Liebe Traderinnen und Trader,
76 Prozent operative Marge – und trotzdem prügelt der Markt die Aktie zweistellig ins Minus. SK Hynix hat gerade vorgeführt, wie wenig ein Rekordquartal noch wert ist, wenn die Erwartungen höher liegen. Die Schockwelle hat längst den Atlantik überquert und ist in Frankfurt angekommen – auch wenn der DAX das geschickt kaschiert. Wer heute nur auf den Indexstand geschaut hat, hat die eigentliche Geschichte des Tages verpasst.
Der Rekord, der zum Verkaufssignal wurde
SK Hynix meldete für das zweite Quartal 2026 einen operativen Gewinn von 60,54 Billionen Won, umgerechnet rund 41,9 Milliarden Dollar – ein Plus von 557 Prozent zum Vorjahr, bei einer operativen Marge von 76 Prozent. Auf dem Papier eine Zahl, die jeden Analysten jubeln lassen sollte. Der Markt sah es anders: Erwartet wurden rund 64 Billionen Won, das tatsächliche Ergebnis lag damit 5 bis 6 Prozent darunter. Die Reaktion war unmittelbar und heftig – die Aktie brach intraday zeitweise um mehr als 17 Prozent ein, am Ende blieb ein Tagesverlust von 9 bis 10 Prozent. Der Kospi gab in dieser Sitzung weitere sechs Prozent nach, nachdem der Index bereits am Vortag um mehr als 10 Prozent eingebrochen war. Samsung verlor über fünf Prozent.
Noch vor einem Tag ließ sich der Kospi-Rutsch als überzogene Korrektur einer heißgelaufenen ADR-Prämie lesen, mit intakter Nachfragestory im Hintergrund. Die Quartalszahlen von SK Hynix zwingen jetzt zur Nachjustierung dieser These. Bei 76 Prozent Marge fragt der Markt nicht mehr, wie stark das Wachstum ist, sondern wie lange der Höhepunkt hält. Langfristige HBM-Lieferverträge deckeln die Möglichkeit, von steigenden Spotpreisen zu profitieren, und mit Samsung, Micron und dem chinesischen Speicherhersteller CXMT, dessen Börsengang bevorsteht, wächst die Konkurrenz. SK Hynix hält trotzdem am Investitionsplan von rund 40 Billionen Won fest und liefert bereits die nächste HBM-Generation aus – die Investoren wetten inzwischen dennoch gegen die Margenspitze.
Trotz aller Kursturbulenzen bleibt die zugrunde liegende Nachfrage nach Rechenkapazität und Speicherlösungen intakt – die Frage ist nur, welche Unternehmen am Ende des Zyklus als Gewinner dastehen. Ein kostenloser Report analysiert die Top 10 Big-Data-Aktien, die von der KI-Welle profitieren könnten. Kostenlosen KI-Report jetzt sichern
Ansteckung: Wenn der Sektor eine Billion Dollar verliert
Der Ausverkauf blieb nicht in Seoul. Zwischen dem 24. und 29. Juli hat der globale Chipsektor nach Marktschätzungen über eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt. In den USA verlor Micron rund 8,9 Prozent, SanDisk über 14 Prozent, AMD mehr als acht Prozent, selbst Intel gab nach.
Auch Europa blieb nicht verschont. Infineon schloss auf Xetra bei 54,44 Euro, ein Tagesminus von 5,81 Prozent – auf Sicht von 30 Handelstagen steht damit ein Rückgang von 31,44 Prozent zu Buche. ASML gab um 2,76 Prozent auf 1.352 Euro nach, notiert damit aber immer noch mit einem Plus von 117 Prozent im Zwölf-Monats-Vergleich. Der Unterschied ist bezeichnend: ASML hat genug Polster aus dem vergangenen Jahr, um einen schlechten Tag wegzustecken. Infineon nicht.
Für Anleger im Chip-Bereich heißt das: Die KI-Nachfragestory ist intakt, aber gehandelt wird zunehmend der Zyklus, nicht mehr die Wachstumsfantasie. Wer Infineon oder ASML im Depot hat, sollte sich auf höhere Schwankungen einstellen – Rekordzahlen sind kein Schutzschild mehr, sie werden gnadenlos an den Erwartungen gemessen, nicht am Vorjahr.
Frankfurt trotzt – dank starker Bilanzen
Während die Chipwerte bluteten, hielt sich der DAX bemerkenswert stabil und schloss praktisch unverändert bei 25.446 Punkten. Der Grund liegt in einer robusten Berichtssaison, die selbst über die aufflammende Nahost-Eskalation und den steigenden Ölpreis hinweghalf. Die Deutsche Bank meldete einen Rekordgewinn und schloss bei 31,25 Euro. BASF überzeugte mit einem Aktienrückkauf und legte gut vier Prozent auf 50,88 Euro zu. Siemens Healthineers gewann 4,24 Prozent auf 37,40 Euro.
