Der spanische Chemiekonzern Ercros bereitet sich nach vier Jahrzehnten auf den Rückzug vom öffentlichen Aktienmarkt vor. Wie Medienberichten zu entnehmen ist, hat das portugiesische Industrieunternehmen Bondalti seine Übernahmeofferte erfolgreich abgeschlossen. Bondalti, das bereits vor der Offerte 77,23 Prozent der Anteile hielt, konnte seine Beteiligung durch das Angebot auf insgesamt 85,85 Prozent des Grundkapitals steigern.
Details zur abgeschlossenen Übernahmeofferte
Im Rahmen der sogenannten Ausschluss-OPA (Übernahmeangebot mit dem Ziel des Delistings) wurden Bondalti insgesamt 7,88 Millionen zusätzliche Aktien angedient. Dies entspricht einem Anteil von 8,62 Prozent des Gesamtkapitals beziehungsweise 37,86 Prozent der Stimmrechte, die im Rahmen dieses spezifischen Angebots zur Disposition standen. Der Angebotspreis beläuft sich auf 3,505 Euro pro Aktie in bar.
Die Abwicklung der Transaktion ist für den kommenden Montag vorgesehen. Der Handel mit den Papieren von Ercros war bereits am 11. September durch die spanische Börsenaufsicht CNMV (Comisión Nacional del Mercado de Valores) ausgesetzt worden. Mit dem nun feststehenden Ergebnis rückt der endgültige Rückzug von der Börse näher: Voraussichtlich am Mittwoch, den 23. September, wird die Aktie von den Kurszetteln verschwinden.
Hinter dem Käufer steht die Grupo José de Mello, ein portugiesischer Konzern mit einer über 125-jährigen Geschichte. Mit der vollständigen Integration von Ercros festigt Bondalti seine strategische Position im europäischen Chemiesektor.
Kein Squeeze-out mangels 90-Prozent-Schwelle
Trotz des deutlichen Zuwachses an Anteilen wird es vorerst keinen Zwangsabschluss (Squeeze-out) der verbliebenen Anteilseigner geben. Da Bondalti die hierfür erforderliche Schwelle von 90 Prozent des Kapitals nicht erreicht hat, verbleibt eine Minderheit von etwa 14 Prozent der Aktionäre im Unternehmen.
Diese Gruppe wird künftig Anteile an einer nicht mehr börsennotierten Gesellschaft halten, da das Delisting unabhängig von der Erreichung der 90-Prozent-Marke vollzogen wird.
Die Entscheidung zum Rückzug fällt in eine wirtschaftlich herausfordernde Phase für den Chemieproduzenten. In einem früheren Bericht wurden die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr veröffentlicht, die einen herben Ergebnisrückgang verdeutlichen.
Schwache Halbjahresbilanz begleitet Konsolidierung
Zwar verzeichnete Ercros in den ersten sechs Monaten einen Umsatz von 364,5 Millionen Euro — was einem leichten Zuwachs von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht — doch die Profitabilität geriet massiv unter Druck. Das bereinigte EBITDA lag bei rund 23 Millionen Euro.
Diese Zahlen unterstreichen den hohen Konsolidierungsbedarf, den Bondalti mit der nun fast vollständigen Übernahme adressieren muss. Die verbleibenden Minderheitsaktionäre müssen sich darauf einstellen, dass die künftige Unternehmensführung ohne die Publizitätspflichten des regulierten Marktes agieren wird.
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