Die Rally der Wenigen

Der DAX fällt wie erwartet zurück, während der Nasdaq 100 ein neues Hoch markiert. Die Rally trägt jedoch nur auf wenige Titel gestützt, was an die Dotcom-Ära erinnert.

Die Rally der Wenigen
Kurz & knapp:
  • DAX schließt bei 24.339 Punkten
  • Nasdaq 100 erreicht neues Allzeithoch
  • Ölpreise belasten Zinssenkungserwartungen
  • Altcoin-Rotation gewinnt an Fahrt

Liebe Leserinnen und Leser,

am Donnerstag schloss ich mit drei Beobachtungen: Der DAX braucht eine Pause, Rheinmetall zeigt die Grenzen hoher Erwartungen, und Rotation ist das bestimmende Muster der Woche. Der Freitag hat alle drei bestätigt — und eine vierte hinzugefügt. Die Rekorde an der Wall Street klingen beeindruckend, doch sie ruhen auf einem Fundament, das schmaler ist als in den letzten Monaten der Dotcom-Ära. Das ist die eigentliche Nachricht dieses Wochenendes: Nicht ob die Kurse steigen, sondern wie wenige Aktien sie tragen.

DAX: Korrektur nach Plan

Der DAX schloss am Freitag bei 24.339 Punkten — ein Minus von 1,32 Prozent. Die am Donnerstag genannte Anlaufmarke von 24.400 Punkten wurde damit punktgenau erreicht. Der MDAX gab 1,20 Prozent ab auf 31.181 Punkte.

Innerhalb des Index setzte sich die Umschichtung fort, die wir seit Wochenmitte beobachten. Infineon profitierte von Analystenlob und legte 3,63 Prozent auf 61,66 Euro zu. BASF gewann 1,45 Prozent. Auf der Gegenseite: Rheinmetall verlor weitere 9,18 Prozent und notierte zuletzt bei 1.218 Euro — trotz bestätigter Jahresprognose, voller Auftragsbücher und der Ankündigung einer Marschflugkörper-Produktion in Unterlüß. Allianz gab 5,04 Prozent nach.

Das Muster ist eindeutig: Kapital fließt nicht aus dem DAX heraus, sondern innerhalb des Index von einem Sektor in den nächsten. Wer das als breite Schwäche liest, liegt falsch. Wer es als Zeichen gleichmäßiger Stärke liest, allerdings auch.

Nasdaq: Rekord mit Verfallsdatum?

Der Nasdaq 100 erreichte am 8. Mai mit 29.235 Punkten ein neues Allzeithoch und notierte am Freitag bei 29.220 Punkten. Auch S&P 500 und Nasdaq Composite schlossen auf Rekordständen. Soweit die Schlagzeile.

Die Zahl dahinter verdient mehr Aufmerksamkeit: Die zehn besten Nasdaq-100-Werte der vergangenen zwölf Monate legten laut BTIG und Bloomberg im Durchschnitt um 784 Prozent zu. Das übertrifft die 622 Prozent, die das gleiche Segment vor dem März-2000-Hoch auswies. Sandisk allein stieg um rund 4.000 Prozent. Unter den Top-Performern finden sich Micron, AMD, Lam Research, Applied Materials und Marvell Technology — durchweg Halbleiter und Speicher.

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Die Quartalszahlen stützen den Trend. AMD meldete für Q1 einen Umsatz von gut 10,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 57 Prozent im Rechenzentrumsgeschäft und stellte für das zweite Quartal 11,2 Milliarden Dollar in Aussicht. Cisco erreichte mit 97,02 Dollar ein Rekordhoch und erhöhte die Quartalsdividende auf 0,42 Dollar je Aktie.

Doch Michael Burry, der Mann, der 2008 gegen den US-Häusermarkt wettete, warnt öffentlich: Die KI-Fixierung des Marktes erinnere ihn an die letzten Monate der Dotcom-Blase. Der Philadelphia Semiconductor Index stieg in dieser Woche um mehr als 10 Prozent, seit Jahresbeginn um rund 65 Prozent. Für sich genommen ist das kein Verkaufsargument. Aber es ist ein Argument für Disziplin bei Positionsgrößen und Absicherungen.

Öl, Zinsen und die Rückkehr der Inflationsfrage

Die Zinsmärkte senden widersprüchliche Signale. Die Federal Funds Rate liegt seit September 2025 unverändert bei 4,25 bis 4,50 Prozent. Die Terminmärkte preisen eine 68-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Senkung um 25 Basispunkte im Juni ein. Goldman Sachs hingegen verschob in dieser Woche die Erwartung für den ersten Zinsschritt auf Dezember 2026 — mit Verweis auf den Nahostkonflikt, steigende Energiekosten und eine Kern-PCE-Inflation, die 2026 nahe 3 Prozent verharren dürfte.