Spannender waren die Ausschläge abseits der Schwergewichte: Kering sprang um sieben Prozent auf 291,20 Euro – ein Lebenszeichen aus dem gebeutelten Luxussektor. Bei den Nebenwerten legte Shelly Group um elf Prozent zu, nachdem Übernahmeinteresse von Schneider Electric bekannt wurde. Auf der Verliererseite standen Auto1 (–8,8 Prozent nach irritierender Prognose) und Medios (–10 Prozent). Die DWS gab nach ihrem 52-Wochen-Hoch vom Vortag knapp vier Prozent auf 69,15 Euro nach. Die Botschaft: Wer heute in Frankfurt investiert ist, kauft nicht den Index, sondern einzelne Geschichten – und die laufen aktuell weit auseinander.
DroneShield und Sivers: Wenn der Chart der Story nicht glaubt
Ein Setup für aufmerksame Trader: DroneShield liefert operativ ab. Der Umsatz im zweiten Quartal stieg um 74 Prozent auf 125,8 Millionen australische Dollar, die Jahresprognose steht bei 250 bis 270 Millionen. In den vergangenen Tagen kamen zwei neue Aufträge über insgesamt 23,2 Millionen Dollar für europäisches Militär hinzu. Trotzdem notiert die Aktie 46 Prozent unter dem Stand von Jahresanfang. Die Bewertungslücke ist gewaltig: Community-Schätzungen sehen den fairen Wert bei 8,57 Dollar je Aktie, ein DCF-Modell dagegen bei nur 0,34 Dollar. Ein Fall für Anleger mit Nerven – die Fundamentaldaten wachsen, der Markt traut der Bewertung aber nicht.
Ähnlich zweigeteilt bleibt Sivers Semiconductors: Am Dienstag fiel der Kurs um 7,5 Prozent auf 2,96 Dollar. Auch hier hat der Chart die Story längst abgestraft, unabhängig davon, was das Unternehmen operativ liefert.
Krypto: Die Liquidität trocknet aus
Der Bitcoin-Handel steuert auf den schwächsten Monat seit November 2023 zu. Das durchschnittliche tägliche Spot-Volumen liegt bei mageren 2,2 Milliarden Dollar, der Kurs bei rund 63.900 Dollar. Der Fear-&-Greed-Index notiert bei 29 – klare Angstzone. Bezeichnend für die Marktphase: Die Börse BitMEX, einst Erfinder des Perpetual Swap, schließt zum 23. September, auch BitMart und AscendEX befinden sich im Rückzug. Strategy hat seit fünf Wochen keinen Bitcoin mehr zugekauft.
Wer im Krypto-Bereich handelt, sollte die austrocknende Liquidität ernst nehmen – dünne Märkte bewegen sich in beide Richtungen heftiger als gewohnt, und gerade das macht sie tückisch für alle, die auf eine schnelle Erholung setzen.
Die Konzentration auf wenige US-Tech-Giganten wird zum Klumpenrisiko, sobald der Markt beginnt, Rekordzahlen kritischer zu hinterfragen – ein Muster, das sich zuletzt nicht nur im Chipsektor zeigte. Ein kostenloser Sonderreport analysiert die Sektor-Rotation am US-Markt und nennt drei konkrete Aktien abseits von Big Tech mit Nachholpotenzial. Kostenlosen US-Markt-Report anfordern
Marschroute
Die Fed-Entscheidung, die schon gestern als Fixpunkt der Woche feststand, steht heute Abend an: Erwartet wird ein Hold bei 3,50 bis 3,75 Prozent, unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh und mit der Möglichkeit einzelner Gegenstimmen. Wie der Markt auf Warshs erste Pressekonferenz reagiert, gibt den Ton für Donnerstag vor. Am Chipsektor bleibt die Lage fragil: Infineon und ASML sind Volatilitätskandidaten, solange der Markt Rekordzahlen als Verkaufsanlass statt als Kaufargument liest. Bei Microsoft, das heute Abend berichtet, richtet sich der Blick weniger auf die erwarteten 87,7 Milliarden Dollar Umsatz oder das Azure-Wachstum von rund 40 Prozent als auf die Capex-Guidance für 2027 – dort entscheidet sich, ob die KI-Investitionswelle Fahrt behält. DroneShield und Sivers bleiben für risikofreudige Trader zwei Wetten darauf, dass sich die Bewertungslücke zwischen Fundamentaldaten und Kurs irgendwann schließt.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
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