Die EZB dreht an der Zinsschraube. Und die Erste Group profitiert direkt davon. Die Aktie des österreichischen Bankhauses legte am Freitag um 2,83 Prozent auf 109,00 Euro zu. Damit nähert sich das Papier wieder seinem 52-Wochen-Hoch von 111,90 Euro.

Die Europäische Zentralbank erhöhte die Leitzinsen um 25 Basispunkte. Der Einlagensatz steigt auf 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt nun bei 2,40 Prozent. Grund dafür sind anhaltende Inflationsrisiken.

Der Konflikt im Nahen Osten und die Unsicherheiten an den Energiemärkten treiben die Preise. Die EZB erwartet für 2026 eine durchschnittliche Inflationsrate von drei Prozent.

Für die Erste Bank ist dieser Kurs ein Segen. Höhere Zinsen stützen traditionell die Nettozinsmarge von Geldhäusern. Zwar senkte die Notenbank ihre Wachstumsprognose für die Eurozone auf 0,8 Prozent. Doch die Entschlossenheit im Kampf gegen die Inflation wiegt für Anleger schwerer.

Analysten halten an Kaufempfehlung fest

Die Research-Häuser untermauern den positiven Trend. Die Deutsche Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung für die Erste Group. Das Kursziel bleibt bei 121,00 Euro. Vom aktuellen Niveau aus ergibt sich damit ein Aufwärtspotenzial von gut elf Prozent.

Der Analystenkonsens für 2026 ist ebenfalls vielversprechend. Die Experten erwarten einen operativen Ertrag von rund 16,03 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Nettogewinn wird auf 4,08 Milliarden Euro geschätzt.

Technik zeigt klaren Aufwärtstrend

Die Aktie notiert deutlich über ihren wichtigen Durchschnittslinien. Der 200-Tage-Schnitt liegt bei 96,76 Euro – der Kurs hat diesen Wert um fast 13 Prozent hinter sich gelassen. Der Relative-Stärke-Index steht bei 66,5.

Ein Wert unter 70 gilt als gesunder Aufwärtsimpuls. Überkauft ist der Titel noch nicht. Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei 31,22 Prozent. Das spiegelt die derzeitige Dynamik im Sektor wider.

Der nächste wichtige Termin für Anleger ist der Halbjahresbericht. Er erscheint Ende Juli. Dann wird sich zeigen, wie sich die Kreditnachfrage und die Risikovorsorge im neuen Zinsumfeld entwickeln. Derzeit spricht wenig gegen eine Fortsetzung der Rallye.