Austan Goolsbee von der Chicago Fed brachte die Lage auf den Punkt: Die Desinflation habe durch den Ölpreisschock an Kraft verloren, Stagflation sei die schwierigste aller Herausforderungen. In Europa betonte EZB-Präsidentin Christine Lagarde die genaue Beobachtung der geopolitischen Spannungen rund um den Iran und deren Wirkung auf die Euroraum-Inflation.

Am Rohstoffmarkt spiegelt sich die Unsicherheit in den Preisen: Brent notierte zuletzt bei 101,93 Dollar, WTI bei 95,42 Dollar. Großbritannien entsandte die „HMS Dragon“ für einen möglichen Einsatz zum Schutz von Handelsschiffen in der Straße von Hormus. Solange die Lage am Golf nicht deeskaliert, bleibt Öl der Faktor, der jede Zinssenkungsfantasie konterkariert.

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Krypto: Bitcoin konsolidiert, Altcoins setzen Signale

Die Altcoin-Rotation, die seit Wochenmitte an Fahrt gewinnt, hat sich am Freitag fortgesetzt. Bitcoin notierte bei 80.137 Dollar — nahezu unverändert. Die ETF-Ströme zeigen ein gespaltenes Bild: Am 7. und 8. Mai flossen 278 beziehungsweise 146 Millionen Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETFs ab. Dem steht eine Serie von sechs Wochen mit Nettozuflüssen von insgesamt 3,4 Milliarden Dollar seit April gegenüber — die längste positive Strecke seit Juli 2025.

Die Dynamik liegt derzeit woanders. Solana handelte am Freitag bei 93,51 Dollar, ein Tagesplus von 6,42 Prozent. Analysten sehen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Test der 160-Dollar-Marke innerhalb von acht Wochen, sofern der Kurs über 89 Dollar hält. Fällt SOL unter 95 Dollar, rückt der Bereich um 85 Dollar in den Fokus.

Chainlink übersprang erstmals seit Januar die 10-Dollar-Marke und erreichte am 8. Mai 10,48 Dollar — ein Wochenplus von 14 Prozent. Seit Anfang April sank das LINK-Angebot auf zentralisierten Börsen um 10,5 Prozent. Weniger verfügbare Token bei steigenden Preisen: Das ist das klassische Muster vor einer Angebotsverknappung.

Berlin sucht nach Antworten

In Deutschland ringt die schwarz-rote Koalition nach dem Bundesrats-Nein zur 1.000-Euro-Entlastungsprämie um Alternativen. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte in Stockholm, man werde in der Koalition darüber diskutieren, „was wir noch tun können“. Der Satz klingt nach Offenheit. Er klingt aber auch nach einem Regierungschef, der noch keinen Plan B hat.

Derweil strich Lufthansa die Verbindung Bremen–Frankfurt zum 1. Juli — Teil einer Netzbereinigung, die der Flughafen Bremen als „sehr bedauerlich“ bezeichnete. Für sich genommen eine Randnotiz. Im Kontext steigender Kerosinpreise und schrumpfender Regionalverbindungen aber ein weiteres Symptom dafür, wie die Energiekosten die deutsche Infrastruktur ausdünnen.

Was die neue Woche bringt

Drei Fragen werden die kommenden fünf Handelstage bestimmen. Erstens: Greift die Rally an der Wall Street auf weitere Sektoren über, oder bleibt sie ein Halbleiter-Phänomen? Die historische Konzentration der Kursgewinne auf wenige Titel ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Vorsicht. Zweitens: Wie reagieren die Ölmärkte auf die nächste Eskalationsstufe am Golf? Jeder Dollar mehr beim Barrel macht eine Fed-Zinssenkung unwahrscheinlicher. Drittens: Setzt sich die Altcoin-Rotation im Kryptomarkt fort, oder kehrt das Kapital zu Bitcoin zurück?

Der DAX steht nach einer Woche mit Rekordnähe und anschließender Korrektur bei 24.339 Punkten. Das ist kein schlechter Ausgangspunkt — vorausgesetzt, die geopolitische Lage liefert keine neuen Schocks. Die 25.000 bleibt das Ziel. Der Weg dorthin führt über Frankfurt, aber der Takt kommt weiterhin aus Washington und Teheran.

Herzlichst, Ihr Andreas Sommer

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Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

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