Dollar behauptet sich, Notenbanken setzen gegensätzliche Signale

Der US-Dollar profitiert von geopolitischen Spannungen, während die neuseeländische Notenbank lockere Politik ankündigt und der IWF Japan zu Zinserhöhungen drängt. Fed-Protokolle werden erwartet.

Dollar behauptet sich, Notenbanken setzen gegensätzliche Signale
Kurz & knapp:
  • Neuseeländischer Dollar fällt nach RBNZ-Signalen
  • IWF fordert Japans Notenbank zu Zinserhöhungen auf
  • Fed-Vertreter dämpfen Erwartungen an baldige Senkungen
  • Geopolitische Entwicklungen beeinflussen Währungsmärkte

Die globalen Devisenmärkte zeigen sich am Mittwoch von ihrer volatilen Seite. Während der US-Dollar von geopolitischen Spannungen profitiert und sich nahe jüngster Höchststände behauptet, sorgen unterschiedliche Zentralbankstrategien für Bewegung bei anderen Währungen. Besonders der neuseeländische Dollar gerät unter Druck, nachdem die Notenbank des Landes deutliche Signale für anhaltend lockere Geldpolitik sendet. Gleichzeitig halten Investoren Ausschau nach den Fed-Protokollen, die noch am Mittwoch veröffentlicht werden.

Neuseeländischer Dollar unter Druck

Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) hat ihren Leitzins bei 2,25 Prozent belassen und damit die Erwartungen der Märkte erfüllt. Doch die begleitenden Aussagen der Währungshüter wiegen schwerer: Die Geldpolitik müsse weiterhin akkommodierend bleiben, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. Das erste Treffen unter der Leitung der neuen Gouverneurin Anna Breman macht deutlich, dass die neuseeländische Wirtschaft noch immer fragil ist.

Der Kiwi-Dollar reagierte prompt und fiel um 0,4 Prozent auf 0,6016 US-Dollar. Die Inflation ist zwar auf 3,1 Prozent im Dezember-Quartal gestiegen und liegt damit leicht über der Zielmarke von 1 bis 3 Prozent, doch die RBNZ zeigt sich zuversichtlich. Getrieben von höheren Lebensmittel- und Energiepreisen dürfte die Teuerung bereits im März-Quartal wieder in den Zielkorridor zurückkehren und sich mittelfristig der 2-Prozent-Marke nähern.

Die Wirtschaftsdaten zeichnen ein gemischtes Bild: Nach einem Wachstum von 1,1 Prozent im September-Quartal nach einer Kontraktion im Juni zeigen sich erste Aufhellungstendenzen in Fertigung, Bau und Einzelhandel. Dennoch warnt die Notenbank vor Datenschwankungen, die das Momentum möglicherweise überzeichnen. Der schwache Immobilienmarkt und zurückhaltende Konsumausgaben der Haushalte bleiben Bremsklötze.

Japan im Spagat zwischen Zinserhöhungen und Fiskalpolitik

Einen ganz anderen Kurs schlägt der Internationale Währungsfonds (IWF) für Japan vor. In seiner am Mittwoch veröffentlichten Empfehlung drängt die Organisation die Bank of Japan nachdrücklich, ihren Zinserhöhungskurs fortzusetzen und die Geldpolitik bis 2027 in Richtung eines neutralen Niveaus zu bewegen. Die Warnung kommt nicht von ungefähr: Premierministerin Sanae Takaichi hatte nach ihrem Erdrutschsieg angekündigt, die 8-prozentige Verbrauchssteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre auszusetzen.

Der IWF warnt eindringlich vor einer weiteren fiskalischen Lockerung. Eine Senkung der Konsumsteuer würde den ohnehin begrenzten Spielraum weiter erodieren und die Kapazität des Landes schmälern, auf zukünftige wirtschaftliche Schocks zu reagieren. Die Verschuldung ist hoch und hartnäckig – ein Viertel der Staatsausgaben wird durch Schulden finanziert, von denen etwa die Hälfte noch immer in den Büchern der Notenbank liegt, ein Erbe jahrelanger massiver Geldschöpfung.

Die Zinsbelastung für Japans Staatshaushalt dürfte sich zwischen 2025 und 2031 verdoppeln, wenn die Schulden zu höheren Renditen umgeschuldet werden. Der Yen handelte am Mittwoch bei 153,23 je Dollar und zeigte sich stabil, nachdem Daten eine Verbesserung der Herstellerstimmung im Februar signalisiert hatten. Die Trump-Administration kündigte zudem drei Projekte im Wert von 36 Milliarden Dollar an, die von Japan finanziert werden – ein erster Schritt der zugesagten 550-Milliarden-Dollar-Investitionen, die Tokyo im Gegenzug für niedrigere US-Zölle zugesagt hat.

Fed-Vertreter dämpfen Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen

Während sich die Märkte auf die Veröffentlichung der Fed-Protokolle vom Januar-Meeting konzentrieren, positionieren sich einzelne Notenbanker zunehmend restriktiv. Fed-Gouverneur Michael Barr machte am Dienstag deutlich, dass die US-Notenbank die Zinsen wahrscheinlich für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau halten wird. „Basierend auf den aktuellen Bedingungen dürfte es angemessen sein, die Zinsen für einige Zeit stabil zu halten“, sagte Barr vor der New York Association for Business Economics.

Er möchte Beweise sehen, dass die Güterpreisinflation nachhaltig zurückgeht, bevor er weitere Zinssenkungen in Betracht zieht – vorausgesetzt, der Arbeitsmarkt bleibt stabil. Die Risiken einer persistenten Inflation über dem 2-Prozent-Ziel bezeichnet Barr als signifikant. Besonders die Zollpolitik von Präsident Trump hat die zuvor rückläufige Inflationsdynamik unterbrochen.

Der Dollar-Index, der die Stärke des Greenback gegenüber einem Währungskorb misst, notierte am Mittwoch kaum verändert bei 97,16 nach einem zweitägigen Anstieg. Der Euro rutschte um 0,06 Prozent auf 1,1846 Dollar ab – die sechste Verlustssitzung in Folge. Die Händler preisen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von rund 63 Prozent für eine Zinssenkung um mindestens 25 Basispunkte beim Juni-Meeting ein – das erste Meeting mit Odds über 50 Prozent.

Geopolitik bewegt die Märkte

Neben der Geldpolitik halten geopolitische Entwicklungen die Märkte in Atem. Der Iran vermeldete Fortschritte bei den Atomgesprächen mit den USA in Genf. Nach einer zweiten Runde indirekter Verhandlungen sei man zu einem Verständnis über die grundlegenden Leitprinzipien gelangt, erklärte Außenminister Abbas Araqchi – auch wenn ein konkretes Abkommen noch nicht unmittelbar bevorstehe. Die Nachricht half, die zuvor erhöhten Risikoprämien an den Märkten etwas abzubauen.

Parallel dazu laufen in Genf die von den USA vermittelten Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland. Trump übt Druck auf Kiew aus, schnell zu einer Vereinbarung zu kommen, um den vierjährigen Konflikt zu beenden. Die Kombination aus Handelspolitik, Zentralbankstrategien und geopolitischen Unwägbarkeiten sorgt für anhaltende Volatilität an den Devisenmärkten.

Mit vielen asiatischen Märkten weiterhin wegen der Neujahrsfeierlichkeiten geschlossen, dürften die Fed-Protokolle und die am Freitag anstehende erste BIP-Schätzung für das vierte Quartal die nächsten wichtigen Impulsgeber für die Währungsmärkte werden. Der australische Dollar verlor 0,1 Prozent auf 0,7076 Dollar, während Bitcoin um 0,7 Prozent auf 67.167 Dollar nachgab.

Über Felix Baarz 1804 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.