EHang Holdings hat die Finanzmärkte in der vergangenen Woche mit einem Rückzug seiner Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 überrascht. Während das Unternehmen operativ durch einen Erstflug in Hongkong Fortschritte verzeichnet, belasten regulatorische Unsicherheiten in China die kurzfristigen Aussichten des Spezialisten für autonome Flugtaxis.

Rückzug der Prognose belastet Stimmung

Das Unternehmen zog am 25. August sein bisheriges Umsatzziel von 600 Millionen RMB für das Geschäftsjahr 2026 zurück. Das Management begründete diesen Schritt mit Unklarheiten bezüglich der Genehmigungen für zusätzliche kommerzielle Passagierdienste in China.

In den Berichten zum zweiten Quartal 2026 wies EHang einen Umsatz von 77,9 Millionen RMB aus. Dies entspricht zwar einer Steigerung von 203,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal, stellt jedoch einen Rückgang von 31,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dar.

Im abgelaufenen Quartal lieferte das Unternehmen insgesamt 36 seiner eVTOL-Fluggeräte (Electric Vertical Take-off and Landing) aus. Die Aktie reagierte volatil auf die Nachrichten und notiert heute bei 3,93 Euro, was einem Plus von 2,1 Prozent entspricht. Damit liegt das Papier nur knapp 3,0 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 3,82 Euro.

Öffentliche Testflüge in Hongkong gestartet

Trotz der finanziellen Unsicherheiten gelang EHang am Freitag ein operativer Erfolg. Das Unternehmen absolvierte den ersten öffentlichen Flug seines Modells EH216-S in Hongkong. Das pilotenlose Fluggerät startete am Cyberport im Rahmen eines Pilotprojekts zur Regulierung der sogenannten Low-Altitude Economy.

Medienberichten zufolge waren bis zum gestrigen Sonntag mehrere Flugtermine angesetzt, um die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Systems unter realen Bedingungen zu validieren.

Diese Testreihe ist Teil eines Sandbox-Projekts der Stadtverwaltung, das die Integration von Flugtaxis in den urbanen Raum vorbereiten soll. Für EHang ist die Präsenz in Hongkong ein wichtiger Schritt, um die Marktbasis außerhalb des chinesischen Festlands zu erweitern und die Akzeptanz für autonomes Fliegen in dicht besiedelten Gebieten zu fördern.

Neuer Wirtschaftsprüfer und regulatorisches Umfeld

Bereits vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen vermeldete das Unternehmen eine Veränderung bei der Überwachung seiner Finanzen. Mit Wirkung zum 19. August entließ EHang die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Zhong Tian LLP und ernannte KPMG Huazhen LLP zum neuen unabhängigen Abschlussprüfer. KPMG wird die Jahresabschlüsse für das Fiskaljahr 2026 sowie die Wirksamkeit der internen Kontrollen prüfen.

Das regulatorische Umfeld bleibt unterdessen herausfordernd. Das Management verwies auf Verzögerungen bei Zulassungen in Hefei, die den Rückzug der Prognose mitbeeinflussten. Diese stünden im Zusammenhang mit einem Flugunfall im Juni, an dem jedoch kein Gerät von EHang beteiligt war.

Solche branchenweiten Ereignisse beeinflussen laut Unternehmensangaben dennoch die Geschwindigkeit, mit der Behörden neue kommerzielle Lizenzen für den Passagierbetrieb erteilen.