Der US-Pharmariese steht offenbar kurz vor einem milliardenschweren Übernahmecoup. Laut einem Bericht der französischen Tageszeitung La Lettre bereitet Eli Lilly ein Angebot über 15 Milliarden Euro für den Biotech-Spezialisten Abivax vor. Das entspräche nahezu dem Doppelten der aktuellen Marktkapitalisierung des französischen Unternehmens.

Doch der Deal steht noch auf wackeligen Beinen. Bevor der Konzern ein formelles Angebot vorlegt, wartet das Management auf grünes Licht aus Paris. Konkret geht es um die Frage, ob das französische Finanzministerium die Transaktion den strengen Kontrollen für ausländische Investitionen unterwerfen wird. Die Antwort aus Paris könnte über Erfolg oder Scheitern der Übernahme entscheiden.

Das Milliardenversprechen hinter dem Deal

Was macht Abivax so wertvoll? Im Zentrum steht ein experimentelles Medikament namens Obefazimod zur Behandlung von Colitis ulcerosa, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Nach positiven Phase-III-Studiendaten im Juli vergangenen Jahres schoss die Abivax-Aktie in die Höhe – und kletterte seitdem kontinuierlich weiter.

Marc de Garidel, Chef von Abivax, zeigte sich auf der JPMorgan Healthcare Conference in San Francisco selbstbewusst: Große Pharmaunternehmen könnten Obefazimod nicht länger ignorieren. Das Präparat könnte „eines der meistgenutzten Produkte des nächsten Jahrzehnts“ werden. Zu den Übernahmegerüchten äußerte er sich zurückhaltend: „Wir konzentrieren uns darauf, dieses Medikament zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Die Gerüchte können wir nicht beeinflussen.“

Analysten wittern noch mehr Potenzial

Die Investmentbank Kepler Cheuvreux sieht in Abivax mittlerweile „eines der attraktivsten M&A-Ziele in der Spätphase“ im Bereich entzündlicher Darmerkrankungen. Die Experten kalkulieren für den Fall einer Übernahme mit einem Aktienwert zwischen 150 und 250 Euro – deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Diese Bandbreite berücksichtige Kontrollprämien, Synergieeffekte und den strategischen Wert eines oral verabreichten Medikaments in fortgeschrittener Entwicklung.

Am Montag reagierte die Börse bereits: Die Abivax-Aktie schoss in Paris zeitweise um mehr als 28 Prozent auf 127 Euro nach oben und markierte zwischenzeitlich ein Allzeithoch von 130 Euro. Die Eli Lilly-Aktie legte im vorbörslichen US-Handel moderat um 0,78 Prozent auf 1.071,90 Dollar zu. Weder Abivax noch Eli Lilly wollten sich bislang zu den Spekulationen äußern.