden Dollar in der Vermögensverwaltung.

JPMorgan dagegen verfehlte erstmals seit fast drei Jahren Gewinn- und Umsatzerwartungen, mit berichteten 5,75 Dollar je Aktie gegen 5,93 Dollar erwartet. Die Kostenquote stieg auf 54 Prozent. Bank of America verdiente berichtet (GAAP) 0,91 Dollar je Aktie, bereinigt 1,08 Dollar, belastet durch eine Geldwäsche-Strafe von 1,2 Milliarden Dollar.

Das Problem steckt in der Bilanz, nicht in der Gewinnrechnung: Bank of America sitzt per Quartalsende auf 109 Milliarden Dollar unrealisierter Anleiheverluste, nach 85 Milliarden Ende Juni, weil die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen das stärkste Quartal seit 2009 hinter sich haben.

Der Anleihe- und Devisenhandel schrumpfte bei fast allen Häusern, bei Bank of America um 17 Prozent. Der KBW-Bankenindex verbuchte die sechste Verlustwoche in Folge. Bank of America schloss am Freitag mit 1,2 Prozent Minus und liegt auf Sicht von 30 Tagen fast zehn Prozent tiefer.

Morgan Stanley hat im selben Zeitraum neun Prozent verloren. JPMorgan hielt sich mit einem Prozent Plus am Freitag besser und steht seit Jahresbeginn 9,4 Prozent vorn. Wer hier auf einen Rebound setzt, braucht fallende Anleiherenditen als Auslöser, nicht bessere Quartalszahlen.

BYD und die deutschen Autobauer: Europa zieht die Quote, Peking kürzt die Subvention

Die E-Mobilität bekommt neue Spielregeln, und sie treffen BYD von zwei Seiten. Am Freitag vor einer Woche einigten sich China und die EU auf eine Drosselung chinesischer Hybrid-Exporte.

Ab 1. Dezember gilt eine Schutzquote: 350.000 China-Hybride für 2027, danach drei Jahre lang sechs Prozent mehr pro Jahr auf rund 417.000 Fahrzeuge bis 2030. Der Marktanteil chinesischer Hybride in der EU war von 3,5 Prozent im Oktober 2024 auf 25,5 Prozent im August 2026 geschossen.

Zusätzlich senkt China ab 1. April 2027 die Mehrwertsteuer-Rückvergütung für E-Auto-Exporte von 13 auf 9 Prozent. Die Deutsche Bank schätzt den Gewinnverlust für BYD auf rund 5.000 Yuan (etwa 665 Euro) je Exportfahrzeug.

Citi bleibt trotzdem bei „Kaufen“ mit Ziel 142 Hongkong-Dollar (rund 16 Euro) für die H-Aktie. Das Argument: Die Unsicherheit ist jetzt beziffert, und BYD baut seine lokale Fertigung in Europa von 90.000 auf 400.000 Einheiten aus.

Für das dritte Quartal erwartet Citi 12,95 Milliarden Yuan Nettogewinn, rund 1,72 Milliarden Euro. Die hierzulande gehandelte BYD-Aktie schloss am Freitag bei 8,34 Euro und klebt nahe dem Jahrestief von 8,03 Euro vom 30. Juni. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 22 Prozent.

Die Gegenseite dieser Quote sitzt im DAX. Deutschland und Frankreich einigten sich am Freitag zudem auf eine Aufweichung des Verbrenner-Aus bei Einhaltung der Flottengrenzwerte. BMW schloss 2,1 Prozent fester, Mercedes-Benz 2,0 Prozent. Beide hatten am 8. Oktober ihre 52-Wochen-Tiefs bei 52,00 Euro beziehungsweise 38,90 Euro markiert.

Mercedes-Benz bietet laut FactSet mit 7,69 Prozent die höchste Dividendenrendite im DAX. Das Setup: Die Tiefs vom 8. Oktober sind die Stop-Marken, der Rebound läuft, solange sie halten.

