Das tansanische Graphitprojekt Epanko könnte in der ersten Ausbaustufe deutlich mehr Material liefern als bislang kalkuliert. EcoGraf meldete gestern die Ergebnisse einer technischen Value-Engineering-Prüfung, wonach die jährliche Nennkapazität von Phase 1 um 20 Prozent auf 87.600 Tonnen gesteigert werden kann. Bislang bildete die im Februar aktualisierte bankfähige Machbarkeitsstudie (BFS) mit 73.000 Jahrestonnen die planerische Richtschnur.
An der Börse sorgten die Neuigkeiten für Zuspruch. Die Aktie von EcoGraf schloss gestern bei 0,1730 Euro, was einem Tagesgewinn von 4,0 Prozent entspricht. Seit Jahresanfang verzeichnet der Titel jedoch ein Minus von 21 Prozent.
Niedrigere Förderkosten bei überschaubarem Mehraufwand
Die mögliche Produktionserweiterung erfordert nach Unternehmensangaben vorläufige Zusatzinvestitionen von rund 12,0 Millionen US-Dollar. Davon entfallen etwa 5,5 Millionen US-Dollar auf die Verarbeitungsanlage und 6,5 Millionen US-Dollar auf die Abraum- und Rückstandsanlage.
Diese Summe liege vollständig innerhalb des in der Machbarkeitsstudie vorgesehenen Kostenpuffers von 22 Millionen US-Dollar, sodass das veranschlagte Anfangskapital formal nicht angehoben werden muss.
Gleichzeitig stellen die Ingenieure spürbare Kostenvorteile im laufenden Betrieb in Aussicht. Die C1-Kosten frei an Bord Daressalam könnten in den ersten zehn Verarbeitungsjahren um 5,8 Prozent auf 512,3 US-Dollar je Tonne Konzentrat sinken.
Über die gesamte Minenlaufzeit wird ein Rückgang um 6,8 Prozent auf 515,9 US-Dollar je Tonne projiziert. Bei den Gesamtkosten (AISC) ergäbe sich über die Minenlaufzeit ein potenzieller Rückgang um 5,5 Prozent auf 615,4 US-Dollar je Tonne.
Der höhere Durchsatz hat zugleich Auswirkungen auf die zeitliche Dimension des Abbaus. Da die ausgewiesene Erzreserve unverändert bei 16,7 Millionen Tonnen mit einem Kohlenstoffgehalt von 8,2 Prozent liegt, verkürzt sich die rechnerische Minenlaufzeit von 22 auf 20 Jahre.
Entscheidung über Ausbau erst nach Finanzierung
Trotz der ermittelten Effizienzgewinne bleibt die Machbarkeitsstudie mit 73.000 Tonnen unverändert das Fundament für die anstehende Projektentwicklung und Fremdfinanzierung.
Eine verbindliche Entscheidung über die tatsächliche Realisierung des 20-Prozent-Ausbaus soll erst nach der endgültigen Investitionsentscheidung (FID) fallen. Aktualisierte Kennzahlen zum Kapitalwert (NPV) oder zum internen Zinsfuß (IRR) für das erweiterte Szenario hat EcoGraf bislang nicht quantifiziert.
Die Bewertung profitiert unterdessen von institutioneller Unterstützung. Die Europäische Investitionsbank stellt für technische, umweltbezogene und marktbezogene Studien Zuschüsse von bis zu 2 Millionen Euro bereit.
Strategisch zielt das Unternehmen auf die Weiterverarbeitung ab: Das vergrößerte Rohstoffvolumen könnte perspektivisch eine Anlage für flusssäurefreies Anodenmaterial mit einer Kapazität von 25.000 Jahrestonnen versorgen. Ein Teil der künftigen Produktion ist bereits vorgezeichnet, da eine Vereinbarung mit Mitsubishi Chemical die Abnahme von bis zu 10.000 Tonnen gereinigtem Kugelgraphit umfasst.
Deutlich verringerter Jahresverlust
Flankiert wurden die Projektdetails von den aktuellen Finanzzahlen für das zum 30. Juni beendete Geschäftsjahr 2026. EcoGraf verzeichnete dabei einen Rückgang der Erlöse von 3,72 Millionen auf 3,09 Millionen Australische Dollar.
Auf der Ergebnisseite gelang dem Minenentwickler jedoch eine spürbare Entlastung. Der Nettoverlust verringerte sich im Zwölfmonatszeitraum auf 2,19 Millionen Australische Dollar, nachdem im Vorjahr noch ein Fehlbetrag von 5,01 Millionen Australische Dollar angefallen war. Der unverwässerte Verlust je Aktie halbierte sich entsprechend von 0,011 auf 0,0048 Australische Dollar.
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