Bei easyJet beginnt die heiße Phase. Bis zum 5. Juli um 17:00 Uhr muss der Finanzinvestor Castlelake ein verbindliches Angebot vorlegen oder sich offiziell zurückziehen. Der Bieterstreit treibt den Kurs seit Wochen an, nun nähert sich die Entscheidung.

Investoren pokern um Milliarden

Castlelake hat sein Angebot bereits viermal nachgebessert. Die letzte Offerte lag bei 650 Pence je Aktie, was einem Volumen von 4,9 Milliarden Pfund entspricht. Zwar lehnte das Management diesen Preis ab, öffnete dem Investor aber die Bücher für eine detaillierte Prüfung. Einige Aktionäre fordern für einen Verkauf mindestens 700 Pence.

Analysten mahnen zur Vorsicht

Große Banken reagieren auf die Rally mit Zurückhaltung. Citi, RBC Capital Markets und UBS haben ihre Einstufung auf „Neutral“ gesenkt. Seit dem ersten Übernahmeinteresse im Mai kletterte die Aktie um etwa 75 Prozent. Mit einem Kurs von 6,43 Euro notiert das Papier derzeit rund 30 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Die Skepsis rührt vor allem von der steilen Kursentwicklung her. Viele Experten sehen das Aufwärtspotenzial durch die bisherigen Gebote bereits weitgehend eingepreist. Ohne eine weitere Erhöhung drohen Gewinnmitnahmen.

Das Risiko-Rendite-Profil wirkt laut Analysten derzeit ausgereizt. Ein Scheitern der Gespräche könnte laut RBC einen Kursrückgang von 20 Prozent auslösen. Ein Gebot von 700 Pence würde hingegen ein weiteres Plus von 22 Prozent bedeuten.

Operative Belastung im Sommer

Barclays taxiert den inneren Wert des Unternehmens sogar deutlich über den aktuellen Geboten. Technisch gesehen ist die Aktie jedoch heiß gelaufen. Ein geplanter Streik in Italien am 5. Juli könnte den Flugplan am Entscheidungstag massiv stören.

Operativ steht easyJet dennoch stabil da. Das Unternehmen meldete zuletzt eine starke Auslastung von 90 Prozent und verfügt über eine Liquidität von 4,7 Milliarden Pfund. Ein RSI-Wert von 73,5 mahnt Anleger parallel dazu zur Vorsicht, da der Titel als überkauft gilt.

Die Frist der britischen Übernahmebehörde läuft am Sonntag ab. Marktteilnehmer erwarten bis dahin ein fünftes, finales Gebot von Castlelake. Erreicht die neue Offerte die Marke von 700 Pence, könnte der Deal in greifbare Nähe rücken.