Das spanische Analysehaus Renta 4 hat das Kursziel für Enagás gestern um 15 Prozent von 17,70 Euro auf 20,30 Euro angehoben und die Einstufung auf „overweight“ belassen.
Analyst Ángel Pérez Llamazares begründete die Neubewertung mit den künftigen regulatorischen Vorgaben für das spanische Gasnetz im Zeitraum von 2027 bis 2032. Am Markt reagierte der Titel positiv: Die Aktie legte heute um 1,8 Prozent auf 16,78 Euro zu, nachdem sie gestern bei 16,49 Euro geschlossen hatte.
Zusätzliche Millionen aus dem Gasnetz
Nach den Berechnungen des Analysten bringt der überarbeitete Regulierungsrahmen für das Gasnetz Enagás einen spürbaren Ertragsschub. Pérez Llamazares schätzt, dass die neuen Regelungen die regulierten Erlöse des Konzerns um 75 bis 80 Millionen Euro pro Jahr anheben.
Medienberichten zufolge gilt dieser Rahmen als der zentrale Treiber für die jüngste Kurserholung des Unternehmens. Für Anleger bedeutsam ist dabei die Bewertungsgrundlage: Mögliche künftige Erträge aus dem Aufbau der europäischen Wasserstoffinfrastruktur hat Renta 4 in das neue Kursziel ausdrücklich noch nicht eingerechnet.
Vorausgegangen war am 18. September die Genehmigung der neuen Gasnetz-Vergütungsregeln durch die spanische Regulierungsbehörde CNMC. Die Behörde setzte für zentrale Kernaktivitäten eine finanzielle Rendite von 6,46 Prozent fest.
Laut Reuters stuften Analysten diese Vorgaben als günstiger als erwartet ein, insbesondere mit Blick auf Enagás. Das neue Regelwerk tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft. Wie die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días berichtete, soll Enagás über die sechsjährige Periode 2.263 Millionen Euro für die Regasifizierung und 3.453 Millionen Euro für den Gastransport erhalten.
Wasserstoff-Allianz und operative Meilensteine
Parallel zu den regulatorischen Weichenstellungen treibt das Unternehmen strategische Projekte voran. Am vergangenen Freitag richtete Enagás in Madrid die Veranstaltung „H2med Alliance: Building the European Hydrogen Market“ aus. Dort diskutierten Branchenvertreter die Voraussetzungen für die Schaffung eines wettbewerbsfähigen europäischen Marktes für Wasserstoff.
Ebenfalls am vergangenen Freitag meldete der Netzbetreiber einen Fortschritt bei den Sicherheitsstandards: Als erstes spanisches Unternehmen erhielt Enagás von der Prüforganisation AENOR eine Zertifizierung für sein industrielles Cybersicherheitsprogramm nach der Norm UNE-EN IEC 62443-2-1:2024. Die Auszeichnung betrifft den Betrieb des unterirdischen Erdgasspeichers in Yela.
Bereits am 24. September hatte Enagás zudem an einer Beratung der spanischen Regierung mit Vertretern der Energiewirtschaft teilgenommen, bei der die Akteure laut EL PAÍS vor anspruchsvollen Wintermonaten bei den Energie- und Gaspreisen nach dem Ende staatlicher Hilfen gewarnt hatten.
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