Zwei neue Partnerschaften, ein prall gefülltes Auftragsbuch, starkes Umsatzwachstum — und trotzdem fällt die Aktie. Bei DroneShield klafft derzeit eine ungewöhnlich große Lücke zwischen operativer Stärke und Börsenbewertung. Der Grund dafür sitzt nicht im Geschäft, sondern in der Chefetage.
Eurosatory: Zwei neue Partnerschaften in Paris
Auf der Eurosatory 2026 in Paris hat DroneShield am 16. Juni eine strategische Kooperation mit dem niederländischen Unternehmen Defenture unterzeichnet. Das Ziel: mobile Drohnenabwehr auf Rädern. DroneShields Erkennungs- und Störsysteme sollen in Defentures Fahrzeugplattformen wie dem Mammoth und dem GRF integriert werden. Beide Seiten planen gemeinsame Vertriebsaktivitäten und Interoperabilitätstests.
Parallel dazu demonstrierte DroneShield mit dem US-Konzern Parsons Corporation ein offenes Systemkonzept. DroneShields Sensoren liefen dabei innerhalb von Parsons‘ DroneArmor-Kommandoumgebung. Die Botschaft an Beschaffungsverantwortliche: Kein Vendor-Lock-in, freie Komponentenwahl.
Auftragsbuch auf Rekordniveau
Das Auftragsbuch umfasst 312 Projekte im Gesamtwert von 2,2 Milliarden australischen Dollar. Allein 15 Einzelaufträge übersteigen jeweils 30 Millionen Dollar. Ein einzelner Deal im Volumen von 730 Millionen Dollar soll noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 entschieden werden.
Europa führt die Pipeline mit 66 Projekten und einem Wert von 1,3 Milliarden Dollar. Hinzu kommen 127 US-Projekte sowie 28 Projekte in Asien. Im ersten Quartal 2026 erzielte DroneShield einen Umsatz von 74 Millionen Dollar — ein Plus von 121 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2026 stehen bereits 171 Millionen Dollar an gesichertem Umsatz in den Büchern.
ASIC-Ermittlung überschattet alles
Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren. Seit November 2025 ermittelt die australische Finanzaufsicht ASIC gegen DroneShield. Im Kern geht es um Insiderhandel: Ex-CEO Oleg Vornik, Aufsichtsratschef Peter James und Direktor Jethro Marks verkauften ihre gesamten Anteile für zusammen 66,8 Millionen Dollar. Zeitgleich zog das Unternehmen eine fehlerhafte Vertragsankündigung zurück.
DroneShield kooperiert nach eigenen Angaben vollständig mit der Behörde. Ein Ergebnis steht jedoch aus. Auf der Hauptversammlung stimmten mehr als 50 Prozent der Aktionäre gegen den Vergütungsbericht — ein sogenannter „First Strike“ nach australischem Recht. Wiederholt sich das, droht eine Neuwahl des Vorstands. Als Reaktion kündigte das Unternehmen eine Mindesthaltefrist für Aktien aller Direktoren und Führungskräfte an.
Die Aktie notiert bei 1,63 Euro — mehr als 55 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,65 Euro. Mit einem RSI von 33,5 nähert sich der Kurs überverkauftem Terrain. Solange ASIC keine Klarheit schafft, dürfte jede positive Betriebsmeldung nur begrenzte Wirkung entfalten. Die Halbjahreszahlen am 26. August werden zeigen, ob das operative Momentum allein ausreicht, um das Vertrauen zurückzugewinnen.
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