Liebe Leserinnen und Leser,

48-faches Handelsvolumen. So viel Umsatz verzeichnete die DWS-Aktie am Dienstag im Vergleich zu einem normalen Handelstag — laut wallstreetONLINE. Während der südkoreanische Kospi um zehn Prozent einbrach, der Handel in Seoul zeitweise ausgesetzt wurde und europäische Halbleiterwerte bis zu elf Prozent verloren, legte ein Frankfurter Vermögensverwalter um rund sechs Prozent zu. Das ist kein Zufall. Das ist ein Signal, das sich lohnt, auseinanderzunehmen.

DWS: Relative Stärke mit institutionellem Rückenwind

Exane BNP Paribas stufte DWS am Dienstag neu mit „Outperform“ ein, Kursziel 74 Euro. Dass ein solches Upgrade an einem Tag fällt, an dem Anleger breit Risiko abbauen, macht es aussagekräftiger als in ruhigen Phasen. Das 48-fache des normalen Handelsvolumens deutet auf institutionelle Käufer, nicht auf Retail-Zufall. Wer eine Position sucht, die nicht am Halbleiter-Zyklus hängt, hat hier eine klare Orientierungsmarke. Ob die 74 Euro erreicht werden, ist offen — aber die relative Stärke am Dienstag war eindeutig.

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RWE und Amprion: 3,6 Milliarden für regulierten Cashflow

RWE erwirbt 55 Prozent am Übertragungsnetzbetreiber Amprion für 3,6 Milliarden Euro. Finanziert wird das über eine Kapitalerhöhung von brutto vier Milliarden Euro — 74,4 Millionen neue Aktien zu je 54 Euro. Das Netzgeschäft wird damit zum dritten strategischen Standbein neben Erneuerbaren und Energiehandel. RWE beziffert den angestrebten Ergebnisbeitrag von Amprion bis 2031 auf 930 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie soll ab dem ersten Tag steigen. Die Dividende für 2026 bleibt bei 1,32 Euro mit jährlicher Steigerung von zehn Prozent.

Die Analystenreaktionen sind gespalten: RBC positiv, Jefferies überrascht von der Verwässerung, UBS neutral, Bernstein kritisch gegenüber dem gezahlten Aufschlag. Die Aktie drehte im Tagesverlauf ins Plus auf rund 55,62 Euro. Closing erwartet bis Ende September. Kurzfristig verwässert die Kapitalerhöhung. Langfristig kauft sich RWE einen regulierten Cashflow-Strom in Deutschlands Netzausbau ein — das ist ein anderes Risikoprofil als Wind und Solar.

Chipsektor: Micron-Zahlen am Mittwochabend als Richtungsentscheid

Infineon verlor am Dienstag rund sechs Prozent von seinem 26-Jahreshoch. Suss Microtec, Aixtron und PVA Tepla gaben bis zu elf Prozent nach. Der Auslöser kam aus Seoul: SK Hynix und Samsung verloren zweistellig, der Kospi brach so stark ein, dass der Handel ausgesetzt wurde. Micron selbst fiel im US-Handel um zehn bis elf Prozent — der Markt preist schwache Speicherchip-Nachfrage ein, bevor die Zahlen vorliegen.

Die Quartalsergebnisse kommen am Mittwochabend US-Zeit, also Donnerstagmorgen MEZ. Bestätigen sie schwache Nachfrage, dürfte der Druck auf europäische Halbleiterwerte anhalten. Überraschen sie positiv, war der Dienstag eine Einstiegsgelegenheit. Die technische Marke für den DAX liegt bei 24.038 Punkten — darunter kippt das konstruktive Szenario. Wer in Halbleidern investiert ist, sollte diese Zahlen abwarten.

Uran: Eigener Nachfragezyklus, unabhängig vom Nasdaq

Abseits des Tech-Ausverkaufs zeigen Uranproduzenten relative Stärke. Cameco legte im vergangenen Jahr 46 Prozent zu, das Ergebnis je Aktie stieg zuletzt um 87,5 Prozent im Jahresvergleich, der Dreijahresdurchschnitt liegt bei 61,8 Prozent CAGR. Der Treiber: Kanada kündigte in dieser Woche Pläne für bis zu zehn neue Großreaktoren in 15 Jahren an, Gesamtkosten über 100 Milliarden US-Dollar, bei gleichzeitigem Ausbau der Uranproduktion. Kanada stellte 2024 rund 24 Prozent des weltweiten Urans her.

Das ist kein kurzfristiger Momentum-Trade. Wer in einem Umfeld steigender Zinsen und fallender Tech-Bewertungen nach Sektoren mit eigenem Nachfragezyklus sucht, findet in Uran einen Bereich, der von Energiesicherheitsdebatten und geopolitischen Verschiebungen profitiert — unabhängig davon, wohin der Nasdaq morgen läuft.

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Quintessenz: Zwei Datenpunkte in 48 Stunden

Die nächsten zwei Tage bringen die Weichenstellungen der Woche: Micron-Zahlen am Mittwochabend und der PCE-Inflationsbericht am Donnerstag in den USA. Fed-Gouverneur Kevin Warsh hat Zinssenkungen vom Tisch genommen, die Märkte preisen eine Zinserhöhung bis Dezember mit rund 88-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein. Wer jetzt handelt, handelt vor diesen Datenpunkten. Die nüchterne Variante: Micron abwarten, PCE lesen, dann entscheiden. Die DWS-Stärke und die Uran-Dynamik zeigen derweil, dass es auch abseits des Halbleiter-Zyklus konkrete Setups gibt — man muss nur bereit sein, dorthin zu schauen.

Herzlichst, Ihr Andreas Sommer