Krypto: 80.000 verteidigt, das Geld fließt trotzdem ab

Bitcoin notierte zuletzt bei rund 81.300 Dollar, umgerechnet etwa 72.300 Euro. Am Donnerstag war der Kurs kurz unter 80.000 Dollar gerutscht, bei Liquidationen von fast einer Milliarde Dollar. Analysten warnen bei einem Bruch dieser Marke vor einem Abdriften in den Bereich um 70.000 Dollar. Die Spotvolumina sind dünn, der Angst-und-Gier-Index steht bei 40, das Google-Suchinteresse auf einem Mehrjahrestief.

Die eigentliche Nachricht der Woche kommt von der Wall Street: MSCI führt ab 30. November neue Prüfregeln für Unternehmen mit hohen Nicht-Betriebsvermögen ein, die Ausschlussliste folgt am 11. November. Die Strategy-Aktie, der größte Bitcoin-Halter unter den Konzernen, verlor am Freitag 9,6 Prozent.

Parallel zogen Anleger in der Woche rund 230 Millionen Dollar aus Bitcoin-ETFs und gut 320 Millionen aus Ether-ETFs ab, am Freitag vor allem bei Blackrock. Solana-ETFs melden den zehnten Abflusstag in Folge.

Dagegen steht ein Signal aus Frankfurt: Die Deutsche Bank will noch vor Jahresende Verwahrungsdienste für Bitcoin, Ether und Stablecoins starten, primär für institutionelle Kunden. Solange die ETF-Abflüsse laufen, bleibt die 80.000 ein Test, kein Boden.

DAX über der 100-Tage-Linie, Nasdaq mit der schwächsten Woche seit Juni

Der DAX hat am Freitag die 100-Tage-Linie bei 25.420 Punkten überwunden und die Woche gut zwei Prozent höher beendet. Die Nasdaq verlor zeitgleich 4,5 Prozent, die schwächste Woche seit Ende Juni, mit dem Volatilitätsindex VIX erstmals seit vier Monaten über 22. Zinsseitig half Fed-Chef Kevin Warsh: Nach seiner Rede in Bangkok fiel die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober laut FedWatch von 28 auf 17 Prozent.

Für Dezember liegt sie bei 89 Prozent. Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent, die Erzeugerpreise um 6,3 Prozent. DZ-Bank-Analyst Sören Hettler sieht in der KI-Korrektur eine selektive Neubewertung: Druck auf hoch bewertete, stark fremdfinanzierte Titel, weniger Gefahr für profitable Firmen mit starkem Cashflow.

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Genau diese These muss die kommende Woche bestehen. SAP legt am Mittwoch Zahlen vor, als größter DAX-Wert und nach einem Plus von 6,7 Prozent in 30 Tagen. Die Deutsche Börse berichtet Dienstagabend. Am Dienstag kommen zudem ZEW-Index und deutsche Erzeugerpreise, am Freitag die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland, Eurozone und USA. In den USA folgen Netflix, IBM, Texas Instruments und Intel.

Marschroute

DAX: Über 25.420 ist der Trend intakt, nächste Hürden laut UBS 25.734 (50-Tage-Linie), 25.900 und 26.000; Unterstützungen 25.164 und 24.873. Commerzbank: Range 37 bis 39 Euro bis zu den Zahlen am 5. November, die Ziele von 39 bis 42 Euro deckeln.

BMW und Mercedes-Benz: Long, solange 52,00 beziehungsweise 38,90 Euro halten. BYD: 8,03 Euro ist die Linie, darunter kein Boden in Sicht. Bitcoin: 80.000 Dollar entscheidet, darunter Ziel 70.000. Bank of America: Kein Einstieg ohne Entspannung bei den US-Renditen, Stand 5,09 Prozent zehnjährig.

Das Wochenende liegt noch vor Ihnen: Sammeln Sie bis Montag Kraft, die Berichtssaison nimmt ab Dienstag Fahrt auf.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer