Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schrieb ich: Die Richtung des DAX entscheidet sich nicht im Index, sondern in den Einzeltiteln darunter. Am Donnerstag hat der Markt diese These mit Nachdruck bestätigt — und gleichzeitig auf eine neue Ebene gehoben. Was am Mittwoch noch Merck und Jenoptik waren, sind am Donnerstag Siemens, Infineon und Aixtron. Der DAX schloss bei 24.456 Punkten, ein Plus von 1,32 Prozent. Aber die eigentlichen Bewegungen steckten erneut in den Einzelwerten — und sie waren größer, als der Index vermuten lässt.
Cisco liefert den Zünder, der MDAX die Explosion
Der Impuls kam aus San José. Cisco Systems meldete am Mittwochabend Quartalszahlen, die den gesamten Tech-Sektor in Bewegung setzten: ein durch KI-Nachfrage ausgelöster „Networking Supercycle“, eine Anhebung der KI-Auftragsprognose auf 9 Milliarden US-Dollar für das laufende Geschäftsjahr und eine auf 4 Milliarden US-Dollar erhöhte KI-Umsatzprognose. Die Cisco-Aktie sprang um über 14 Prozent. Dieser Impuls traf am Donnerstag auf einen feiertagsbedingt dünnen Frankfurter Handel — und entfaltete dort umso stärkere Wirkung.
Siemens erreichte ein neues Allzeithoch bei 272,65 Euro, ein Plus von bis zu 3,5 Prozent. Die Marktkapitalisierung kletterte auf 201,69 Milliarden Euro. Parallel vermeldete der Konzern den Zukauf der italienischen Mermec Gruppe im Zuggeschäft. Infineon war am Donnerstag der meistgehandelte DAX-Wert mit über 2,2 Millionen umgesetzten Stücken und einem Kursplus von bis zu 5,8 Prozent auf 67,14 Euro.
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Doch wer nur auf den DAX schaut, verpasst die stärksten Bewegungen. Im MDAX setzte sich Aixtron mit einem Sprung von 6,48 Prozent auf 54,90 Euro an die Spitze. Delivery Hero legte 7,5 Prozent zu nach dem Verkauf eines Aktienpakets. Im SDAX stach SMA Solar mit plus 11 Prozent heraus — bemerkenswert, nachdem die Aktie am Mittwoch noch unter Druck stand. Dermapharm kletterte um 9 Prozent auf den höchsten Stand seit August 2022, getrieben von einem neuen Berenberg-Kursziel von 60 Euro.
Wall Street: Rekorde in Serie
An der Wall Street durchbrach der Dow Jones am Donnerstag erstmals die Marke von 50.000 Punkten und schloss bei 50.098,87 — ein Plus von 0,82 Prozent. Der S&P 500 erreichte 7.505 Punkte, der Nasdaq Composite 26.667 Punkte. Beide markierten neue Allzeithochs.
Neben Cisco sorgte Nvidia für Aufsehen. Die Aktie stieg um 4,2 Prozent auf 235,32 US-Dollar, nachdem die US-Regierung den Verkauf von H200-Chips an zehn chinesische Unternehmen genehmigt hatte. Die UBS hob daraufhin das Kursziel von 245 auf 275 US-Dollar an. Die Berichtssaison untermauert die Rallye insgesamt: 83 Prozent der S&P-500-Unternehmen haben die Erwartungen für das erste Quartal übertroffen.
Deutsche Standardwerte: Zykliker fest, BMW mit Dividendenabschlag
Auch abseits der Tech-Titel zeigten sich zyklische Branchen stärker. Volkswagen verbuchte ein Plus von 2,3 Prozent, Daimler Truck stieg um 2,30 Prozent auf 40,91 Euro. BMW fiel optisch um 4,78 Prozent auf 76,84 Euro — der Rückgang war allerdings dem Dividendenabschlag geschuldet und kein echtes Verkaufssignal.
Für Value-orientierte Anleger liefern die aktuellen FactSet-Schätzungen für 2026 interessante Eckdaten: Die Porsche Automobil Holding weist mit 3,31 das niedrigste KGV im DAX auf. Die VW-Vorzüge bieten mit 6,80 Prozent die höchste Dividendenrendite im Leitindex.
5 Prozent bei 30-jährigen US-Bonds — das Gegengewicht zur Aktien-Rallye
Die Kehrseite der Rekordjagd liegt am Anleihemarkt. Das US-Finanzministerium platzierte am Donnerstag 30-jährige Staatsanleihen mit einer Rendite von 5,058 Prozent — erstmals seit 2007 über der 5-Prozent-Schwelle. Die US-Importpreise sprangen im April um 1,9 Prozent, importierte Kraftstuffe verteuerten sich um 16,3 Prozent. Der Hintergrund: die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran und ein Brent-Ölpreis, der sich um 105 US-Dollar pro Barrel festgesetzt hat. Beim Gipfeltreffen in Peking einigten sich Trump und Xi zwar darauf, den Seeweg offenzuhalten — am Preis hat das bislang nichts geändert.
Für Aktienanleger ist das die entscheidende Frage der kommenden Wochen: Wie lange können starke Unternehmensgewinne die steigenden Kapitalkosten kompensieren?
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Bitcoin konsolidiert, ETF-Abflüsse beschleunigen sich
Am Kryptomarkt hat sich die Lage gegenüber dem Mittwoch verschärft. Bitcoin notiert zuletzt bei rund 79.833 US-Dollar — knapp unter der 80.000er-Marke, die am Mittwoch noch gehalten hatte. Schwerer wiegt der Kapitalabzug: 635 Millionen US-Dollar flossen am Donnerstag aus den Spot-Bitcoin-ETFs ab, der größte Tagesabfluss seit Ende Januar. Am Mittwoch waren es bereits 233 Millionen. Das ist kein einzelner Ausreißer mehr, sondern ein Muster.
Technisch balanciert Bitcoin auf der 20-Tage-Linie. Wer am Mittwoch die 82.000-Dollar-Zone als Scheidelinie im Blick hatte, sieht nun, dass die Bären das Momentum behalten. Auf der Altcoin-Seite erweitert Glassnode in seinem neuesten Vektor-Bericht die Forschung auf Ethereum und den DeFi-Sektor. Bei Litecoin sehen institutionelle Trader beim aktuellen Kurs von 57,11 US-Dollar ein technisches Ziel von 70 bis 73 US-Dollar in den kommenden Monaten.
Was jetzt zählt
Drei Dinge gleichzeitig: Der Dow über 50.000, 30-jährige US-Anleihen über 5 Prozent, Bitcoin unter 80.000. Diese Konstellation ist selten — und sie zwingt zu einer klaren Positionierung. Am Aktienmarkt bleibt die Berichtssaison der Treiber, und die Ausbrüche im MDAX und SDAX verdienen besondere Aufmerksamkeit. Aixtron, SMA Solar, Dermapharm — das sind keine Zufallsbewegungen, sondern Aufholeffekte nach monatelanger Konsolidierung. Bei Bitcoin ist Vorsicht geboten: Solange die ETF-Abflüsse anhalten und der 200-Tage-EMA bei 82.000 Dollar als Deckel wirkt, fehlt das Fundament für eine Erholung. Der Markt differenziert weiter — und belohnt die, die genau hinsehen.
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


